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Pinneberger Tageblatt

20. November 2017 | 03:31 Uhr

„Vergangenheit ruhen lassen“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Jahreshauptversammlung Ex-Kassiererin hat bisher 31000 Euro an den Verein zurückgezahlt / 60-jähriges Bestehen

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 16:00 Uhr

„Es reicht jetzt!“ Ein Mitglied des Tierschutzvereins Pinneberg und Umgebung brachte am Donnerstagabend auf den Punkt, was viele Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung dachten. Sie wollten die Vergangenheit ruhen lassen. Klaus Panzer, der von 2014 bis 2015 stellvertretender Vorsitzender des Vereins war, hatte den Antrag gestellt, die Tagesordnung um den Punkt „Unterschlagung von Vereinsgeldern einer ehemaligen Kassenwartin“ auf die Tagesordnung zu nehmen. Die Mitglieder stimmten klar dagegen. Gerade einmal zwei Ja-Stimmen fanden sich unter den etwa 40 Anwesenden. Antrag abgelehnt.

Hintergrund: Eine 2011 abgetretene Kassenwartin hatte über mehrere Jahre Geld abgezweigt. Der Verein hatte sich mir ihr geeinigt, dass sie das Geld zurückzahlt. Allerdings war Strafanzeige gestellt worden. Doch die Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt.

Panzer kritisierte die Aufarbeitung der Unterschlagung von etwa 63  000 Euro durch eine ehemalige Kassenwartin. „Wie können Unterschlagungen künftig früher entdeckt werden?“ „Ist die Rückzahlung der noch ausstehenden Gelder nach Eintritt der Verjährung weiterhin gesichert?“ „Werden Mitglieder bei künftigen Straftaten zeitnah informiert?“ So lauteten die Fragen, die Panzer beantwortet haben wollte.

Auch wenn das Thema nicht diskutiert werden sollte, nahm Rechtsanwalt Ralf Wassermann (kleines Foto), der eine Rückzahlungsvereinbarung zwischen Verein und Schuldnerin vereinbart hat, Stellung, kritisierte aber zunächst Panzers Vorgehen: „Das Schreiben liest sich wie ein Nachtreten.“ Durch das notarielle Schuldeingeständnis sei es dem Verein möglich, 30 Jahre lang einen Pfändungstitel gegen die Kassiererin zu erwirken. „Das ist aber nicht nötig, denn es wurde regelmäßig gezahlt“, sagte Wassermann. Insgesamt 31  000 Euro habe die Kassiererin bereits an den Tierschutzverein zurückgezahlt. „Es sind mit Zinsen aber noch 43  000 Euro offen“, erläuterte der aktuelle Kassenwart Peter Hahnkamm. Wassermann mutmaßte, dass eine Unterschlagung heute schwerer sei: „Heute läuft fast alles mit Überweisungen über das Konto und ist kontrollierbar. Barzahlung und Schecks, die damals unterschlagen wurden, hätten ausgedient.“

Die Frage nach der strafrechtlichen Verfolgung und Verjährung stelle sich für den Verein nicht. „Sie können froh sein, dass sie jemanden haben, der sozial eingestellt ist und in der Lage ist, das Geld zurückzuzahlen“, sagte Wassermann. Der Vorstand habe im Sinne des Vereins richtig gehandelt, den Fall nicht anzuzeigen. Eine Verurteilung hätte möglicherweise dazu geführt, dass die Kassiererin ihren Job verloren hätte und die unterschlagenen Gelder nie hätte zurückzahlen können. „Es ist abgehakt. Es ist ein Rahmen geschaffen worden, um die Rückzahlung zu gewährleisten. Was im Rahmen der Gesetze möglich ist, ist gemacht worden.“

Dem Verein hätten die Berichte über die Unterschlagungen wenig geschadet. Die Mitgliederzahl sei zwar von 253 auf 230 gesunken, aber eine Austrittswelle habe es nicht gegeben. Die Spenden- und Sponsoreneinnahmen sanken im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 2600 Euro, doch sei durch insgesamt 32 Sponsoren die Anschaffung des neuen Tierschutz-Autos finanziert worden. „Das ist eine tolle Unterstützung, auch wenn es aussieht wie eine fahrende Litfaßsäule“, sagte Peter Dorendorf, Pressesprecher des Tierschutzvereins. „So fallen wir zumindest auf“, ergänzte die Vorsitzende Brigitte Meier lachend.

238 Einsatzfahrten leisteten die Tierschützer im Jahr 2016. „Den meisten Tieren haben wir helfen können“, stellte Meier zufrieden fest. Katzen und Hunde führten mit 56 und 33 Einsätzen die Liste an – vor den Wildvögeln (19 Einsätze). Doch in Erinnerung waren Meier vor allem eine Boa-Constrictor und zwei Königspythons geblieben, die zusammen mit der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop eingefangen wurden. „Es waren Einsätze, wo man sagt: ,Die wussten es nicht besser‘. Es waren allerdings auch oft Einsatzfahrten, wo man sich fragte, ob es nicht grundsätzlich eine ,Führerscheinprüfung‘ für sämtliche Tierhalter geben sollte, damit ein Grundwissen vor Anschaffung eines Tieres abgefragt wird“, sagte Meier. Auch die Tiertafel habe einen starken Zuspruch erfahren. Pro Ausgabe werde sie von 25 bis 40 Bedürftigen genutzt. Bei den Ehrungen verlieh Meier Kassenwart Peter Hahnkamm und Pressesprecher Peter Dorendorf, der 2012 die Tiertafel ins Leben.


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