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Essen und Comedy : Unbekannte Gäste im Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tobias Bandisch veranstaltet seit einem Jahr seine Shows mit Essen und Comedy auch in Schenefeld

Schenefeld | „Sind wir hier wirklich richtig?“, fragte die Frau ihren Mann flüsternd. Der zeigte auf das Plakat neben der Eingangstür. Also setzten beide ihren Weg fort – vorbei an dem Steinhaufen, der Baustellenabsperrung über die improvisierte Bautreppe, den ausgelatschten Teppich. Ziel: der zweite Stock, wo seit einem Jahr regelmäßig „Tobis Wohnzimmershow“ mit Essen, Musik und Comedy veranstaltet wird.

„Fühlt euch wie zuhause“, begrüßte Veranstalter Tobias Bandisch am Sonnabendabend seine Gäste. Der helle, große Raum ist ein Gegensatz zu dem Weg in das Loft. Es ist bunt, hell, freundlich – und es riecht ein wenig verbrannt. „Alles gut“, beteuerte der 52-Jährige. Zur Sicherheit warf er einen Blick in den Ofen. Auch dem Hirschfleisch ging es gut. „Wäre ja schade gewesen. Den hat der Jäger frisch für uns erlegt“, sagte Bandisch.

Während er den ersten Gang des Viergang-Menüs vorbereitete, erkundeten die Gäste die Wohnung. Zumindest den großen Raum. Die Tür zu den Toiletten wagte keiner zu öffnen. Auch die Leiter ins Obergeschoss mit dem Warnschild „Betreten auf eigene Gefahr“, blieb ungenutzt. „Gar keine Bücher hier“ und „Fotos gibt es auch nicht“ flüsterten sich zwei Hamburgerinnen zu. Die beiden Damen waren zwei der fünf anwesenden Gäste. „Heute ist es eher perfektes Dinner als Wohnzimmershow“, sagte Bandisch zur Teilnehmerzahl. Die Kommentare zur scheinbar fehlenden Einrichtung ließ der Wahl-Schenefelder unkommentiert – oder hat sie nicht gehört. Dabei treffen sie zu. Es ist ein Wohnzimmer mit Sofa, Bar und offener Küche – zum Teil gebaut auf Getränkekisten. Aber die persönliche Note fehlt. Keine Fotos, keine Bücher, keine Erinnungsstücke – die Dinge, die ein Leben interessant und den Blick in dieses spannend machen.

Doch das war kein Thema bei den fünf Besuchern, die bereits an der roten Tischplatte – aufgestellt auf Holzblöcken – Platz genommen hatten. Binnen Minuten waren alle Teilnehmer per Du. Alf, der Name des Teilnehmers, der mit seiner Frau extra aus Hannover angereist war, sorgte für Diskussionsbedarf. Ebenso die Weintrauben im Salat – dem ersten Gang. Kurz danach musste Wikipedia helfen. Ist Dockenhuden wirklich ein Stadtteil von Hamburg? Die freie Enzyklopädie klärte auf: Es ist ein Stadtviertel im Bezirk Altona. Dann wurde das Handy anderweitig gebraucht. Der zweite Gang war da. Schnell ein Foto für Facebook. Dann wurde weitergeredet. Fünf Menschen, die sich vorher nicht kannten, schnackten über Mietpreise, Ausflugsziele und Lieblingsweine.

Mit dem zweiten Gang griff Bandisch ein. „Humor ist eine Soße“ ist das Motto des Programms. „Es ist heute das letzte Mal, dass ich stundenlang machen kann, was ich will“, so Bandisch. Nach der Sommerpause seien Bühnen-Gäste geladen. Er las aus seinem Buch „Humor ist eine Soße“, spielte live Lieder seiner aktuellen CD „Das Leben ist schön“ und witzelte drauflos. Oft unter der Gürtellinie. Die Augen wurden weit, als er die vier Damen fragte, welche schon mal einen Callboy bestellt hat. Seine Überleitung zu einem Gummipuppen-Song. Bandischs Texte sind klar – manchmal derb. Die Zuschauer sollen nicht nachdenken, sondern einfach einen Abend Spaß haben. Musik, Comedy und gutes Essen – das ist das Konzept von Bandisch. Doch der Funke wollte nicht recht überspringen. „Redet ihr die ganze Zeit? Das ist mir vorhin schon aufgefallen“, fragte er die beiden Hamburgerinnen während eines Stücks. Und fast wirkte es, als hätten sie ihr Gespräch lieber fortgesetzt, als konzentriert dem nächsten Lied zu lauschen.

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erstellt am 06.Jun.2017 | 16:30 Uhr

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