Ursprünglichen Charakter erhalten

Mit vier Bürgermeistern hat Eckhard Schlesselmann (CDU) zusammengearbeitet, die alle auf seiner Urkunde der Gemeinde Rellingen unterschrieben haben.
Mit vier Bürgermeistern hat Eckhard Schlesselmann (CDU) zusammengearbeitet, die alle auf seiner Urkunde der Gemeinde Rellingen unterschrieben haben.

Eckhard Schlesselmann (CDU) warnt im Interview vor der Ausweisung von zu vielen Baugebieten in Rellingen

shz.de von
19. Juni 2018, 16:00 Uhr

Stellvertretender Bürgermeister, mehr als vier Jahrzehnte Gemeindevertreter, 24 Jahre Vorsitzender des Bauausschusses – Eckhard Schlesselmann (CDU) hat die Entwicklung Rellingens maßgeblich geprägt. Nun hat er sich aus der Politik zurückgezogen. Im Interview blickt er auf seine politische Laufbahn zurück und erläutert, was er sich für die Zukunft der Gemeinde wünscht.


Frage: Was vermissen Sie an der Kommunalpolitik?
Eckhard Schlesselmann: Die Vielfalt der Menschen, mit denen ich zu tun hatte, wird mir fehlen. Es brachte mir immer Spaß, zu planen und zu gestalten und am Ende ein fertiges Ergebnis zu sehen.


Was wird Ihnen überhaupt nicht fehlen?
Endlose Diskussionen, obwohl alles gesagt ist – nur nicht von jedem. Diese Debatten haben Zeit und Nerven gekostet und meistens wenig gebracht.

Was tritt an die Stelle der Politik?
Eine neue Aufgabe beginnt für mich im Förderverein der Rellinger Bürgerstiftung, der ich als stellvertretender Vorsitzender angehöre. Dazu kommen Reisen, Bewegung in der Natur, Radtouren, Arbeiten am und im Haus – langweilig wird es mit Sicherheit nicht. Erst einmal steht nun die Freizeit im Mittelpunkt.


Hat sich die Politik in den vergangenen Jahren gewandelt?
Früher war es menschlich angenehmer. Ich hatte das Gefühl, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter zu sein. Heute spüre ich, dass häufig individuelle Interessen im Vordergrund stehen. Das ist aber wohl der Trend der Zeit. Viele Bürger interessieren sich leider auch nur dann für Kommunalpolitik, wenn sie persönlich betroffen sind. Was drei Straßen weiter passiert, ist ihnen oft nicht mehr wichtig.


Warum ist die CDU in Rellingen so erfolgreich?
Die personelle Kontinuität ist ein Erfolgsrezept. Wir haben es verstanden, einen beständigen Kurs zu fahren. Die Politik der Rellinger CDU ist immer berechenbar gewesen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dafür muss man nur die Entwicklung des Orts und die Finanzkraft der Gemeinde betrachten. Dank der guten Arbeit genießen wir das Vertrauen der Rellinger Bürger. Bei den Kommunalwahlen haben wir immer mehr als 50 Prozent der Wähler geholt.


Wieso wurde die CDU Ihre politische Heimat?
Das hatte vor allem persönliche Gründe. Mein Halbbruder Johnny Schlesselmann und mehrere Bekannte waren in der CDU. Deshalb lag es für mich nahe, ebenfalls Mitglied zu werden, um etwas zu bewegen.


Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Partei?
In Rellingen konstant, im Land ein Auf und Ab, im Bund wird es schwierig. Ich glaube nicht, dass die jetzige Bundesregierung vier Jahre durchhält. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es gerade angesichts der großpolitischen Wetterlage nicht leicht. Negativ ausgewirkt hat sich der Umgang mit der Flüchtlingskrise. 2015 ließ es sich aus humanitären Gesichtspunkten sicherlich begründen, dass die Grenzen geöffnet werden. Danach hätte man aber reagieren und sicherstellen müssen, dass die Zuwanderung strukturiert erfolgt. Besonders die Kommunen mussten sich riesigen Herausforderungen stellen. Knapper Wohnraum, keine Informationen über die Nationalitäten und keine Unterstützung von staatlicher Seite – die Flüchtlingskrise war eines der anspruchsvollsten Themen, mit denen ich mich in den vergangenen 44 Jahren auseinandersetzen musste.


Vor welchen Herausforderungen steht Rellingen in den kommenden Jahren?
Die Gemeinde muss aufpassen, dass sie nicht zu schnell und zu stark wächst. Der Zuwanderungsdruck aus Hamburg darf Rellingen nicht erdrücken. Eine zu großzügige Ausweisung von neuen Baugebieten kann die Infrastruktur und vor allem die soziale Struktur nicht vertragen. Rellingen soll seinen ursprünglichen Charakter behalten. Ich wünsche mir, dass die neu gebildete CDU-Fraktion an diesen erfolgreichen Leitlinien festhält.


Was hat Ihnen an der Arbeit in der Politik über die vielen Jahre besondere Freude bereitet?
Vor allem die Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Ich habe vier Bürgermeister erlebt und mit allen kam ich hervorragend klar. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass für mich eine Abschiedsfeier organisiert wurde. Die gegenseitige Wertschätzung erleichtert die Arbeit ungemein, ist aber in der Politik leider nicht immer gegeben.

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