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Pinneberger Tageblatt

23. November 2017 | 06:13 Uhr

Reportage : Vom Honig aus dem eigenen Garten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Halstenbekerin Christa Kluxen hat 20 Bienenvölker unter ihren Fittichen. Die Insekten sammeln Nektar im angrenzenden Baumschulgebiet.

Halstenbek | „Willst Du Gottes Wunder seh’n, musst Du zu den Bienen geh’n“, heißt es in einem Sprichwort, das Hobby-Imkerin Christa Kluxen sofort unterschreibt. Geboren im nordrhein-westfälischen Vlotho, wuchs die Tochter eines Honigbienen-Züchters schon als Kind im Einklang mit der Wunderwelt der „Biene Maja“ auf.

Heute lebt die pensionierte Berufsschullehrerin schon lange selbst im Land, in dem der Honig fließt. Denn im Garten ihres Einfamilienhauses am Halstenbeker Domänenweg regiert die leidenschaftliche Hobby-Imkerin mittlerweile über bis zu 20 Bienenvölker. Ein Millionenheer, das jährlich zwischen 15 und 35 Kilogramm des kostbaren Nektars „einfliegt“. Vor allem jetzt im Frühling, und ganz besonders wenn die Sonne scheint, summt und surrt es bei den Kluxens nur so vor sich hin. Und auf den Abflugrampen der grünen Bienenkästen herrscht Hochbetrieb.

„Die sind schon richtig auf Temperatur. Manchmal herrscht in den Kästen eine Wärme von über 30 Grad“, sagt Kluxen. Und sie betont, dass das Bienenleben kein Honiglecken sei.

Nach ihrer Jugend hat sich Kluxen eigentlich gar nicht mehr mit den emsigen Tieren beschäftigt. „Erst mit der Verlegung meines Lebensmittelpunktes in den Kreis Pinneberg war es nach dem Eintritt in den Ruhestand Kommissar Zufall, der mich wieder an die Imkerei heranführte“, erinnert sich Kluxen an das Jahr 2009, als sie während des geplanten Einkaufs bei einem benachbarten Bienenzüchter statt Honig nur den Hinweis „ausverkauft“ erhielt.

„Selbermachen“ lautete noch der gut gemeinte Ratschlag des Kollegen, den Kluxen mit viel Interesse annahm. Und prompt nahm sie an einem Imker-Lehrgang in Moorrege teil um im Anschluss daran, gleich in ihrem ersten Imkerjahr, eine kleine Überraschung erleben zu dürfen. „Da gab es eine wundersame Völkervermehrung. Denn meine beiden Ableger schwärmten. Und so hatte ich dann kurz darauf statt zwei schon vier Völker. Das nennt man wohl Anfängerglück. Ein guter Start“, sagt die Mutter zweier Töchter schmunzelnd.

Jung-Imkern rät Kluxen dazu, sich einen Imkerpaten zu suchen. „Dieser weiß was man braucht und was nicht, begleitet den Neueinsteiger im praktischen Bereich und steht bei auftretenden Problemen hilfsbereit zur Seite“, sagt Kluxen, ehe sie drei selbst produzierte Gläser Raps-, Blüten und Sommerhonig auf den Tisch stellt. Natürlich nur im Glas des Deutschen Imker-Bundes (DIB). „Und mit Sachkundenachweis. Da können Sie sicher sein, dass der Inhalt aus der direkten Nachbarschaft zusammengetragen wurde“, erklärt Kluxen.

In ihrem gemütlichen Garten schlüpft sie in den Imker-Anzug und bringt den an eine Blechgießkanne erinnernden „Smoker“, die moderne Imkerpfeife, zum Dampfen. „Der Rauch dient zur Beruhigung der Bienen, wenn ich an die Kästen gehe“, sagt die verheiratete Halstenbekerin noch, ehe sie ihr Vorhaben, eine Wabe aus einem der reichbevölkerten Bienenkästen zu ziehen, in die Tat umsetzt. Auf der herausgezogenen Wabe zeigt sich ein faszinierender Wust an quirligen, rastlos durcheinander krabbelnden Honigbienen.

Im April seien die Brutnester noch sehr ausgedehnt. Nach der Sommersonnenwende gingen sie dann aber wieder zurück. Erst Ende Juni könne dann allmählich mit der Ernte des Nektars begonnen werden, den die staatenbildenden Fluginsekten der Sorte „Carnica“ sammeln. Die Suche nach dem Nektar beginnt bereits jetzt im Frühling bei den herrlich blühenden Zierkirschen auf dem an Kluxens Garten angrenzenden Baumschulgelände. Auch in den Blüten von Zierquitte, Mahonie, Krokussen und Hyazinthen werden die eifrigen Sammler fündig.

„Sind die Waben dann prall gefüllt, kann ich sie rein holen und entdeckeln, bevor ich sie in die Schleuder gebe und den Honig siebe. Dann bleibt er noch rund drei Wochen stehen und wird regelmäßig umgerührt, um einer Kristallbildung vorzubeugen“, erklärt die Hobby-Imkerin die einzelnen Schritte, die vor Abfüllung der ebenso süßen wie gesunden Köstlichkeit von Nöten sind. Danach wären es dann vor allem Freunde, Nachbarn und Bekannte, die nicht selten als Stammkunden fungierten. „Mehr Bienenvölker brauche ich eigentlich nicht. Mit bis zu 20 bin ich doch schon ganz gut ausgelastet“, so die Einschätzung der Fachfrau.

Kluxen teilt ihr Wissen rund um das Imkern gern. Das nächste Mal in einem Kursus an der Volkshochschule Halstenbek unter dem Titel „Einführung in die Imkerei“, der am Freitag, 9. Mai, beginnt.

Die älteste, je gefundene versteinerte Honigbiene ist über 25 Millionen Jahre alt. Für 500 g Honig legen die Stechinsekten etwa 120.000 Flugkilometer zurück. Eine Bienenkönigin kann bis zu fünf Jahre alt werden,  Arbeitsbienen dagegen (im Sommer) nur vier bis sechs Wochen. 80 Prozent aller Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen. Nach Rind und Schwein sind Bienen das drittwichtigste Nutztier.
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