Nachtschicht im Kreis Pinneberg : Unterwegs mit einem Sicherheitsbeauftragten auf der größten Abi-Party Schleswig-Holsteins

Während mehr als 2000 angehende Abiturienten ausgelassen feiern, sorgen etwa 50 Menschen im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf und ein unvergessliches Partyerlebnis. Das ist nicht immer leicht. Bereits am Eingang ist Aufmerksamkeit und Erfahrung gefragt...
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Während mehr als 2000 angehende Abiturienten ausgelassen feiern, sorgen etwa 50 Menschen im Hintergrund für einen reibungslosen Ablauf und ein unvergessliches Partyerlebnis. Das ist nicht immer leicht. Bereits am Eingang ist Aufmerksamkeit und Erfahrung gefragt...

Schlagende Bässe, Hitze und der Boden vibriert. Es riecht nach Schweiß. Die Security muss dabei die Übersicht behalten. Die ganze Nacht.

shz.de von
24. Januar 2015, 16:00 Uhr

Horst | Flaschen klirren, schallendes Gelächter durchdringt die Stille der Nacht, laute Musik ist im Hintergrund zu hören. Während die meisten Fenster der etwa 5500 Einwohner zählenden Gemeinde Horst bereits im Dunkeln liegen, nimmt ein Sicherheitsbeauftragter einen kräftigen Schluck von seinem Koffeindrink. Er wird noch die ganze Nacht durchhalten müssen. Und die Lage vor dem Haupteingang ist drängend. Die Veranstalter erwarten an diesem Abend mehr als 2000 Feierlaunige von insgesamt 18 Gymnasien aus den Kreisen Steinburg und Pinneberg bei der laut eigener Aussage größten Abi-Party Schleswig-Holsteins – das entspricht fast der Hälfte der Einwohner Horsts.

Die Schlange vor der Elbmarschenhalle wird länger. Viele der Wartenden sind angetrunken. Einige tragen nur T-Shirts, obwohl es eisig kalt ist. Ihr Atemhauch ist im Lichtkegel zu sehen. Ein Bus hält vor dem Eingang. Aus der Tür springen dutzende Jugendliche und strömen zum Eingang. Gegen Mitternacht passiert es dann: Einige Ungeduldige drücken in die Masse. Mädchen fallen in der Menge hin. Die Sicherheitsleute reagieren sofort, entfernen Barrikaden und drücken die Menge nach draußen. Es ist ein kurzer Panik-Moment, den die Angestellten dank ihrer Erfahrung sofort in den Griff bekommen.

Drinnen schlägt einem Hitze entgegen. Bässe lassen den Boden vibrieren. Es riecht nach Schweiß. Nach hinten wird der Raum weitläufig. In der Mitte, links und rechts sind Bartresen. Auf der Tanzfläche zappeln Dutzende zu Electro-Beats, in der Mitte steht eine Gruppe Schüler auf einem Podest und heizt die Menge an.

Während Körper verschmelzen und Unterhaltungen lauter werden, sind etwa 50 Menschen im Einsatz, um bei den angehenden Abiturienten für ein unvergessliches Partyerlebnis zu sorgen. Am Eingang landet eine volle Flasche Korn in der Mülltonne. „Ich sehe es an den Augen, wenn jemand versucht, etwas in die Halle zu schmuggeln“, sagt einer der Security–Männer, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will. Er habe schon alles erlebt, als Verstecke dienten Mützen, Gürtel und Schuhe.


Zu seinem Job gehört auch, draußen zu stehen – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. „Am besten in Bewegung bleiben und nicht rauchen, denn das kühlt die Hände aus“, sagt er. Ein Trick von Türstehern sei zudem, Zeitungen in die Schuhe zu legen, „das isoliert“. Zwei Jugendliche fragen ihn, wo die Toiletten sind. Er weist ihnen den Weg. Auskünfte geben gehört eben auch zu seinen Aufgaben.

Im Hintergrund spricht Anna-Lena Helbrecht in ihr Funkgerät. Sie behält in dieser Nacht den Überblick. Einmal im Monat organisiert die angehende Veranstaltungskauffrau Partys. Sie behält den Eingangsbereich im Auge. Die 26-Jährige hat gerade dafür gesorgt, dass zehn Shuttlebusse innerhalb von zwei Stunden vor Mitternacht auf dem Parkplatz vor der Elbmarschenhalle angekommen sind.

 

In der Mainhall lösen sich immer wieder vereinzelt Grüppchen, um sich neue Getränke zu holen. Gerade mixt Lennard Mimschik einen Drink. Für den 21-jährigen Jurastudenten ist die Nachtschicht perfekt. „Eine andere Arbeit kommt für mich nicht infrage“, sagt er. Mimschik schlägt sich zwar die Nacht um die Ohren, hat dafür aber mehr vom Tag, um Bücher zu wälzen. „So bin ich flexibel“, sagt er und fügt hinzu: „Und man lernt viele Leute kennen.“

DJ Philly (l.) und MC Big Boy Timmy lieben es, sich für eine tanzende Meute die Nacht um die Ohren zu schlagen. (Foto: Mertin)
DJ Philly (l.) und MC Big Boy Timmy lieben es, sich für eine tanzende Meute die Nacht um die Ohren zu schlagen. (Foto: Mertin)
 

Wer bei Mimschik für Nachschub gesorgt hat, landet im Notfall bei Rami Müller und seinen zwei Kollegen. Der Sanitäter sitzt hinter einem abgetrennten Bereich an einem Tisch. Für seine Patienten steht eine Liege bereit. Mehrfach verlieren in einer Nacht Partygäste aufgrund von Trunkenheit die Kontrolle über sich. Müller leistet inzwischen seit zehn Jahren immer wieder Dienst in der Elbmarschenhalle. Unter der Woche arbeitet er als Werksfeuerwehrmann, deshalb bleiben ihm nur die Wochenendnächte. Aufgeben will er die ehrenamtliche Tätigkeit nicht. „Es ist so wichtig, dass jemand in einer Notsituation für die Leute da ist. Die Dankbarkeit kommt immer zurück“, sagt er. Dann kommt der nächste junge Mann hinter den Vorhang. Er hat augenscheinlich zu viel getrunken. Müller kümmert sich sofort um ihn. Prüft zunächst, ob er ansprechbar ist. Ihm scheint es einigermaßen gut zu gehen.

Die Halle füllt sich weiter – auch der Raum im hinteren Bereich, durch den Black Music hallt. DJ Philly steht auf einem Podest hinter den Turntables. Der 33-Jährige sorgt dafür, dass die Tanzfläche voll bleibt. Dafür muss er auch improvisieren, ein Gespür dafür haben, welchen Beat die Tanzenden gerade favorisieren.

 

MC Big Boy Timmy steht neben ihm. Wie sie mit Liedwünschen umgehen? „In Ausnahmefällen gehen wir darauf ein, aber eigentlich wird getanzt, was auf die Teller kommt – ein DJ ist schließlich keine Jukebox“, sagt der 31-Jährige. DJ Philly legt bis zu viermal pro Woche auf. Wenn andere schlafen, arbeitet er. Eine Familie hat er nicht. „Ich will diesen Job noch so lange machen, wie es geht“, sagt er und blickt auf die tanzende Menge hinunter.

Um 1.30 Uhr stehen immer noch zahlreiche Leute an der Garderobe an, um ihre Jacken abzugeben. Ab zwei Uhr werden die Ersten die Party verlassen. Während ihre Gäste noch wild feiern, konzentriert sich Helbrecht bereits auf deren Abreise. Da sich die Elbmarschenhalle in einem Mischgebiet befindet, müssen um 4 Uhr die Lichter an- und die Musik ausgehen. Die Abiturienten sollten danach nicht auf dem Parkplatz weiterfeiern. „Ich werde gleich die ersten Taxen vorbestellen“, sagt sie.

Außerdem kümmert sich Helbrecht darum, dass die Shuttlebusse bereitstehen. Wenn der Parkplatz vor der Elbmarschenhalle endlich leer ist, endet auch für die 26-Jährige die Nachtschicht. Zurück bleibt in der Halle das Chaos der leeren Becher und Flaschen. Aber darum kümmert sich zum Glück die Tagschicht.

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