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Rellingen : Vergangenheit für die Zukunft sichern

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 1976 eine Institution in der Gemeinde: Verein für Heimatkunde Rellingen und Umgebung sucht nach neuen Mitgliedern.

Was sind Gegenwart und Zukunft wert, wenn man nicht auf seine Geschichte zurückblicken kann? Nicht viel, meinen auch Wieland Witt (75) und Reinhold Miller (74). Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Rellinger Historie zu bewahren. Beide arbeiten im Vorstand des Vereins für Heimatkunde Rellingen und Umgebung, der 1976 gegründet wurde.

„Es gab aber einige Vorläufer“, berichtet Witt, der als Schriftführer dem Gründungsvorstand angehörte und seit 2000 (zuvor schon von 1982 bis 1995) als Vorsitzender amtiert. Zu diesen Vorläufern gehörte auch der 1928 entstandene Fremdenverkehrsverein für Pinneberg, Rellingen und Umgebung, der bis 1955 auch die Rosenfeste in der Baumschulgemeinde initiiert hatte.

Laut Satzung will der Verein, dem gut 100 Mitglieder angehören, die Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Gegenwart der Heimat pflegen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Historie der Baumschulen, die in Rellingen im Jahr 1845 durch Jacob Friedrich Müller begründet wurde. Aber auch die frühzeitliche Besiedlung steht im Mittelpunkt. So zum Beispiel der Urnenfriedhof am Stawedder, wo zwischen der Entdeckung im Jahr 1907 und der Überbauung des Geländes 1996 mehrere hundert Urnen ausgegraben wurden, die, so Wieland Witt, „aus der Zeit von 500 vor Christus bis 400 nach Christus“ stammen dürften. „Auch vor der Christianisierung war unsere Heimat bereits von Menschen mit Kultur bewohnt“, so der Vereinschef.

Und war bislang eine Urkunde aus dem Jahr 1140 der Beleg für die Existenz Rellingens als Siedlung (und damit auch für die 850-Jahr-Feier 1990), förderte Witt vor der Bebauung des Fischhaus-Geländes am alten Markt einen Ringbrunnen zu Tage, dessen Entstehung nach der C14-Methode auf „um 1049“ geschätzt wird. Die Sicherung solcher Funde, die nur bei größeren Bauarbeiten gemacht werden können, sei aber nicht immer einfach.

Der Verein verfügt zudem über eine Sammlung von gut 24 000 Dias und Postkarten aus der Geschichte Rellingens. „Die haben aber nicht alle eine gute Qualität“, sagt Reinhold Miller, der Witt bereits aus der gemeinsamen Schulzeit kennt. Beide haben die Lust an der Geschichte geerbt. Während es bei Miller, der 40 Jahre bei der Hamburger Hochbahn gearbeitet hat, die Mutter war, trug bei Organisationsplaner Witt die Großmutter die Verantwortung. Die hatte als Hut- und Putzmacherin einen Laden an der Ecke Hauptstraße/Hamburger Straße. Dort trafen sich die Verwandten und Kunden. Und unterhielten sich über damals aktuelle und bereits vergangene Begebenheiten.

Aktuell treffen sich die Mitglieder des Vereins für Heimatkunde einmal im Monat. In den ungeraden Monaten gibt es lockere Treffen im „Rellinger Hof“, in den geraden Monaten Vorträge im Turnerheim des Rellinger TV. Für das Jahr 2013 sind Themen wie Rellingen in Kalenderansichten, Luftfahrt in Rellingen und alte Landkarten vorgesehen. Reinhold Miller will sich künftig auch mit der Geschichte des Tabakanbaus in der Gemeinde beschäftigen.

Witt und Miller sammeln aktiv alles, was ihnen zur Geschichte Rellingens in die Finger kommt. Oft werden ihnen auch Materialien an die Hand gegeben. So zum Beispiel ein handgeschriebenes Buch über die Geschichte der Schule in Tangstedt.

Die Vorstandsmitglieder hoffen auch weiterhin, dass sie historische Kleinode überreicht bekommen. Aber beide wissen auch um ihr Alter und wünschen sich deshalb auch neue Vereinsmitglieder. Genießende und aktive, damit auch kommende Generationen Rellingens ihre Gegenwart und ihre Zukunft aus der Geschichte der Gemeinde heraus beurteilen können.
 

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erstellt am 11.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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