Kreis Pinneberg : Verwaltung verzeichnet mehr Personal in den Städten

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In den Städten der Region wurde in den vergangenen Jahren immer mehr Stellen geschaffen, um der Arbeit Herr zu werden.

In den Städten der Region wurde in den vergangenen Jahren immer mehr Stellen geschaffen, um der Arbeit Herr zu werden.

Als Gründe werden Bevölkerungswachstum, mehr Aufgabenfelder an Schulen und die Betreuung von Flüchtlingen genannt.

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14. April 2019, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Tendenz ist eindeutig: In den Städten der Region wurde in den vergangenen Jahren immer mehr Stellen geschaffen, um der Arbeit Herr zu werden. Nur in Pinneberg sank die Zahl aufgrund der strengen Sparvorgaben des Landes. Wir haben in den Rathäusern nachgefragt: Und die Gründe für den insgesamt gestiegenen Personalbedarf ähneln sich.

Elmshorn In Elmshorn ist die Zahl der Vollzeitstellen in den vergangenen Jahren von 342 auf 424 gestiegen. Einen Grund für diesen Mehrbedarf an Personal sieht Carsten Passig, Leiter des Hauptamtes im Elmshorner Rathaus, vor allem im Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre: „So sind auch immer mehr Aufgaben auf die Verwaltung zugekommen.“ Zusätzliches Personal sei zuletzt unter anderem für die Flüchtlingsbetreuung und die IT-Ausstattung und -Betreuung an Schulen benötigt worden. Frei sind bei der Stadt Elmshorn derzeit 13 Vollzeit- und sechs Teilzeitstellen.

Uetersen Im Zehn-Jahres-Vergleich hat sich die Anzahl der städtischen Bediensteten in Uetersen kaum verändert. Die Zahl der Vollzeitstellen lag 2009 bei 174 und liegt aktuell bei 179. Unbesetzt sind derzeit rechnerisch 4,1 Vollzeitstellen, wie es aus dem Rathaus auf Nachfrage hieß. Längerfristig betrachtet, ist aber auch in Uetersen ein deutlicher Anstieg beim Personal zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Stellen wuchs von 2004 bis 2019 um 36,62 Stellen. Wie es aus dem Rathaus weiter hieß, liegen die Gründe für die Personalschwankungen – neben der 2006 wieder gelösten Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Haseldorf – in der Aufnahme des Personals aus einem Seniorenheim in den Stellenplan, die Übernahme des Ludwig-Meyn-Gymnasiums vom Kreis Pinneberg, die Ausweitung der EDV an Schulen sowie die Schulsozialarbeit.

Schenefeld Gegenüber dem Jahr 2000 ist die Zahl der Stellen bei der Stadt Schenefeld um fast 20 auf derzeit 111 gestiegen. Unbesetzt sind davon laut Melf Kayser von der Stadtverwaltung aktuell etwa acht. Gründe für Veränderungen im Stellenplan gebe es viele. So wurde in den Jahren 2005/2006 Hartz IV eingeführt, so dass die Stadt Schenefeld kein Personal mehr für das eigene Sozialamt benötigte. Die Kollegen wechselten zunächst zu den neuen – nicht bei der Stadt angesiedelten – Jobcentern. Im Laufe der Zeit kehrten sie dann aufgrund zunehmender Aufgaben wieder zur Stadt zurück. Den starken Anstieg von 2015 auf 2016 erklärt Kayser mit zwei zusätzlichen Stellen für Flüchtlinge, einem zusätzlichen Techniker im Bauamt, einer neue IT-Kraft für die Schulen und einer Elektrikerstelle auf dem Bauhof. „Insgesamt lässt sich sagen, dass es über die Jahre immer zusätzliche Aufgaben für die Kommunen gegeben hat, die mehr Personal und auch eine höhere Arbeitsverdichtung des Personals mit sich gebracht haben.“ Kayser prognostiziert: „Der Personalbedarf wird demzufolge voraussichtlich weiter ansteigen.“

Quickborn Bei den Städten im Kreis hat Quickborn in den vergangenen Jahren die größten Sprünge hingelegt. Knapp 40 mehr zwischen 2012 und 2013 und noch einmal ein ähnliches Plus zum Jahr 2019. Und es gibt dafür klare Gründe. 2013 wurde die Verwaltungsgemeinschaft mit Bönningstedt und Hasloh begründet. Und 2019 startet die Verwaltungsgemeinschaft mit der Gemeinde Ellerau. Als weitere Gründe für den Personalanstieg nennt die Stadtverwaltung Schulsozialarbeit, Schulmensen, die Unterbringung von Flüchtlingen und zusätzliche Mitarbeiter für das Freibad und den Bauhof. Knapp 25 Stellen sind derzeit unbesetzt.
Barmstedt In Barmstedt ist die Zahl der städtischen Stellen seit 2009 von 77 auf 91 gestiegen. Klare Gründe nennt die Barmstedter Stadtverwaltung nicht. Auf Anfrage hieß es, dass seit dem Jahr 2000 sehr unterschiedliche Faktoren auf die Aufgabenstruktur und Personalsituation des Rathauses eingewirkt haben. Die Zahl der freien Stellen nannte das Barmstedter Rathaus nicht. Auf Nachfrage hieß es: Problem mit unbesetzten Stellen gebe es zwar nicht. Denn grundsätzlich seien alle offenen Stellen wiederbesetzt worden. „Im Bereich der Technischen Mitarbeiter und beim Pädagogischen Personal – Erzieher im Jugendzentrum, Schulsozialarbeit – haben wir jedoch vermehrt Schwierigkeiten, so dass zum Teil eine zweite Ausschreibungen nötig wurden.“

Wedel In Wedel gibt es nach Angaben des Pressesprechers der Stadt, Sven Kamin, erst ab 2015 eine Übersicht der Vollzeitstellen. Für die Jahre vorher liegen nur die Zahlen der tatsächlich in Vollzeit arbeitenden Mitarbeiter vor. Aber auch hier ist die Tendenz klar. Die Zahl der Stellen steigt. Gründe nannte der Stadtsprecher nicht. Unbesetzt sind derzeit 13 Stellen: davon sechs Vollzeit- und sieben Teilzeitstellen. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern gestalte sich dabei laut Kamin immer schwerer: „Generell spüren auch wir den Fachkräftemangel, so dass Stellen mitunter mehrfach ausgeschrieben müssen, bis sie besetzt sind. Das gilt inzwischen nicht nur für zum Beispiel Ingenieurstellen, sondern auch für Stellen für Verwaltungsfachangestellte.“

Tornesch Die Zahl der Vollzeitstellen bei der Stadt Tornesch ist in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel gestiegen − von 91 auf 121 Stellen. Ein Grund ist laut Inga Ries, Büroleitende Beamtin, der soziale Bereich, der stetig zunehme. Dazu zählen unter anderem Schulsozialarbeit, Offener Ganztag und Integrationshelfer. Auch das Bauamt habe aufgrund der zahlreichen betreuten Projekte an Stellen zugelegt, ebenso die IT-Abteilung, erläutert Ries. Und grundsätzlich bedeute Wachstum der Stadt auch Wachstum der Verwaltung. Die Zahlen alleine sagten allerdings nicht unbedingt etwas aus, betont Ries, da die Kommunen sich in ihrem Aufbau unterscheiden. In Tornesch sind derzeit drei Stellen unbesetzt.

Pinneberg Die Kreisstadt Pinneberg ist die einzige in der Region, in der die Zahl der städtischen Stellen in den vergangenen Jahren gesunken ist. 425 Mitarbeiter hatte die Stadt 2009 und im vergangenen Jahr waren es nur noch 414. Der Grund: Die Stadt Pinneberg muss sparen. Die Schuldenlast betrug 2012 mit etwa 75 Millionen Euro mehr als das Volumen eines ganzen Haushalts. Bereits 2005 gab es einen Plan, um die Kassen der klammen Stadt wieder zu stabilisieren. Dieser sah vor, dass bis einschließlich 2013 insgesamt
20 Stellen abgebaut werden. Und aufgrund des bis Ende 2018 geltenden Konsolidierungsvertrages mit dem Land bestand in den letzten Jahren „trotz zunehmenden Aufgabenumfangs aufgrund von gestiegenen Fallzahlen, neuen Aufgaben, gesetzlichen Änderungen oder langjährig aufgebauten Rückständen nur bedingt die Möglichkeit, neue Stellen anzumelden“, so Stadtsprecherin Maren Uschkurat. Zuletzt wurde im Haushalt Budget für 19 neue Stellen bereitgestellt. Aktuell sind
55 Stellen bei der Stadt unbesetzt. Pinneberg arbeitet derzeit an einem Konzept für die weitere Personalentwicklung.

Anmerkung zur Statistik: Die Stadt Pinneberg hat auf Anfrage die Zahl der tatsächlichen Mitarbeiter und nicht – wie die anderen Städte – die Summe der rechnerischen Vollzeitstellen genannt. Das heißt: zwei 50-Prozent-Stellen zählen in der Pinneberger Statistik als zwei Mitarbeiter und in den anderen Tabellen als eine Vollzeitstelle.

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