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Interview mit Tim Linde : Viel Herzblut und wenig Kalkül

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tim Linde über sein Leben als Sänger, sein neues Album und das Exklusiv-Konzert für die Leser von shz.de.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 14:00 Uhr

Holm / Bargteheide | Tim Linde aus Holm gibt am Freitag, 7. November, im Kleinen Theater Bargteheide sein erstes Konzert, exklusiv für die Leser des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z). Karten gibt es nicht zu kaufen, sondern nur auf der Internetseite des sh:z zu gewinnen. Seit Freitag ist Lindes zweite Single „Eindruck schinden“ im Handel erhältlich, am kommenden Freitag erscheint sein erstes Album „Menschenverstand“. Im Gespräch mit uns sprach Linde über seine Musik und darüber, wie er seinen plötzlichen Erfolg wahrgenommen hat.

Dass „Wasser unterm Kiel“ veröffentlicht wurde, geschah mehr oder weniger zufällig. Jetzt ist auch Ihre zweite Single „Eindruck schinden“ erschienen, am kommenden Freitag kommt Ihr Debüt-Album „Menschenverstand“ raus. Wie nehmen Sie das wahr?
Tim Linde:
Ich muss ehrlich sagen, seit das Lied veröffentlicht wurde, ist das eine wilde Fahrt. Das alles rauscht seit Monaten an mir vorbei. Ich nehme das zwar alles zur Kenntnis, aber richtig glauben kann ich es immer noch nicht. Es ist ja auch eine schräge Geschichte: In Deutschland erscheinen hunderte oder tausende Platten am Tag und wie viele davon erleben so eine Entwicklung wie mein Lied? Die wenigsten, das ist unglaublich. Und hinzu kommt der Weg vom Lied zum Album und vom Album zum ersten Live-Auftritt und das alles zwischen Juli und jetzt. Das ist surreal.

Hätten Sie gedacht, dass Ihnen so etwas noch einmal passieren kann mit 38 Jahren?
Niemals. Als ich noch Musik gemacht habe, das war am Ende der Schulzeit und kurz danach, da hätte man sich natürlich einen Arm abgehackt, damit eine Plattenfirma gesagt hätte: „Kommt, wir versuchen das mal mit euch.“ Inzwischen bin ich in einem Alter, wo man diese naiven Kindheitsträume komplett zur Seite gelegt hat. Ich habe ja nicht darauf hingearbeitet, wie soll man also an so etwas glauben? Wenn Sie im Lotto gewinnen, dann haben Sie vorher einen Schein ausgefüllt, dann haben Sie etwas dafür getan. Ich habe ein Lied für meine Tochter geschrieben. Deswegen konnte ich gar nicht damit rechnen.

Wie viel Zeit haben Sie denn in den vergangenen Wochen mit Musik verbracht?
Mehr als ich gedacht habe. Ich kann das jetzt nicht in Stunden oder Tagen sagen, aber es war ein gehöriges Zeitkontingent. Die reine Zeit, die ich mit Musik aufgebracht habe, ist natürlich das eine, aber hinzu kommt noch das Drumherum wie der Videodreh. Das summiert sich alles

Haben Sie denn noch Zeit für Ihre Familie?
Ja. Ich habe auch immer gesagt, dass weder meine Familie noch meine Firma hinter dem, was gerade passiert, zurückstecken werden. Mein Tag hat zwar auch nur 24 Stunden, aber das ist eine Frage der Organisation. Das kriegt man hin, zumindest für eine Weile.

Sie haben für Ihr Album elf Lieder aufgenommen. Hatten Sie die schon früher geschrieben oder haben sie die extra fürs Album verfasst?
Der größte Teil der Lieder ist schon lange, lange in der Schublade. Musik war und ist für mich ein Ventil, um abzuschalten und um ein wenig zu verarbeiten, was mich beschäftigt oder vergnügt oder nachdenklich macht. Das merkt man den Liedern auf der Platte auch an, die sind von der Stimmungslage sehr unterschiedlich. Ganz viel davon ist im Laufe der Jahre entstanden. Ich tippe, das ältestes davon ist locker fünf Jahre alt. Ein paar der Lieder waren halb fertig, die haben wir für das Album dann fertig gemacht.

Wie viel Tim Linde steckt denn in den Liedern?
100 Prozent. Natürlich ist mir nicht alles eins zu eins passiert. Wir hatten nie ein Schwein im Garten, das ist im übertragenen Sinn zu sehen. Aber natürlich kennt jeder Leute, die die Sau rauslassen, bis sie aufs Nachbarskätzchen treffen. Die haben natürlich nicht auf der Gießkanne Trompete gespielt, aber sie haben ihren Weg genutzt, die sprichwörtliche Sau rauszulassen. Aus diesem Ausspruch ist der Liedtext entstanden.

Gibt es eine Botschaft, die Sie ihren Hörern mitteilen möchten?
Natürlich möchte ich unterhalten, aber ich möchte mit den Texten auch zum Denken anregen. Deswegen trägt das Album auch den Titel „Menschenverstand“. Ich möchte gern an die Hörer appellieren, wieder mehr auf ihren Menschenverstand zurückzugreifen. Es sind Texte, bei denen man denken kann: „Wir brauchen eigentlich niemanden, der uns sagt, wie man sein Leben zu führen hat und wie wir mit anderen gut zusammen leben.“ Das steckt alles in uns drin, wir müssen uns nur darauf besinnen, was uns eigentlich ausmacht. Viele Situationen in den Liedern sind aus dem Leben gegriffen. Ich denke, der Wiedererkennungseffekt wird für 99 Prozent der Hörer einfach gegeben sein.

Worauf sind Sie in den kommenden Wochen denn am meisten gespannt?
Ich bin wahnsinnig gespannt darauf, wie das Album angenommen wird. Da steckt so viel Herzblut drin und so wenig Kalkül, dass das jetzt für mich ganz, ganz spannend ist zu sehen, wie das gefällt. Und dann freue ich mich natürlich wahnsinnig darauf, das auf die Bühne zu bringen und ein paar unmittelbare Reaktionen zu kriegen. Es ist natürlich schön, wenn über einen geschrieben wird. Und man merkt natürlich auch an den Charts-Platzierungen, dass die Menschen das mögen. Aber ich freue mich einfach, den Leuten ins Gesicht gucken zu können.

Haben Sie schon Lampenfieber vor Ihrem ersten Konzert?
Das kommt später, glaube ich. Es ist ja wahnsinnig viel zu organisieren im Moment. Allein jetzt mit den sechs Profimusikern gemeinsam zu spielen und einen Eindruck davon zu kriegen, wie sich das live anhören wird, ist total aufregend. Um einen drum stehen Leute, die schon mit ganz anderen Größen gespielt haben, und wir machen jetzt zusammen Musik. Das ist unfassbar. Ich bin sicher, das wird super. Es ist eine Mischung aus echter Spielfreude und professionellem Ergebnis und ich glaube, alle, die Lust haben, sich das Album oder das Konzert anzuhören, werden das nicht bereuen.

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