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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 07:34 Uhr

Umzug für 34 Flüchtlinge steht an

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Müssentwiete Wegen Sicherheitsmängeln hatte sich die Freigabe der neuen Unterkunft um elf Monate verschoben

von
erstellt am 09.Jun.2017 | 16:15 Uhr

Auf den mausgrauen Matratzen in den Metallbetten liegt die sogenannte Erstausstattung bereit: Bettzeug, noch eingeschweißte Bezüge, ein großes und ein kleines Handtuch, ein Kochtopf, Geschirrhandtuch, Plastikteller und -Becher für jeden in einer anderen Farbe und eine Info-Broschüre. Ein Stuhl, ein winziges Tischchen und ein schmaler Metallspind sind im Zimmer vorhanden. Die Flüchtlingsunterkunft in der Müßentwiete ist bezugsfertig für ihre künftigen Bewohner.

Das Haus bietet Platz für 36  Personen, bis zum Monatsende sollen 34 in die Unterkunft umsiedeln. Derzeit leben von 726 Flüchtlingen in der Stadt Pinneberg 73 in Hotels oder Pensionen, 529 in Wohngemeinschaften in von der Stadt angemieteten Wohnungen. 111 leben in städtischen und 13 in privaten Unterkünften. Durch den Umzug von 34    dieser Menschen in die neue Unterkunft erhofft sich die Stadt    Einsparungen zwischen 7000 und 10  000 Euro monatlich.


Bewohner kommen überwiegend aus Syrien


Bei den künftigen Bewohnern handelt es sich ausschließlich um einzelne Männer zwischen 19 und 38 Jahren, überwiegend aus Syrien, aber auch aus dem Irak und Afghanistan. Der größere Teil von ihnen ist Asylbewerber und wartet dementsprechend auf einen Entscheid zu seinem Fall. Andere sind bereits als Flüchtlinge anerkannt – ihnen fehlt nur noch eine eigene Unterkunft. Deswegen gelten sie nun als Obdachlose. „Privaten Wohnraum zu finden, gestaltet sich leider sehr schwierig“, erläutert Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg bei der offiziellen Begehung der Unterkunft. Bei dieser nahmen auch die wenigen Anrainer teil. Die einzigen Privatpersonen sind das Ehepaar Kriech. „Auf gute Nachbarschaft“, sagt der Rentner, aber besorgt sei er schon.

Auch auf Bewohnerseite scheint Skepsis angebracht: Zwar entspricht der rund 1  122  800 Euro teure Bau den gesetzlichen Anforderungen, aber er lässt keinen Platz für Persönliches. Der Flur ist eng, die Zimmer doppelbelegt. Einen größeren Tisch oder ein Wohnzimmer gibt es nicht. Der kleine Diakonieraum mit wenigen Stühlen fungiert als „Aufenthaltsraum“. Abgesehen vom benachbarten Sportclub „Sportfreunde“ ist die Unterkunft abgelegen. „Wir gehen davon aus, dass die Geflüchteten ein Fahrrad mitbringen“, sagt Stadtsprecherin Maren Uschkurat. Wer noch keines hat, könne mit Hilfe der Flüchtlingsbeauftragten Katharina Kegel über die Fahrradwerkstatt günstig an eines kommen. Wo man sich aufhalten soll, weiß auch Uschkurat nicht: „Bei gutem Wetter im Freien“, sagt sie. Da anerkannte Asylbewerber den Obdachlosenstatus haben, stehe ihnen gesetzlich kein Aufenthaltsraum zu – nur ein Bett und kaltes Wasser. Die Unterkunft habe mit geplantem W-Lan und warmem Wasser mehr als den Minimalstandard. Um Konflikte zu vermeiden, ist das Gebäude in einzelne Nationalitätentrakte geteilt. Je acht Bewohner nutzen eine Küche und ein Bad mit zwei Duschen und zwei Toiletten. Die Reinigung solle selbst organisiert werden. „Zumindest wollen wir es probieren“, so Steinberg. Wie lange die Bewohner in der Unterkunft leben werden, weiß niemand.

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