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Quickborn : Unterstützung für jungen Künstler aus Afghanistan

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Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Junger Künstler aus Afghanistan erhält „Care-Paket“ von zwei Kolleginnen. Geld für weitere Ausbildung fehlt bislang.

Quickborn | Valid Erat (22) kniet in seinem Zimmer in der Quickborner Hochhauswohnung und packt mit leuchtenden Augen einen Karton aus. Pastellkreidestifte, Tusche, Zeichenfedern und -kohle, Graphit- und Kohlestifte, Palettenmesser und Acrylfarben kommen zum Vorschein. „Jetzt kann ich malen“, sagt der afghanische Flüchtling und strahlt. In der Schatzkiste ist noch mehr: Ölpastelle, Ölfarben, Radiergummis, Anspitzer. Erat hatte in seiner Heimat Afghanistan vier Jahre lang Kunst studiert und möchte in Deutschland dazulernen – und vor allem malen.

Das Paket mit den Materialien stammt von der Künstlerin Anita Schwieger aus Ahrensburg und erreichte den jungen Mann auf Umwegen: Erat hatte den offiziellen Willkommenstag im Barmstedter Rathaus gemeinsam mit seinem afghanischen Freund Arif, der in der Flüchtlingsunterkunft in Langeln wohnt, besucht. Dort stellte er einige seiner Bilder aus, die er nach der Flucht aus Afghanistan gemalt hatte. Das Quickborner Tageblatt berichtete in der Barmstedter Ausgabe über Erats Schicksal, was wiederum die Barmstedter Künstlerin Karin Weißenbacher auf den Plan rief. Sie wandte sich an Künstler-Kollegin Schwieger, die kürzlich in Weißenbachers Galerie die Ausstellung „Zuckerwerk“ zeigte.

„Ich räumte mein Atelier auf und stellte eine Kiste mit Materialien für den Flüchtling zusammen“, berichtet Schwieger. Weißenbacher packte noch eine große Leinwand dazu. „Ich freue mich riesig“, bedankt sich Erat bei den Beiden. Er möchte sein unterbrochenes Kunststudium gern wieder aufnehmen. „Ich hatte in Afghanistan bei einem Künstler Unterricht, der seine Fertigkeiten von einem deutschen Lehrer gelernt hatte“, sagte Erat.

Die beiden Künstlerinnen Karin Weißenbacher (links) und Anita Schwieger packten für den Afghanen einen Karton mit zahlreichen Materialien. (Foto: Pergande)
Die beiden Künstlerinnen Karin Weißenbacher (links) und Anita Schwieger packten für den Afghanen einen Karton mit zahlreichen Materialien. (Foto: Pergande)
 

Er möchte malen. Ohne Leinwand und Farben geht es nicht, die aber kann der Asylbewerber sich nicht leisten. Immerhin kann er dank der Spende jetzt beginnen, seine Heimat auf der Leinwand in Farbe zu gestalten. Bilder schöner Landschaften, aber auch solche, die die Zerstörung schonungslos offenbaren.

„Ich möchte mich auch künstlerisch weiter entwickeln, ich will noch viel dazu lernen“, ist sein Wunsch. Aber auch dafür fehlt das Geld. Kurse zu besuchen, kann er sich nicht leisten. Seine Aufenthaltsgenehmigung ist sechs Monate lang gültig. Erat nutzt die Zeit, um intensiv so schnell wie möglich Deutsch zu lernen.

Geflüchtet waren er, sein Zwillingsbruder und die Mutter nach dem gewaltsamen Tod des Vaters. Dieser hatte als Lehrer an einer Schule gearbeitet, in der auch Mädchen unterrichtet wurden. Während eines Taliban-Angriffs auf die Bildungseinrichtung kam der Vater ums Leben. Die Familie möchte sich in Deutschland eine neue Zukunft aufbauen. Wer den jungen Künstler unterstützen möchte, kann über diese Zeitung Kontakt zu ihm aufnehmen.

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erstellt am 20.Apr.2015 | 12:15 Uhr

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