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Frühlingshaftes Wetter im Kreis Pinneberg : „Unsere Ernte wäre erledigt“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Wer die Tage das Haus verlässt, der kann kaum glauben, dass es Februar ist. Und in der Tat: Der Winter ist derzeit drei Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt. Die ersten Knospen schwellen bereits. Doch nicht jeder kann sich daran erfreuen: Die Obstbauern fürchten einen Temperatureinbruch. Das könnte die Apfelernte verhageln.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 06:00 Uhr

„Friedhelm“: So nennen die Meteorologen das Hoch, das derzeit für das milde Wetter sorgt. Für Ausflügler und Frühlingsschwärmer kommt es noch besser: Der Winter soll vorbei sein. „In der ersten März-Hälfte ist kein Temperatureinbruch in Sicht“, sagt Eckhard Möller vom Deutschen Wetterdienst. Dieser Winter gehöre zu den mildesten seit der Nachkriegszeit: Die Temperaturen lagen im Dezember, Januar und Februar drei Grad über dem langjährigen Mittelwert.

Aber was sagen eigentlich die Bauern dazu? Der Mix aus Frost im Januar und frühem Frühlingswetter kann Getreide und Raps im Kreis nichts anhaben. „Die Natur regelt das schon“, sagt Georg Kleinwort, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Pinneberg. Ganz anders sieht er es allerdings beim Obstanbau, den er auch selbst betreibt. „Die Vegetation hat drei Wochen früher begonnen, die Knospen schwellen bereits“, sagt Kleinwort. Seine Angst: Ein erneuter Wintereinbruch im März. Er traut dem Frühlingsversprechen des Deutschen Wetterdienstes nicht. Auch wenn es eher unwahrscheinlich ist, ganz ausschließen können die Experten einen Temperatureinbruch in der zweiten März-Hälfte nicht, bestätigt Möller.

Laut dem Experten sei mit einem Spitzenwert von Minus 18,8 Grad 2013 einer der kältesten Märzmonate der letzten 130 Jahre gewesen. Kleinwort hat den harten Winter im vergangenen Jahr nicht vergessen. Durch den späten Frost und das schlechte Blühwetter sei es bei der Apfelernte in der Haseldorfer Marsch zu einem Ausfall von 80 Prozent gekommen, sagt Kleinwort.

Der Raps- und Getreideanbau würde auch Temperaturen von bis zu Minus zehn Grad überleben. Für Birnen, Süßkirschen, Pflaumen und Zwetschgen sei das hingegen tödlich. „Wenn es im März nochmal so kalt wird, hat sich die Obsternte erledigt“, sagt Kleinwort. Während der Obstbauer das Beschneiden der Bäume hinauszögert, um im Notfall mehr Blüten zu haben, freuen sich die 300 Baumschulen im Kreis über den milden Winter. „Die Landbewirtschafter haben geringere Energiekosten und weniger Frostschäden, wodurch es nicht viel Ausfall gibt und die Schulen bereits in den Versand eintreten können“, sagt Frank Schoppa vom schleswig-holsteinischen Landesverband im Bund Deutscher Baumschulen. Es hänge viel vom Frost ab. „Letztes Jahr wurden viele Baustellen eingestellt und im Zierpflanzenbau sind ganze Pflanzensätze ausgefallen“, erinnert sich Schoppa.

Wenn der Frühling später einzieht, könne das im Gartenbau und bei den Baumschulen zu Verlusten in Höhe von bis zu 20 Prozent führen. „Wenn die Temperaturen so bleiben, wäre das sehr schön“, sagt Schoppa.

Hintergrund: Das Winter-Wetter

Wetterexperten sprechen nur bei den Monaten Dezember, Januar und Februar vom „klimatologischen Winter“, der „astronomische Winter“ endet erst am 21. März. Eine Durchschnittstemperatur wird innerhalb einer 30-jährigen Vergleichsperiode bestimmt. So können auch Trends ermittelt werden. Laut Eckhard Möller vom Deutschen Wetterdienst werden die Winter milder, wärmer und feuchter. Die durchschnittliche Temperatur im Kreis Pinneberg lag dieses Jahr bei vier Grad, der klimatologische Winter war also  drei Grad wärmer als das 30-jährige Mittel. Damit gehört der Winter in dieser Region zu den fünf mildesten  seit der Nachkriegszeit.

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