Vor allem Amseln sterben : Usutu-Virus auch im Kreis Pinneberg entdeckt

Sie leben in fast jedem Garten: Nun bedroht das Usutu-Virus die Amseln.
Sie leben in fast jedem Garten: Nun bedroht das Usutu-Virus die Amseln.

Tierschützer warnen vor Vogelseuche auch in Schleswig-Holstein. Auch andere Vogelarten sind betroffen.

shz.de von
28. August 2018, 11:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Wie stark sich das Virus bereits im Kreis Pinneberg ausgebreitet hat, kann derzeit niemand genau sagen. Sicher ist, dass das Usutu-Virus auch in Schleswig-Holstein auf dem Vormarsch ist. In allererster Linie sterben Amseln an der Vogelseuche. Aber auch andere Vogelarten sind betroffen. Und es können sogar Menschen erkranken. Tierschützer warnen deshalb davor, kranke oder tote Vögel ohne Schutzhandschuhe zu berühren.

„Im Einzugsgebiet unseres Vereins ist vermehrt ein Vogelsterben zu beobachten“, so der Tierschutzverein Pinneberg. Auch das Kieler Umweltministerium teilte mit, dass es erste Nachweise des Virus in Schleswig-Holstein gebe.

Störungen des Nervensystems

Hauptwirte für das Virus sind Wildvögel, die in der Regel nicht erkranken, so die Fachleute des Umweltministeriums. Für Amseln ist das Virus dagegen eine ernste Bedrohung: „Klinisch zeigen diese infizierten Vögel häufig Symptome wie Teilnahmslosigkeit und Störungen des zentralen Nervensystems wie Taumeln oder Kopfverdrehen, gefolgt von vielen Todesfällen“, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums. Laut Nabu sterben die Vögel meist innerhalb weniger Tage. Lars Lachmann, Vogelexperte vom Nabu-Bundesverband: „Leider kann man Usutu-Infektionen weder verhindern noch behandeln.“

„Ich gehe davon aus, dass der warme Sommer die Ausbreitung des ursprünglich exotischen Virus begünstigt hat“, sagt Marco Sommerfeld, Referent für Vogelschutz beim Nabu Hamburg. Seit dem erstmaligen Auftreten dieses Vogelsterbens im Jahr 2011 habe sich das besonders im Spätsommer von Stechmücken auf Vögel übertragene Usutu-Virus zunehmend über Deutschland ausgebreitet.

Keine Anzeige- oder Meldepflicht

Während in den ersten Jahren lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen gewesen seien, sei seit 2016 eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern sowie ein separater Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin festgestellt worden. „In diesem Jahr sind offensichtlich vor allem die Regionen um Nürnberg sowie zwischen Bremen und Hamburg erstmals betroffen“, sagte Sommerfeld.

Eine Anzeige- oder Meldepflicht für eine Usutu-Infektion gibt es nicht. Entsprechend kann auchdie Kreisverwaltung nicht genau sagen, wie viele Fälle infizierter Vögel es im Kreis Pinneberg bislang gibt. Kreissprecher Oliver Carstens bestätigt allerdings, dass das Virus den Kreis Pinneberg erreicht hat: „Ein handvoll Fälle sind uns bereits bekannt.“

Auch für Menschen besteht Gefahr – wenn auch nur eine geringe. „Der Mensch kann durch das Usutu-Virus infiziert werden, aber – wie bei den meisten durch Stechmücken übertragenen Viren – kommt es nur sehr selten zu schweren Erkrankungen", erklärt Dr. Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Dennoch sollten tote Vögel nur mit Schutzhandschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte gegriffen werden. „Bislang wurden nur sehr wenige mild verlaufene humane Erkrankungsfälle in Afrika und Europa beschrieben“, heißt es auch in einer Pressemitteilung des Kieler Umweltministeriums.

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