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Von der Nordsee in die Pinnau : Ungewöhnlicher Besuch: Seehund verirrt sich nach Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Passanten entdecken das Tier erstmals am Montag. Seitdem ist es verschwunden. Experten suchen den seltenen Gast.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 10:48 Uhr

Pinneberg | Er kam, um neue Gefilde zu entdecken und sich wahrscheinlich in der Pinnau den Bauch vollzuschlagen: Am Montagnachmittag ist in Pinneberg erstmals ein Seehund gesichtet worden. Als Liana Hakobyan (39) an der Pinnau zwischen Hindenburgdamm und Autobahnbrücke entlangschlenderte, traute sie ihren Augen kaum. Ein Seehund war aus dem Fluss ans Ufer gerobbt. Sie fotografierte das Tier, das daraufhin auf Facebook zum Pinneberger Stadtgespräch wurde.

„Ich habe die Polizei angerufen, damit der Tierschutz benachrichtigt wird“, so Hakobyan. Ähnlich hatten weitere Passanten reagiert. Der Seehund allerdings setzte seine Reise fort. „Wenn es im Meer kalt und ungemütlich wird, kommt es vor, dass Seehunde bis in Binnengewässer schwimmen“, erläutert Torben Ulpts von der Seehundstation Friedrichskoog die kilometerlange Reise des Pinneberger Gastes durch Elbe und Pinnau. „Es ist schon relativ selten, dass sie sich soweit in die Stadt bewegen, aber es kommt vor.“ Er weiß: „Es gibt Seehunde, die es bis nach Köln geschafft haben.“ Ulpts war am Montagabend in Pinneberg vor Ort, um den Seehund zu suchen.

Als Seehundjäger, die zuständig und verantwortlich für den Schutz dieser Wildart sind, sei er geschult, die Tiere zu beobachten und zu beurteilen, ob es dem Tier gut geht oder es Hilfe braucht, so Ulpts. Doch statt des Seehundes bekam er lediglich die Fotos von dem Tier zu sehen, die Passanten geschossen hatten. Darauf habe er erkannt, dass es sich um ein sehr junges Tier handle – noch kein Jahr alt. „Mai, Juni ist die Geburtenzeit bei Seehunden im Wattenmeer“, so Ulpts. Anhand der Fotos mache der Seehund einen gesunden Eindruck. „Man sagte mir, die Pinnau sei sehr fischreich.“ Er vermutet: „Da diese Tiere sehr opportunistisch veranlagt sind, was Essen angeht, hat es sich die Pinnau ausgesucht, um sich den Magen vollzuschlagen.“ Seehunde seien Einzelgänger. So sei der Aufenthalt in der Pinnau laut Ulpts das Beste, was ihm passieren konnte. In Rudeln bewegten sie sich höchstens, um besser geschützt zu sein. „Dass Jungtiere allein unterwegs sind, ist ganz normal.“

Selbst wenn er das Tier gefunden hätte und es vollkommen gesund gewesen wäre, hätte er es dort liegen lassen oder höchstens aus der Innenstadt gebracht. „Das Tier hat es sich selbst ausgesucht, dort hinzuschwimmen.“ Der Pinneberger Borris Plautz, technischer Manager von Sea Sheperd Deutschland, der ebenfalls am Montag über die Seehundsichtung informiert worden war, erläutert: „Gerade jüngere Tiere sind Ausbüchser, die auf Erkundungstouren gehen.“ Schleusen stellten für sie kein Hindernis dar. Den Weg zurück ins Meer zu finden, sei für die „pfiffigen“ Tiere kein Problem.

Bisher ist unklar, wohin der Pinneberger Seehund geschwommen ist. Doch für Passanten, die ihn sichten, hat Ulpts einige Tipps parat: Abstand halten, nicht anfassen, Hunde bei Spaziergängen an der Pinnau vorsorglich an die Leine nehmen und keinen Kontakt zulassen, da Krankheiten übertragen werden könnten. Ulpts warnt: Der Seehund habe ein Raubtiergebiss. Er persönlich trage bei Kontakten Schutzkleidung. Wer einen hilfsbedürftigen Seehund sieht, werde gebeten, die Seehundstation in Friedrichskoog anzurufen unter Telefon 04854-1372.

 

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