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Des einen Glück... : Unerwartete Spende für das Hospiz

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Taubenzuchtverein löst sich auf und überlässt sein Vermögen dem Johannis Hospiz der Regio-Kliniken.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2016 | 10:00 Uhr

Elmshorn | Im Johannis Hospitz der Elmshorner Regio-Kliniken ist eine ungewöhnliche Spende übergeben worden: Der Rassetaubenzuchtverein Elmshorn und Umgebung hat gestern einen symbolischen Scheck in Höhe von 1000 Euro überreicht. Der Anlass der Spende ist allerdings traurig, denn der Zuchtverein löst sich nach mehr als 50-jährigem Bestehen auf.

Horst Tank und Hans-Jürgen Nestmann vom Taubenzuchtverein freuen sich, helfen zu können, bedauern aber die Vereinsauflösung. Sie war unausweichlich geworden, denn die Mitglieder waren inzwischen überaltert: Mit 65 Jahren war Nestmann das jüngste Mitglied, die meisten waren zwischen 70 und 80 Jahre alt. Der Jahreshöhepunkt in einem Taubenzuchtverband seien die Ausstellungen, in denen die Mitglieder ihre Zuchtergebnisse präsentierten, aber dazu sei es zuletzt gar nicht mehr gekommen – die weite Anreise und das Tragen der Käfige sei für die gealterten Züchter zu beschwerlich geworden. Und so starb der Rassetaubenzuchtverein an Altersschwäche. Die Suche nach jungen Mitgliedern sei gescheitert: Das größte Problem sei der ausgebuchte Nachwuchs. „Früher hatten Kinder nachmittags frei für Aktivitäten. Heute sind sie in Schulen betreut und beide Eltern arbeiten,“ erläutert Nestmann. „Das Problem betrifft ja alle alten Organisationen wie Schützenvereine, Chöre oder Feuerwehr unterschiedlich stark,“ ergänzt Tank.

Erfreulich ist aber die erhebliche Spende, die daraus an das Hospiz ging: „Wir wollten etwas Sinnvolles damit machen, und es sollte in Elmshorn bleiben.“ Hospizleiterin Janet Dahlmann begrüßt nicht nur das Geld. „Mindestens genauso freut uns, dass man gesehen wird in der Region“, sagt sie. Denn das Thema Tod und Sterben werde von vielen Menschen verdrängt, und so werde oft erst mit dem Hospiz in Verbindung getreten, wenn es nötig sei. Doch das Hospiz ist auf Spenden angewiesen: Ein Tag im Hospiz kostet 275 Euro. Zwölf Gäste können gleichzeitig begleitet werden. Es arbeiten 30 ehrenamtliche Mitarbeiter in der Einrichtung, aber auch 22 Hauptamtliche müssen bezahlt werden. Die finanziellen Träger sind die Kranken- und Pflegekassen, die aber nicht die vollen Kosten decken.

Geld wird immer gebraucht, aber auch praktische Hilfe: Jeder ehrenamtliche Mitarbeiter erhält tätigkeitsbegleitend eine Ausbildung der Johanniter. Der Erfolg zeige sich auch daran, dass das Hospiz vor allem durch Spenden der Hinterbliebenden ehemaliger Gäste finanziert wird, die die Arbeit dort kennen und schätzen gelernt haben. Wünschenswert wäre aber auch die Aufmerksamkeit von nicht persönlich Betroffenen. „Ich könnte das nicht“, bewundert Nestmann die Arbeit Dahlmanns. „Und ich weiß nicht, wie man eine Taube aufzieht. Aber ich weiß, wie man eine Sterbebegleitung macht“, sagt sie. Dieses Wissen kann für jeden nötig werden – und niemand weiß, wann.

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