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„Älter werden ist eine Kunstform“ : Vom Senioren-Yoga und dem Latin-Lover - Sissi Perlinger in Schenefeld

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Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Als Hip-Hopper nimmt sie den Jugendwahn samt ohrenbetäubendem Lärm in den heutigen Discos auf die Schippe.

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erstellt am 24.Apr.2017 | 13:30 Uhr

Schenefeld | „Bravo, zeigt mir, was in euch steckt“, freute sich Sissi Perlinger über den stürmischen Applaus im fast ausverkauften Schenefelder Forum. „Eure Lacher sind pure Energie für mich“, sagte die Entertainerin, als sie im Leoparden-Kleid ihr Programm „Ich bin dann mal jung“ ankündigte. An Energie mangelte es der Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin nicht eine Sekunde. Künstlerin und Publikum motivierten sich am Freitagabend gegenseitig.

Perlinger war bestens aufgelegt, schlüpfte in immer wieder neue Rollen. So spielte sie beispielsweise die alte WG-Bewohnerin, die Senioren-Yoga macht, einen jungen Latin-Lover namens Gonzales hat – der ihr nur bis zur Brust reicht - und partout keine nette Omi sein will: „Lieber in den Knast als ins Altersheim“.

Köstlich auch der Bericht über ihren Besuch der Ausstellung „Körperwelten“. „Ich habe meinen Ex getroffen (in der Vitrine). Endlich kommt er unter Leute“, sagte Perlinger. Oder: „Je zerknitterter ich morgens aufwache, desto größer sind meine Entfaltungsmöglichkeiten“. Jeder Gag und jede Pointe fanden treffsicher ihr Ziel.

Als Hip-Hopper – „DJ Ötzi ist nichts dagegen“ – nahm sie den Jugendwahn samt ohrenbetäubendem Lärm in den heutigen Discos auf die Schippe, um dann in provozierend rotem Kostüm, lustvoll ein empfängnisbereites Ei zu mimen, das sehnsüchtig auf das Eintreffen eines Spermiums wartet. Freilich, nicht ohne dabei noch kurzweilig über die Entwicklung der Frau bis zur Menopause zu referieren. „Heutzutage haben eher die Jüngeren die Ängste“, erklärte sie an anderer Stelle und nahm eine „Live-Umschalte“ zu einer (fiktiven) Kollegin vor, die Leute mit „allerlei Ängsten“ bei einer Pegida-Versammlung interviewte.

Als sie, um dem „Schrecken des Alterns“ zu entgehen, als lustvoll agierende Alte die „Villa Kunterbunt“ für Senioren in der Schweiz eröffnete, wo es zur Entspannung gar eine Schultüte mit Hasch gibt, lautet ihr klares Credo: „Wir gestalten uns die Welt, wie wir sie sehen wollen“. Großartig waren auch ihre Gesangseinlagen, selbst geschriebene Songs, etwa der Titel „Was in dir steckt“ und „Ein neues Zeitalter“. Mit ihrer kraftvollen Stimme jonglierte sie zwischen tiefen und hohen Tonlagen, swingte und jazzte, sich selbst mit Gitarre und Schlagzeug begleitend.

Auch bei den leisen Tönen hörte das Publikum gerne zu. Die 54-Jährige ist seit 2015 mit ihrem „Ich bin dann mal jung“-Programm unterwegs. Ob es deswegen eine Frischzellentherapie brauchen könnte? Nein, nicht wirklich. „Man ist so alt, wie man sich macht und da heißt es „lügen, lügen, lügen“, betonte die Künstlerin. Mehr Ruhe in der Ausgestaltung einer Figur wäre an mancher Stelle besser gewesen. Aber die Perlinger vermittelte bei all der Rollenvielfalt gelungen ihre Botschaft. Die lautet: „Älter werden ist eine Kunstform“.

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