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„Zisch“ : Vom individuellen Look zur Schulkleidung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

„Zisch“-Zeitung in der Schule ist ein gemeinsames Projekt des A. Beig-Verlags, Edeka und der Sparkasse Elmshorn.

Einheitliche Schulkleidung an Schulen ist immer mal wieder ein großes Thema in Deutschland und mitunter sehr kontrovers diskutiert. Von Seiten der Kultusministerkonferenz (KMK) hieß es bisher, in der Bundesrepublik habe man sich aus historischen Grünen nach dem Zweiten Weltkrieg gegen Schuluniformen entschieden. Zu frisch seien noch die Erinnerungen an die Uniformen der Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel.

„Wie siehst du denn heute aus, billiger konntest du die Klamotten nicht bekommen?“ oder „In sind Hollister, Nike und Adidas, aber nicht der Mist, den du da anhast!“ So oder so ähnlich verlaufen sicherlich auch Gespräche auf dem Schulhof in den Pausen unter den Jugendlichen. Da wird einem mitunter knallhart die Meinung bezüglich des Outfits gegeigt.

In Japan gibt es Schuluniformen, in Deutschland nur vereinzelt:

Da wäre es doch sinnvoll, wenn man Schuluniformen beziehungsweise Schulkleidung an bundesdeutschen Schulen einführt, oder etwa nicht? In anderen Ländern dieser Erde klappt dies doch auch. In Japan zum Beispiel tragen fast alle Schüler ab der 7. Klasse Schuluniformen. Nur an der überwiegend staatlichen Grundschule, die in Japan bis zur sechsten Klasse dauert, sind die meisten Schüler davon befreit. Diese wird in der Mittel- und Oberschule getragen. Das größte Land in Europa, in dem Schuluniformen getragen werden, ist das Vereinigte Königreich. An staatlichen Schulen werden Regeln zur Schuluniform weniger streng gehandhabt als an den Privatschulen. In vielen seiner ehemaligen Kolonien wie etwa Indien, Australien, Hongkong oder Neuseeland gibt es diese auch heute noch. In den USA und Kanada gibt es keine Uniformen in staatlichen Schulen, aber in vielen privaten Schulen. Schuluniformen gibt es ebenfalls in Südafrika, China, Vietnam, Thailand oder der Türkei. Auch in Südamerika und auf Barbados werden Schuluniformen von den meisten Schülern getragen. In Russland gab es von 1994 bis 2013 keine Schuluniformpflicht. Diese wurde aber zum 1. September 2013 wieder eingeführt. In Deutschland gab es, abgesehen von früheren Schülermützen, bis zum Jahr 2000 keine Schuluniformen. Im September 2000 führte Karin Brose zusammen mit dem Elternrat der Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf erstmals an einer staatlichen Schule in Deutschland eine einheitliche Kleidung ein. Einige staatliche Schulen haben inzwischen einheitliche Schulkleidung eingeführt. An manchen Privatschulen wird aber einheitliche Schulkleidung obligatorisch von allen Schülern getragen.

Der Versuch einer Definition: Was ist eigentlich eine Schuluniform im Gegensatz zu einer Schulkleidung? Unserer Meinung nach ist eine Schuluniform eine vorgeschriebene, einheitliche Kleidung für alle Schüler einer Schule. Schulkleidung ist für uns im Gegensatz zur Schuluniform eine Kleidung, die auf freiwilliger Basis läuft. Das heißt, dass die Schüler einer Schule über ihre Kleidung mitbestimmen dürfen und mitunter auch aus verschiedenen Kollektionen aussuchen, was sie tragen wollen.

Für eine Schulkleidung sprechen unserer Meinung nach folgende Aspekte:

1. Man muss sich am Morgen keine Gedanken darüber machen, was man anziehen will. 2. So steif und langweilig wie früher die Schuluniformen waren, ist Schulkleidung heutzutage absolut nicht mehr. Und viele Schullogos stehen in Sachen Coolness den bekannten Labels in nichts nach. 3. Die Lehrkräfte sind den mitunter extrem kurzen Röcken und Tops mit tiefen Ausschnitten im Sommer nicht mehr ausgesetzt und können die Schülerinnen dann wieder gefahrlos ansehen, ohne eine Beschwerde wegen sexueller Belästigung zu befürchten. 4. Schulkleidung kann den sozialen Unterschied ausgleichen und für ein besseres Klassenklima sorgen. 5. Der Zusammenhalt wird also nachhaltig gestärkt. Schüler mit teuren Markenklamotten müssen nicht befürchten, dass ihnen diese abgezockt werden und Schüler mit „Billigklamotten“ müssen nicht befürchten, dass sie doof angemacht werden. 6. Der Charakter eines jeden Schülers zählt nun wieder mehr und nicht sein Aussehen, seine Kleidung. 7. Wenn durch eine Schulkleidung dann Mobbing und Ausgrenzungen weniger werden, dann nehmen auch Schulschwänzereien und krankheitsbedingte Fehltage ab. 8. Das sich ständig Überbieten in Sachen „Wer hat die teuersten und coolsten Klamotten“ hört nun endlich auf.

Gegen eine Schulkleidung sprechen unserer Meinung nach folgende Aspekte:

1. Schüler in der Pubertät wollen sich neu entdecken, neu erfinden und ausprobieren. Durch eine Schulkleidung werden sie stark eingeschränkt. Es könnte sein, dass Schülersich dadurch genötigt sehen, durch extremes Schminken und extreme Frisuren Aufmerksamkeit zu erregen. 2. Neuerungen an Schulen werden oftmals negativ gesehen und finden wenig Unterstützer. 3. Das Qualitäts- beziehungsweise Preis-Leistungsverhältnis stimmt oft nicht bei Schulkleidung. 4. Es könnte nun ein Konkurrenzkampf unter regionalen Schulen entstehen, wer die wertigste und coolste Schulkleidung anbietet beziehungsweise hat. 5. Die Frage ist, ob sich der „Markenterror“ dann beispielsweise auf Schmuck oder Handys verschiebt und somit in anderer Form weitergeht.

Unser Fazit: An unserer Schule haben wir seit 2009 eine Schulkleidung und das ist auch gut so. Allerdings muss man auch sagen, dass diese, da auf freiwilliger Basis angeboten, mehr von den Fünft- bis Siebtklässlern angenommen wurde, als von den Acht- bis Zehntklässlern. Und dass die Nachfrage in den Jahren zurückging. Die Tatsache, dass wir eine neue Schulform aufgrund der schulpolitischen Veränderungen im Land Schleswig-Holstein zum 1. August 2014 annehmen mussten, führte dazu, dass das Thema Schulkleidung bei uns an der Schule neu aufgerollt und nun ein neues, cooleres, zeitgemäßes Logo per Umfrage bei den Schülern entwickelt wurde. Dies hat jetzt die ebenfalls im Sommer 2014 neu gegründete Schülerfirma übernommen, die aus Schülern der Schule besteht und näher am Puls der Zeit ist, als die Lehrer, welche die Schulkleidung damals organisiert haben. Wir sind voll freudiger Erwartung, auf das Aussehen der neuen Schulkleidung – und bereit, wenn uns das Aussehen gefällt und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt, diese auch zu kaufen. Eine Umfrage von uns ergab, dass die Schüler der 5. bis 7. Klassen deutlich größeres Interesse an einer neuen, zeitgemäßeren Schulkleidung haben, als die Schüler der 8. bis 10. Klassen. Warten wir es ab.

Wie läuft es bei Schulen in unserer Region? Die Recherche bei acht Grund- und Gemeinschaftsschulen in der Region sowie Gymnasien ergab Folgendes: Fünf von acht Schulen bieten zumindest ein Shirt auf freiwilliger Basis an und sind mit dem Absatz und dem „Identifikationsfaktor“ mehr oder weniger zufrieden. An drei Schulen gibt es keine Schulkleidung und es ist perspektivisch auch keine Schulkleidung angedacht. Überrascht hat uns, dass die beiden angesprochenen Gymnasien der Region keine Schulkleidung anbieten.

Wie sollte man bei einer Neueinführung von Schulkleidung an Schulen vorgehen?

Es ist sicherlich generell schwer, Neuerungen an Schulen einzuführen. Extrem wichtig bei der Einführung einer Schulkleidung ist, dass die Schülerschaft und die Elternschaft vorab mit eingebunden werden und dann bei der Umsetzung voll mitziehen. Nicht der Geschmack der Erwachsenen – Eltern und Lehrer – zählt! Ausschlaggebend ist sicherlich auch, dass die ausgewählte Kollektion halbwegs cool, aktuell, angesagt, bezahlbar und bequem ist. Aktuelle Tragegewohnheiten sollten berücksichtigt werden. Schüler, Eltern und Lehrer, die solche Projekte anschieben wollen, sollten folgende Punkte beachten: gute Qualität für tägliches Tragen, aktuelle und altersgerechte Schnitte, moderne Styles bei bezahlbaren Preisen sowie eine einfache Logistik. Die Schulkleidung sollte das Budget der Eltern nicht zu sehr belasten. Eventuell kann man ja auch den Schul- oder Förderverein beziehungsweise Sponsoren als Unterstützer mit einbeziehen. Letztendlich, nach unzähligen Gesprächen zwischen allen Beteiligten – Schülern, Schülervertretung, Eltern, Lehrern, Schul- und Fördervereinen, Schulleitung sowie Anbietern – muss ein entsprechender Antrag auf der Schulkonferenz verlesen und dann, wenn möglich, einstimmig, angenommen werden.

Im Zuge der Diskussion um Schulkleidung kann man sicherlich auch über die Einführung einer Kleiderordnung sprechen. Denn immer häufiger kommen Schüler mit Boxershorts, in Trainingshosen, in knappen Röcken oder Hosen oder mit bauchfreien Shirts in die Schule. Auch beliebt sind Shirts oder Sweater mit Aufdrucken, die mitunter nicht sinnvolle und nicht jugendfreie Bilder oder Sprüche zeigen. Dieser Entwicklung muss Schule, als pädagogische Anstalt, entgegenwirken.


 

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erstellt am 04.Feb.2015 | 10:00 Uhr

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