Schon wieder Tiere ausgesetzt : Verfilzt und verwahrlost: 16 lebende und drei tote Kaninchen entdeckt

„Alle Tiere sind in einem erbärmlichen Zustand“, sagt Brigitte Maeder, Leiterin des Tierschutzvereins Elmshorn.

„Alle Tiere sind in einem erbärmlichen Zustand“, sagt Brigitte Maeder, Leiterin des Tierschutzvereins Elmshorn.

Nach fast 20 ausgesetzten Meerschweinchen sind jetzt zahlreiche Kaninchen gefunden worden. Die Polizei ermittelt.

shz.de von
20. April 2016, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Innerhalb von wenigen Tagen sind zwischen Appen und der Marsch massenweise Kaninchen und Meerschweinchen ausgesetzt worden. Zahlreiche Tiere überlebten dies nicht. Polizei und Tierschutzverein stehen vor einem Rätsel. „Die Häufung ist ungewöhnlich“, sagt Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung, zu den Massentieraussetzungen. Donnerstag fingen die alarmierten Tierschützer elf Kaninchen zwischen Heist und Holm auf Höhe der Steenwischtwiete ein. Am Sonnabend wurden 17 lebende und sieben tote Meerschweinchen auf Höhe des Tierfriedhofs zwischen Holm und Appen entdeckt. Am Montag kamen 16 Kaninchen hinzu, die an den Kleingärten zwischen Holm und Wedel ausgesetzt worden waren. Zudem gab es drei tote Artgenossen.

Dies ist der zweite Fall von Tieraussetzungen innerhalb weniger Tage: Bereits am vergangenen Sonnabend wurden 24 Meerschweinchen auf einem Tierfriedhof entdeckt. Von einem Trittbrettfahrer gehen die Tierschützer nicht aus, auch wenn es solche Fälle gibt.

Woher die Tiere kommen und ob sie aus einer Zucht stammen, sei derzeit unklar. „Vielleicht ist der Besitzer gestorben und nun löst jemand die Zucht auf“, mutmaßt Maeder. Einen Trittbrettfahrer schließt sie aus: „Das haben wir, wenn wir solche Fälle bekannt geben, aber beim ersten Fund haben wir nichts kommuniziert.“

Der Zustand der Tiere sei erschreckend: „Sie sind alle in einem erbärmlichen Zustand.“ Die Nägel seien bis zu sechs Zentimeter lang, das Fell verfilzt, handflächengroße Placken verklebten die Hinterteile der verflohten Tiere, und viele hätten tiefe Wunden. Die Überlebenschancen in der freien Natur seien für die Tiere  gleich Null. „Der erste Fund waren Angorakaninchen. Einige waren mit ihrem dichten Fell schon im Gestrüpp hängengeblieben. Mit der weißen Farbe sind sie schnell Beute von Füchsen und Greifvögeln. Für Meerschweinchen ist es zu kalt“, sagt Maeder.

„Die Polizei ermittelt wegen einer Straftat nach dem Tierschutzgesetz“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Das Aussetzen von Tieren kann laut Tierschutzgesetz mit Geldstrafen bis zu 25.000 Euro geahndet werden. Bei Todesfällen drohen bis zu drei Jahre Gefängnis und ein Tierhaltungsverbot. „Wir fragen uns, wo es viele Tiere gab, die jetzt nicht mehr da sind“, sagt Mohr. Hinweise  nimmt die Polizei Holm unter Telefon 04103-2165 entgegen.

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