Unterwegs auf der Buckelpiste

Hügelig, rissig, verdreckt: Der Radweg an der L112.
Hügelig, rissig, verdreckt: Der Radweg an der L112.

Nachdem unsere Leser uns von den schlimmen Zustände auf dem Radweg entlang der L112 zwischen Barmstedt und Brande-Hörnerkirchen berichteten, starten wir einen Selbstversuch.

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13. August 2018, 16:00 Uhr

Mit dem Fahrrad durch den Kreis Pinneberg – eine Zumutung. Das bestätigten uns zahlreiche Leser, die einem Aufruf unserer Zeitung nach den miesesten Radstrecken im Kreis Pinneberg gefolgt waren. Spitzenreiter unter den Buckelpisten: Der Radweg von Barmstedt nach Brande-Hörnerkirchen an der Landesstraße 112. Nun sind solche Urteile manchmal voreilig gefällt. Grund genug für unsere Zeitung, die vermeintliche Königsetappe unter den schlechtesten Radstrecken genauer unter die Lupe zu nehmen.

Es ist schon von weitem zu sehen: Ein rotes, dreieckiges Verkehrsschild mit einem dicken, schwarzen Ausrufezeichen in der Mitte. Darunter ein Schild mit unmissverständlicher Botschaft: Radwegschäden. Es steht am Radweg, der von Barmstedt nach Brande-Hörnerkirchen führt. Zur Linken erstrecken sich karge Felder, rechts stehen vereinzelt Häuser. Am Wegesrand vegetieren Unkraut und einige Blumen.

Auf den ersten Blick wirkt die Strecke recht harmlos. Schaut man genauer hin, fällt auf: Die Piste ist ausgebeult wie eine prallgefüllte Einkaufstasche. Geht man die Strecke zu Fuß ab, bemerkt man lange Risse und Vertiefungen. Und das nicht nur einige Male, sondern alle zehn  Meter. Baumwurzeln, die den Asphalt sprengen, sucht man allerdings vergeblich. Ebenso wenig Absackungen durch Maulwurfshügel. Beides Kritikpunkte, die die Leser vorgebracht hatten. Der Wildwuchs am Wegesrand breitet sich aber tatsächlich nahezu ungehindert aus. Wann dort zuletzt gemäht wurde, lässt sich nur erahnen.

Doch nun geht es in erster Linie nicht ums Spazierengehen entlang der L 112, sondern ums Fahrradfahren. Einmal auf den Sattel geschwungen, dauert es nur wenige Meter, bis man den ersten Hubbel zu spüren bekommt. Das Vorderrad fährt über die Stelle, in der der Riss im Asphalt übergeteert wurde. Dann folgt das Hinterrad. Die Federung des Sattels sorgt dafür, dass nur ein kurzer Ruck zu spüren ist. Wirklich schmerzhaft ist das eigentlich nicht. Haben unsere Leser etwa übertrieben? Das Rad rollt auf den nächsten Makel im dunkelgrauen Asphalt zu. An dieser Stelle ist der Weg etwas abgesackt. Beim Drüberfahren macht die Klingel sich bemerkbar. Das blecherne Klirren begleitet das unsanfte Ruckeln der Reifen. Würde man versuchen, den Schlaglöchern und Rissen auszuweichen: Es würde aussehen, als fahre man mit dem Fahrrad beim Hahnenkammrennen in Kitzbühel mit. So holpert man die L 112 entlang. Die ersten Unebenheiten waren noch zu verschmerzen. Doch auf Dauer wird es unangenehm auf dem Drahtesel – und das bereits auf der kurzen Teststrecke. Wer es mit dem Rücken oder den Gelenken hat, sollte besser einen großen Bogen um die Barmstedter Buckelpiste machen. Nach wenigen hundert Metern ist klar: Eine gemütliche Radtour fühlt sich anders an.

Nur diese kurze Testfahrt reicht um zu zeigen: Unsere Leser haben nicht zu viel versprochen – oder zu wenig. Je nachdem, wie man das sehen möchte. Der Radweg an der Landesstraße 112 hat beste Karten, die schlechteste Fahrradpiste im Kreis Pinneberg zu sein. Die Gemeinden und Ämter tun gut daran, sich mit den zuständigen Behörden wie dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) über eine Sanierung auszutauschen und Baumaßnahmen einzuleiten. Denn den Fahrradweg von Barmstedt nach Brande-Hörnerkirchen kann man keinem zumuten – nicht mal dem passioniertesten Fahrradfahrer.

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