Interview : Uwe Lange fordert: „Mehr Personal fürs Bürgerbüro“

Uwe Lange, Fraktionsvorsitzender Bürgernahen, mahnt an, nicht über die die finanziellen Verhältnisse zu leben.
Uwe Lange, Fraktionsvorsitzender Bürgernahen, mahnt an, nicht über die die finanziellen Verhältnisse zu leben.

Der Fraktionsvorsitzende der Bürgernahen in Pinneberg hält die jetzige Situation für eine Zumutung.

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28. August 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Diese Woche kommt die Politik aus der Sommerpause zurück. Im Interview mit shz.de erläutern die Fraktionschefs, wie sie die Entwicklung der Stadt sehen und was sie zukünftig erreichen wollen. Heute mit Uwe Lange, Fraktionschef der Bürgernahen.

Frage: Die Wahl liegt einige Wochen zurück – sind Sie heute immer noch mit dem Wahlergebnis zufrieden?
Uwe Lange:
Wir waren am 6. Mai mit dem Ergebnis zufrieden und sind es noch.

Sind Sie mit der Zusammensetzung der Ratsversammlung zufrieden?
Mit 41 Mitgliedern ist die Ratsversammlung bedingt durch die Überhangsmandate zu groß. Insofern sind wir mit der Zusammensetzung nicht zufrieden.

Wird das Finden von Mehrheiten leichter oder schwieriger?
Hier wird sich im Gegensatz zur vergangenen Wahlperiode nichts ändern.

Der Ton in den Sitzungen war immer rau. Wird sich daran etwas ändern?
Klare und deutliche Aussagen sind aus meiner Sicht besser als diplomatische und unverständliche Bemerkungen, die der Bürger nicht versteht. Insofern kann es ruhig ein wenig lebhafter zugehen.

Was erhoffen Sie sich von der neuen Wahlperiode?
Eine gut funktionierende Verwaltung und eine Politik, die unsere Stadt weiter voran bringt.

Welche Ihrer Wahlziele wollen Sie so schnell wie möglich verwirklichen?
Den Umbau von der Ernst Paasch-Halle zu einem Kulturzentrum, die Ausweisung von Gewerbegebieten in Thesdorf (Gehrstücken und Rehmenfeld) und ein gut aufgestelltes Bürgerbüro. Die jetzige Situation ist für unsere Bürger eine Zumutung. Die Bediensteten sind am Rande der Belastbarkeit angekommen. Hier müssen wir durch zusätzliches Personal noch in diesem Jahr etwas tun.

Wo wird es Ihrer Meinung nach Schwierigkeiten geben?
Nach wie vor bei den Schulen. Hier kommt die Verwaltung immer noch nicht voran wie wir es uns wünschen. GuGs darf ich hier nur stellvertretend erwähnen. Und eindeutig bei der Integration der Flüchtlinge.

Wie wird sich Pinneberg in den nächsten fünf Jahren entwickeln?
Ich hoffe positiv, damit sich unsere Bürger wohlfühlen und gern hier leben.

Überall in Pinneberg wird derzeit gebaut und nachverdichtet. Aber sozial geförderten Wohnbau sucht man vergeblich. Warum?
Wir haben für den sozialen Wohnungsbau in den vergangenen Jahren einiges getan, zum Beispiel beim alten Kreishaus. Bei den neuen Bebauungsplänen wird ebenfalls darauf geachtet, dass sozial geförderte Wohnungen gebaut werden. Ich darf in diesem Zusammenhang an das Ilo-Gelände erinnern.

Warum baut die Stadt nicht selbst und bietet kostengünstige Wohnungen an?
Es kann aus unserer Sicht nicht die Aufgabe der Stadt sein, als Bauträger aufzutreten.

Gut situierte Hamburger drängen auf den Pinneberger Wohnmarkt, Pinneberger mit weniger Einkommen müssen sich schon in den Umlandgemeinden Wohnungen suchen. Was haben Sie dieser Entwicklung entgegenzusetzen?
Bei den neuen Bauplänen sollen nach unseren Vorstellungen 20 bis 30 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen gebaut werden.

Auf jeden Fall wird Pinneberg wachsen und Familien anziehen. Die Kitas platzen jetzt schon aus allen Nähten. Was werden Sie dagegen tun?
Wir werden eine, eventuell sogar eine zweite Kita bauen müssen. Überlegungen dazu werden bereits im Rathaus angestellt.

Nicht mehr lange und die Westumgehung ist fertig. Wird die Umgehungsstraße alle Verkehrsprobleme in der Innenstadt lösen?
Alle Verkehrsprobleme werden mit Fertigstellung der Westumgehung mit Sicherheit nicht gelöst. Die aktuellen Berechnungen zeigen uns, dass der Verkehr in manchen Bereichen sogar zunehmen wird. Deswegen hat die Verwaltung bereits Vorschläge unterbreitet. So soll der Hindenburgdamm in Zukunft stärker benutzt werden und über die Elmshorner Straße auf die Schillerstraße geführt werden.

Ende des Jahres wird Pinneberg nicht mehr unter dem Rettungsschirm des Landes stehen. Soll der Vertrag verlängert werden? Oder wird Pinneberg künftig allein zurechtkommen?
Pinneberg muss in Zukunft allein zurechtkommen. Mit den ständig steigenden Steuereinnahmen sollte dies auch möglich sein. Wir müssen uns endlich einmal wieder daran gewöhnen, nicht mehr über unsere Verhältnisse zu leben, sondern bei den anstehenden Aufgaben Prioritäten zu setzen.

Im September ist Bürgermeisterwahl. Sie haben sich gegen eine Unterstützung von Frau Steinberg ausgesprochen. Warum?
Ihre Personalpolitik und ihre Führungsschwäche haben uns veranlasst, ihre Kandidatur nicht zu unterstützen. Sie hat sich mehr um öffentlich wirksame Auftritte gekümmert, als um ihre eigentlichen Aufgaben, nämlich die Beschlüsse der Gremien umzusetzen. Im Übrigen hat sie zu oft Versprechungen gemacht, die sie nicht eingehalten hat.

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