Urte Steinberg ist angekommen

<strong>Sie fühlt sich 'unheimlich wohl' </strong>im Pinneberger Rathaus: Urte Steinberg im Empfangsbereich  ihres Amtszimmers. <foto>Daebeler</foto>
Sie fühlt sich "unheimlich wohl" im Pinneberger Rathaus: Urte Steinberg im Empfangsbereich ihres Amtszimmers. Daebeler

shz.de von
19. April 2013, 01:14 Uhr

Pinneberg | Die eigenen Bilder hängen. Ein Platz raubender Stehtisch ist verschwunden. In der Ecke ein Strauß gelber Frühlingsblumen. Urte Steinberg hat dem ehrwürdigen Amtszimmer im ersten Stock des Rathauses einen eigenen Stil verpasst. Am heutigen Tag ist sie 100 Tage Bürgermeisterin der Kreisstadt Pinneberg. Ihr Umfeld wirkt hell. Luftig. Aufgeräumt. Die 54-Jährige auch. Ob sie schon so richtig angekommen ist? "Ja", sagt Steinberg ohne Zögern. Sie wirkt gelöst. Lacht viel. "Ich bin hier unheimlich herzlich aufgenommen worden."

Und Urte Steinberg hat sich vorbereitet. Die Ex-Bankerin glänzt anlässlich ihrer ersten Zwischenbilanz mit Zahlen. 18 Firmen habe sie während der 100 Tage besucht. Sieben Pressekonferenzen absolviert. Zehn Bürgersprechtage mit 43 persönlichen Gesprächen abgehalten - in allen Pinneberger Stadtteilen. Zudem sei sie auf die fünf im Rat vertretenen Parteien zugegangen. Und Steinberg lobt die Gesprächsatmosphäre: "Ich habe ein gutes Gefühl, da ist eine sehr gute Basis." Besonders wichtig ist ihr, dass sie inzwischen fast alle Mitarbeiter der Stadtverwaltung an deren Arbeitsplatz besuchen konnte: "Ich will jeden in seinem Umfeld kennen lernen."

Die Sachthemen? Urte Steinberg muss nicht lange überlegen. Sie verweist darauf, dass im Februar der Ankauf der Eggerstedt-Kaserne unter Dach und Fach gebracht werden konnte. Kurz darauf sei der Weiterverkauf einer Fläche an den Bildungsträger Wabe geglückt. Zudem sei eine unbürokratische Einigung mit dem VfL Pinneberg erzielt worden - der Verein darf Sportanlagen auf dem Kasernen-Gelände zunächst weiterhin nutzen.

Das auf den Weg gebrachte Konzept für ein fahrradfreundliches Pinneberg begrüßt die Bürgermeisterin, die künftig mit einem Drahtesel in den Farben der Stadt unterwegs ist.

Bezüglich der von der Bahn angekündigten Einschnitte beim Regionalexpress bleibt die 54-Jährige optimistisch. Die Gespräche mit den Verantwortlichen seien im Gange: "Ich bin guten Mutes, dass wir eine Lösung finden. Der öffentliche Nahverkehr muss gestärkt werden." Gerade mit Blick auf anstehende Bauarbeiten im Bereich der Autobahn. "Ich stand selbst oft genug im Stau."

Eines wird immer wieder klar, wenn Steinberg spricht. Sie hält am Tenor ihres Wahlkampfes fest. Betont immer wieder, dass es nur gemeinsam für Pinneberg vorangehen könne. Sie wolle zusammenführen. Aufbruchstimmung vermitteln. "Ich hole Menschen an einen Tisch." Von in den vergangenen Jahren immer wieder kolportierten Streitereien im Rathaus hat sie nichts bemerkt: "Davon kann keine Rede sein, ich fühle mich hier unheimlich wohl", sagt die Frau, die sich selbst eine "Handschlags-Mentalität" unterstellt. Verlässlichkeit sei ihr wichtig. Vernünftiger Umgang. "Wenn es Gesprächsbedarf gibt, bin ich bereit."

Dass die ersten Wochen im Amt nicht ohne waren, daraus macht Urte Steinberg kein Geheimnis. So zwischen 8 und 8.45 Uhr beginne ihr Arbeitstag in der Woche. Gegen 9 Uhr abends ende der Tag - allerdings nur, wenn keine politischen Sitzungen anstünden. Auch sonnabends nehme sie Termine wahr.

Ihre Arbeitszeit beziffert die Rathauschefin, die seit Mitte Januar amtiert, auf 60 bis 70 Stunden. Doch das störe sie nicht: "Ich habe vorher auch schon viel gearbeitet." Dass die Pflege privater Freundschaften sich schwieriger gestaltet, akzeptiert die 54-Jährige. "Klar, spontane Verabredungen sind derzeit kaum noch möglich."

Dann richtet Steinberg den Blick nach vorn. Sie gehe davon aus, dass sich bezüglich der Innenstadtentwicklung noch im Mai einiges bewege. Ein Konzept für den Bereich südlich der Friedrich-Ebert-Straße werde in Kürze vorgelegt. "Danach wird es mit allen Beteiligten weitere Abstimmungsgespräche geben." Ausdrücklich lobt Steinberg die gute Zusammenarbeit mit dem City-Management.

Ebenfalls vor der Sommerpause werde die Politik einen Entwurf der seit Jahren ausstehenden Eröffnungsbilanz vorliegen haben. Ende September dürfte klar sein, welche Sanierungen an den Schulen anstünden.

Bezüglich der Westumgehung seien der Stadt die Hände gebunden. Die Gerichte haben noch immer nicht entschieden, ob es eine erneute Verhandlung geben wird. "Wir sind in Lauerstellung", sagt Steinberg, die für Oktober einen Antrittsbesuch in der Pinneberger Partnerstadt Rockville im amerikanischen Maryland plant.

Und wie stärkt sich eine Bürgermeisterin für die anstehenden Herausforderungen? "Gymnastik und Yoga, jeden Morgen", antwortet Steinberg. Ab und zu laufen. Sport sei ihr unheimlich wichtig. "Und jetzt, da es Sommer wird, hoffe ich, es auch mal wieder zum Tennis zu schaffen."

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen