zur Navigation springen

20 Jahre Krötenzaun in Pinneberg : Umweltschützer retten 17.170 Kröten

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sie fallen in Eimer und werden sicher über die Straße getragen: Das Umwelthaus Pinneberg schützt seit 1997 Kröten mit einem Krötenzaun am Hogenkamp. Ihr Lebensraum ist jedoch bedroht.

von
erstellt am 10.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Pinneberg | 17.170 Kröten – so viele Tiere haben Rainer Reischuck und seine Mitstreiter in den vergangenen 20 Jahren gerettet. „Alle, die daran mitgewirkt haben, dürfen ein wenig stolz darauf sein“, kommentiert Reischuck vom Pinneberger Verein Umwelthaus das Bestehen.

Ende dieses Monats wird der Krötenzaun zum 20. Mal am Hogenkamp aufgebaut. Denn die Tiere – vom Friedhofsgelände kommend – wollen instinktiv zum kleinen Teich wenige hundert Meter entfernt. Eine Wanderung vom Winterquartier ins Laichgewässer. Die Tiere sind von Ende Februar bis Mitte April unterwegs. Das Problem: Dazwischen liegt die Straße Hogenkamp. Dort lauert die größte Gefahr für die Tiere: Autofahrer. Deswegen bauen die Tierschützer einen etwa 300 Meter langen Zaun mit einer Plane.

Rainer Reischuck möchte für den Umweltschutz in Pinneberg sensibilisieren.
Rainer Reischuck möchte für den Umweltschutz in Pinneberg sensibilisieren. Foto: Kira Oster
 

Die Kröten können so nicht auf die Straße hüpfen. Stattdessen plumpsen sie in Plastikeimer, die dafür im Abstand von etwa zehn Metern in die Erde eingelassen werden. „Jeden Morgen zwischen sechs und halb sieben Uhr kommt dann einer unserer Helfer, sammelt die Tiere ein und lässt sie auf der anderen Straßenseite wieder frei“, erklärt Reischuck. 2016 wurden auf diese Weise 1678 Erdkröten in Sicherheit gebracht.

Erdkröten haben braunschwarze, mit Warzen überzogene Haut und sind damit perfekt in ihrer Umgebung getarnt. Vor Fressfeinden mag das schützen, vor Autos nicht. Aber die glitschigen Amphibien mit den goldfarbenen Augen sind nicht die einzigen Tiere, die in den Auffangeimern landen. 260 gerettete Frösche und Molche hat der Verein für vergangenes Jahr verzeichnet. So viele wie noch nie. „Die Zunahme dieser Arten spricht für eine hohe Qualität des gesamten Lebensraumes der Rahwisch-Niederung“, weiß Reischuck.

Doch diesen wertvollen Lebensraum rund um den Teich sieht der Pinneberger als bedroht. „Ich habe Angst, dass dieser Naturraum – und es ist einer der letzten seiner Art in Pinneberg – zerschlagen und hier gebaut wird.“ Dabei gehe es ihm nicht nur um die Kröten und andere Tiere. Auch der stadtnahe Erholungsraum sei wichtig. „Es ist eine kommunale Verpflichtung, sich Gedanken um eine ausgewogene Nutzung und Entwicklung letzten Stadtgrüns zu machen“, appelliert Reischuck an die Stadt.

Pinneberg selbst hatte sich von 1991 bis 1995 im Artenschutz am Hogenkamp geübt – mit mäßigem Erfolg. „Die Zahl der geretteten Amphibien stand nicht im Verhältnis zum Aufwand“, sagt Reischuck. Gerade mal 17 Kröten seien zuletzt im Jahr 1995 von der Stadt gezählt worden. 1996 stellte sie keinen Zaun mehr auf. 1997 übernahm das Umwelthaus die Arbeit.

 

Warum ist es Reischuck so wichtig, diese Tiere zu retten? „Die Art ist zwar noch nicht existenzbedroht“, sagt Reischuck, „aber für mich ist das auch eine ethische Frage. Jede Art sollte genauso die Berechtigung dazu haben zu leben, wie wir auch“, so der 63-Jährige. Auch wenn die Kröten derzeit nicht vom Aussterben bedroht sind, sie sollen es auch nicht werden. Spielen sie doch eine wichtige Rolle für das Ökosystem: „Für die Landwirtschaft sind sie bedeutend“, betont Reischuck. Würden die Landwirte mehr Knicks und andere Bereiche für Erdkkröten pflegen, müssten weniger Pestizide zur Schädlingsbekämpfung genutzt werden. Stattdessen würden die Kröten die Insekten fressen.

 „Würden wir mehr im Einklang mit der Natur leben, hätten wir weniger Ärger“, urteilt Reischuck, der auch eine mögliche Elbvertiefung kritisiert. Viele Vogelarten seien bereits jetzt vom Aussterben bedroht, weil sie aufgrund veränderter Bewässerungsverhältnisse und anderer Eingriffe in die Natur ihren Lebensraum verlieren.

Der Krötenzaun wird dieses Jahr am Sonnabend, 25. Februar, am Hogenkamp errichtet. Eingeladen sind ab 10 Uhr freiwillige Helfer und Interessierte. Es gibt heiße Getränke. Für April plant Reischuck außerdem eine Veranstaltung, die über die 20-jährige Entwicklung und die Amphibien informieren soll.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen