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Neue Serie: Zehn Jahre Stadtrechte Tornesch : Vom „Urdorf“ zur Gemeinde

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im ersten Teil steht Esingen im Mittelpunkt, aus dem 1930 Tornesch hervorging. 1867 bereits 971 Einwohner gezählt.

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erstellt am 02.Sep.2015 | 16:30 Uhr

Tornesch | Während der offiziellen Feierstunde am Sonnabend und mit einem großen Stadtfest am Sonntag feierte die Stadt Tornesch die Verleihung der Stadtrechte vor zehn Jahren. Die Geschichte reicht aber bis ins fünfte Jahrhundert zurück. Das Dorf Esingen gilt als das „Urdorf“, aus dem 1930 die Gemeinde Tornesch hervorging, die 2005 zur Stadt wurde. Der Ortschronist Christian Wegener (1879 bis 1970) schätzte, dass Esingen bereits im fünften Jahrhundert gegründet wurde. Die Endung „-ingen“ spreche für eine Gründung in der vorsächsischen Zeit. Von diesen seien nur diejenigen erhalten geblieben, die schwer zugänglich waren: Hetlingen, Hemdingen, Stellingen und Esingen.

Während heute die Nähe zu Hamburg, die Autobahn 23 und die Nahverkehrsanbindung an die Hansestadt wichtige Wirtschaftsfaktoren sind, war die Pinnau als Verkehrsweg ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sorgte zudem mit ihrem Fischbestand für die Versorgung der Bevölkerung. Der Wald und die angrenzenden Moorgebiete sollen die Rohstoffe für den Hausbau, Feuer und Viehstreu geliefert haben. Zudem erwies sich das höher gelegene Geestland mit seinen sandigen Böden als ideales Ackerland, das mit dem Holzpflug bearbeitet wurde.

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Esingen erst Ende des 13. Jahrhunderts. Annette Schlappkohl vermutet in der Gemeindechronik (siehe Infobox), dass im achten Jahrhundert vier bis sechs Höfe existiert haben sollen. Die sogenannten Urhöfe sollen sich im Bereich Halloh/Riedweg befunden haben. Außer Viehzucht stand der Ackerbau im Fokus.

Die Landtafel des Malers Daniel Frese von 1588 erfasst Esingen erstmals kartografisch. (Foto: Tornescher Chronik)
Die Landtafel des Malers Daniel Frese von 1588 erfasst Esingen erstmals kartografisch. (Foto: Tornescher Chronik)
 

Mit der Verbreitung des christlichen Glaubens – die für Esingen zuständige Kirche in Rellingen wurde erstmals 1266 erwähnt – wurde auch Esingen erstmals urkundlich erwähnt. In einer Schenkung an das Uetersener Nonnenkloster wurde das damalige Dorf am 10.      Februar 1285 erstmals genannt. „Die Schenkungen an die Klöster dieses Zeitalters sind vor dem Hintergrund der Seelenrettung zu sehen. Es herrschte der Glaube vor, dass man sich vor der Hölle durch mildtätige Stiftungen bewahren könne. Das Kloster Uetersen Uetersen konnte in diesen Jahren seinen Grundbesitz erheblich erweitern“, analysierte Annette Schlappkohl.

Die Bauern des Dorfes wurden in der lateinisch verfassten Schenkungsurkunde „colonos“ genannt. Sie waren freie Zinsleute, die zu Abgaben und Diensten an ihren Grundherren verpflichtet waren. Zu diesem ernannte Heinrich von Barmstede die Grafen von Holstein, Adolf V. und Johann II., die etwa 1273 bei der ersten Landesteilung der Grafschaft Holstein fast ganz Storman erhalten hatten – darunter Barmstedt und das Kirchspiel Rellingen, zu dem Esingen zählte. 1588 erstellte der Maler Daniel Frese eine Landtafel, auf der Esingen – unter dem Namen „Esens“ – erstmals kartografisch erfasst wurde. Die fünf Meter breite und viereinhalb Meter Hohe Landtafel wird noch heute im Schloss Bückeburg aufbewahrt. Die Bevölkerungszahl Esingens stieg stetig an. 1774 sollen es 430, 1841 839 und 1867 bereits 971 Einwohner gegeben haben.

Der Wandel von der Landwirtschaft zu Handwerk und Gewerbe vollzog sich langsam. Königliche Konstitutionen schützten die Rechte der Handwerker in den Städten. Um die Städte in der Geest wurden im Radius von drei Meilen nur eine bestimmte Anzahl von Landhandwerkern zugelassen: ein Rademacher, ein Grobschmied, ein Schneider und ein Schuster. Diese durften ihre Erzeugnisse allerdings nicht in den Städten verkaufen.

Zwei Wirte und eine Hebamme

Laut der Volkszählung 1803 wurden ein Schmiedebetrieb und eine Zimmerei in Esingen betrieben. Bei der Volkszählung 1835 war ein Dachdecker, ein Leineweber, ein Grützmacher und ein Hausschlachter hinzugekommen. Ahrenlohe, das im 17. Jahrhundert gegründet wurde, verfügte 1841 über zwei Wirte, eine Hebamme, einen Schmied, einen Schuster, einen Tischler und drei Weber.

Bis 1860 verdreifachte sich die Zahl der Handwerksbetriebe. In diesem Jahr erhielt der Grützmachergeselle Claus Groth vom königlichen Ministerium in Kopenhagen die Konzession für eine Grützmacherei für den Mehl- und Schrothandel. Dafür musste Groth jährlich zwölf Reichstaler zahlen. Das Unternehmen wurde 1862 an der heutigen Pinneberger Straße aufgebaut.

Ab 1865 durften die Mühlenprodukte landesweit verkauft werden. Mehl und Schrot durften weiterhin nur in der Bauernvogtei Esingen geliefert werden. Mit 10,50 Mark war Groth 1881 der wichtigste Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Doch das war erst der Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung der Urgemeinde Esingen. In der kommenden Woche lesen Sie: „Die Eisenbahn kommt: Was ändert sich dadurch?“

Annette Schlappkohl hat von 2000 bis 2004 die Geschichte Torneschs im Auftrag der Ernst Martin Groth-Stiftung aufgearbeitet. Das 500-seitige Buch mit dem Titel „Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute“ erschien 2004. Als Gastautoren wirkten Hans-Albrecht Hewicker, Arthur Mölln und  Hans Joachim Wohlenberg mit.
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