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Kulturszene : Vergrault Pinneberg seine Theatermacher?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Ernst-Paasch-Halle soll verkauft werden. Das Geschwister-Scholl-Haus will die Stadt als Alternative ausschließen.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Pinneberg | Diese Nachricht erschüttert die Pinneberger Theaterszene: Die Stadtverwaltung schlägt in einer Vorlage für den Kulturausschuss vor, die Ernst-Paasch-Halle zu verkaufen und Forum Theater sowie den Pinneberger Bühnen ab 1. August die Nutzung des Geschwister-Scholl-Hauses (GSH) zu verbieten. Beide Schauspielgruppen stünden in diesem Fall ohne Spielstätte da.

Der Hintergrund für diesen Vorstoß: Bereits seit längerem zeichnet sich ab, dass der Umbau der Ernst-Paasch-Halle in ein Kulturzentrum zu teuer für die verschuldete Kreisstadt wäre. Bisher spielte das Forum Theater dort unter provisorischen Bedingungen. Für den Fall des Scheiterns der Umbaupläne, hatte die Gruppe den Wechsel ins Geschwister-Scholl-Haus beantragt, wo die Pinneberger Bühnen bereits seit fünf Jahren ihre Vorstellungen geben. Für das GSH existiert aber seit Jahren ein Grundsatzbeschluss, dass es nur für die Jugendarbeit genutzt werden soll. Die Pinneberger Bühnen wurden jahrelang nur geduldet – jetzt sollen auch sie aus dem Jugendhaus raus.

Die betroffenen Theatergruppen sind vor den Kopf gestoßen. „Wir haben zwar damit gerechnet, dass die Paasch-Halle nicht umgewandelt wird“, betont Thore Klink, Vorsitzender des Forum Theaters. Dass ihr Antrag auf Nutzung des GSH abgelehnt werden soll, habe den Verein aber „eiskalt erwischt“. Klink: „Damit entzieht man uns die Existenzgrundlage.“ Alternativen gebe es in Pinneberg nicht. „Die Rübekamphalle ist zu groß und das Cap Polonio zu teuer“, sagt Klink und fügt spöttisch hinzu: „Wenn die Stadt keine Kultur mehr möchte, ist das sicher der richtige Weg.“ Der Vorstand des Forum Theaters wird sich am Wochenende zu einer Notsitzung treffen. Klink stellt klar: „Wir wollen in Pinneberg bleiben – im schlimmsten Fall müssten wir aber auf umgrenzende Gemeinden ausweichen.“

Anja Nadler, frisch gebackene Vorsitzende der Pinneberger Bühnen ist ebenfalls auf Zinne: „Der Kulturbetrieb soll an die Luft gesetzt werden.“ Sie betont, dass Bürgermeisterin Urte Steinberg den Pinneberger Bühnen mündlich zugesagt habe, dass sie so lange im Geschwister-Scholl-Haus bleiben dürften, bis eine angemessene Alternative gefunden werde. „Diese Alternativen gibt es momentan in Pinneberg nicht.“ Die Zusammenarbeit mit dem GSH habe sie immer als fruchtbar empfunden, so Nadler. „Es gab nie Probleme.“ Bis Ende des Jahres seien bereits Aufführungen im Jugendzentrum fest geplant, die Werbematerialien würden bereits gedruckt.

Bürgermeisterin Steinberg betont auf Nachfrage dieser Zeitung: „Wir wollen kurzfristig auf die Theatergruppen zugehen und gemeinsam nach einer adäquaten Lösung suchen.“ Der Kulturausschuss berät am Mittwoch, 16. April, über die Vorlage der Verwaltung.

Die Ernst-Paasch-Halle wurde 1891 im Auftrag des Pinneberger Industriellen Herman Wuppers errichtet. Lange diente das Gebäude als Sporthalle für die Johannes-Brahms-Schule, bis neue Räumlichkeiten auf dem Schulgelände errichtet wurden. Seit seiner Gründung nutzt auch der Verein Forum Theater die Halle für seine Auftritte. Eine mögliche Umwandlung in ein vollwertiges Kulturzentrum hätte laut Verwaltung 352.000 Euro gekostet. Im Dezember 2013 hatte die Stadt bekannt gegeben, dass ein Umbau nur durch Sponsoren zu finanzieren wäre.
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