zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 07:44 Uhr

Vereinsleben: Sorgenkind Jugendarbeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Diskussion VfL veranstaltet viertes Sportforum

Karolin Janßen findet, dass Sport im Verein eine „gute Sache“ ist. Die junge Frau hat im Pinneberger VfL schon beim Kinderturnen mitgemacht, danach jahrelang Hockey gespielt. Inzwischen hat sie zum Tennis in den örtlichen Tennisclub gewechselt. Aber Janßen hat auch viele Freunde, die lieber ins Fitnessstudio gehen, als einem Sportverein beizutreten: „Weil man da spontan hingehen kann.“

Karolin Janßen ist Mitglied im Pinneberger Kinder- und Jugendbeirat. Sie diskutierte am Sonnabend mit Sportfunktionären und Politikern, wie sich Jugendliche einen attraktiven Sportverein wünschen. Ihr Beiratskollege Joshua Fock hatte dabei einen Wunsch: „Die Sportvereine sollen in die Schulen kommen.“

Fock und Janßen stehen für diejenigen, um die es beim vierten Pinneberger Sportforum ging. „Jugendarbeit im Sportverein – ein Auslaufmodell?“, diesen Titel hatte Gastgeber Uwe Hönke bewusst „ein bisschen provokant“ gewählt. Hönke ist Geschäftsführer des VfL Pinneberg, des größten Sportvereins in der Stadt. Gemeinsam mit dem SC Pinneberg und SuS Waldenau bildet der VfL die „Sportallianz Pinneberg“ mit zusammen 8000 Mitgliedern.

Etwa 30 Teilnehmer waren an dem Tag zum Sportforum in den Tagungsraum der Sparkasse gekommen. Sie ließen sich von Josephine Dannheim, Referentin bei der schleswig-holsteinischen Sportjugend, deren Konzepte erklären und Anregungen geben. Dann trafen sie sich in Workshops zu vier Themen. Die beiden Kinder- und Jugendbeiräte waren Gastgeber einer Gruppe. An einem anderen Tisch diskutierte Holger Meyer mit seinen Gästen wie Kita, Schule, Studium und Sport zusammenpassen. Katrin Lorenzen und Meike Salewski beleuchteten die Idee einer „Kinder-Sportschule“, bei der junge Mitglieder spartenübergreifend, womöglich sogar vereinsübergreifend, an den Sport herangeführt werden. Die vierte Runde beschäftigte sich mit Flüchtlingen und Migranten in Sportvereinen.

Veränderte Schulzeiten und Anforderungen im Bachelor-Studium nannte Jugendreferentin Dannheim als Beispiele für Rahmenbedingungen, die sich bei Jugendlichen geändert haben und auch auf deren Engagement in Sportvereinen durchschlagen. Trotzdem ist Sport für junge Menschen nach wie vor eine wichtige Freizeitbeschäftigung, zitierte sie Studien. Aber wie können sie für ehrenamtliches Engagement in Vereinen gewonnen werden? Wichtigstes Motiv ist laut Dannheim die passende Sportart. Sie nannte das Beispiel Kricket: international ein sehr populäres Spiel, das in deutschen Vereinen jedoch selten vorkommt. Zweiter Grund, in einen Verein einzutreten, ist persönlicher Kontakt: meistens über die Eltern, die Mitglieder in Vereinen sind, oder über Freunde.

Viele Vereine kooperieren mit Schulen und organisieren Kurse im Ganztagsangebot. „Es kann funktionieren“, sei aber schwierig, räumte Dannheim ein, als sie Dieter Scheithe antwortete. Der Vorsitzende der VfL-Leichtathletik hatte darauf hingewiesen, dass in Hamburg solche Kooperationen gescheitert seien.

Aus der Erfahrung der Landes-Sportjugend berichtete Dannheim vom regelrechten Ansturm Jugendlicher: Die Zahl derjenigen, die Freiwilligendienste in Sportvereinen leisten, ist von sieben im Jahr 2007 auf 140 in diesem Sommer gestiegen. „Es ist Wahnsinn, wie das Thema boomt“, resümierte Dannheim.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen