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Pinneberg : Vom Ingenieur zum Verleger: Pinneberger veröffentlich Magazin in Eigenregie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein Pinneberger bringt ein Magazin über Reisemobile heraus. Die Zeitschrift soll viermal im Jahr erscheinen.

von
erstellt am 17.Apr.2015 | 12:15 Uhr

Pinneberg | Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der sich die Fahrer von Reisemobilen auf den Weg machen: Gen Süden, gen Norden schwärmen die Fahrzeuge auf den Autobahnen aus. In den Urlaub. Richtung Sonne. Ans Meer. Etwa 100.000 „Womos“, so die Abkürzung für Wohnmobile, werden pro Jahr in Deutschland zugelassen.

Ein riesiger Markt, den Volker Meliß im Auge hat: Seit März ist die erste Ausgabe von „Reisemobilist“ am Kiosk erhältlich. Ein hochwertiges Magazin, das der Pinneberger in Eigenregie mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren bundesweit herausbringt. Für je fünf Euro ist es auch in Pinneberg in der Bahnhofsbuchhandlung und in den Famila-Märkten zu bekommen.

Vom Ingenieur und Marketingberater zum Verleger. Der gebürtige Hamburger hat sich den Traum von einem eigenen Magazin erfüllt. „Zwar gibt es drei andere große Zeitschriften, aber die sind für den Leser langweilig, weil sie nur über neue Reisemobile berichten und von den Anzeigen der Hersteller abhängig sind. Ich lese sie schon seit Jahren nicht mehr“, sagt er. Genau diese fehlende Flexibilität macht sich Meliß zu Nutze. Mit anderen Worten: Er hat noch eine Marktlücke im stark umkämpften Special-Interest-Sektor entdeckt: „Wir haben pro Ausgabe drei Fahrzeugtests – und zwar die interessantesten. Außerdem gibt es drei Reiseberichte und Praxisberichte beispielsweise zu den Fragen: Wie komme ich mit der Fähre nach Island? oder wie halte ich Trinkwasser frisch?“, berichtet er. Reiseberichte vom Leser wären ihm allerdings am liebsten. Das Magazin solle nicht in einer Stunde konsumiert werden.

Meliß macht fast alles in Eigenregie: Er ist nicht nur Verleger, sondern auch Chefredakteur in Personalunion. Klar, dass er die Wohnmobile selbst auf Herz und Nieren testet. Dafür nimmt er weite Wege in Kauf, weil er direkt zu den Herstellern fährt. Am Dienstag war er in Bayreuth, eine Reise nach Isny im Allgäu steht kurz bevor und in der nächsten Woche geht es nach Kreuzwertheim. Die Texte über seine Erfahrungen mit den Fahrzeugen schreibt der Pinneberger selbstverständlich selbst. „Bei 100 Seiten muss ich jede Woche einen Artikel schreiben.“ Auch die Bilder wählt er aus. Die Akquise von Anzeigen, denn ganz ohne kommt auch sein Magazin nicht aus, hat er indes abgegeben und das Lektorat ins „private Umfeld“ verlegt. „Man kann seine eigenen Texte nicht selbst redigieren. Das funktioniert nicht.“ Für das Layout an einem Mac-Computer konnte er die VHS-Dozentin Caroline Golz gewinnen. „Ich habe bei ihr einen Kursus über Indesign belegt, berichtet er. So kam eins zum anderen.

Gedruckt wird die erste Auflage, in die Meliß 13.000 Euro investiert hat, in Uelzen. Ein Spediteur liefert die Zeitschriften an einen Grossisten in Hamburg aus, der wiederum die Kioske und Geschäfte beliefert. Alles läuft generalstabsmäßig ab. Geht es nach Meliß, soll das Magazin „Reisemobilist“ vier Mal im Jahr erscheinen. Derzeit hat der Pinneberger noch keine Verkaufszahlen vorliegen. Aber er rechnet damit, dass nach dem Verkauf der zweiten Ausgabe die Herstellungskosten gedeckt sein werden. Ab der vierten Ausgabe soll der Lebensunterhalt gesichert sein.

„Es ist das erste Mal, dass ich einen Job mache, der mir wirklich am Herzen liegt. Daraus ziehe ich auch den Optimismus, dass es funktioniert“, sagt er. Keine Frage: Die Berichte im Heft sind mit Herzblut geschrieben. Vor 28 Jahren hat Meliß seine Liebe zu Wohnmobilen entdeckt. Von der tunesischen Wüste bis zu den Lofoten ist er gereist. Er schwärmt: „Es ist eine entschleunigte Art des Reisens. Es ist total entspannend, weil man keinen Zwängen unterlegen ist. Wer es dreimal gemacht hat, weiß: Es ist kein billiger Urlaub.“

Beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg (KBA) waren zum Stichtag 1. Januar 2013 insgesamt 353.663 Reisemobile gemeldet, was im Vergleich zum Vorjahresstichtag (340788) einem Zuwachs von 3,8 Prozent entspricht. Hierzu muss allerdings angemerkt werden, dass das KBA nur diejenigen Fahrzeuge erfasst, die als „sonstiges Kfz-Wohnmobil“ zugelassen sind. Ausgebaute Kastenwagen, die als Pkw, Büromobil oder Lkw zugelassen werden, sind in diesen Bestandszahlen nicht enthalten.  Insgesamt geht der CIVD (Caravaning Industrie Verband) aufgrund seiner Erfahrungswerte von einem tatsächlichen Bestand von etwa 440.000 Reisemobilen aus.  Der höchste Bestand an Reisemobilen ist in Nordrhein-Westfalen mit 74.158 Fahrzeugen vorzufinden, gefolgt von Bayern (68934) und Baden-Württemberg (54797).
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