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Kreis Pinneberg : Umstrittene Filmvorführung über einen „Wunderheiler“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Bruno Gröning Freundeskreis plant Filmvorführungen und Vorträge. Ein Sekten-Experte warnt. Gröning-Jünger verdienen Millionen.

shz.de von
erstellt am 10.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Ein Film, der Menschen heilt? Das verspricht zumindest der Bruno Gröning Freundeskreis, der mehrere Veranstaltungen im Kreis Pinneberg plant. Im Golfpark Pinneberg soll am Sonntag, 29. März, Sonntag, 12. April, und Sonntag, 17. Mai, der Dokumentarfilm „Das Phänomen Bruno Gröning“ gezeigt werden, der sich mit dem vermeintlichen Wunderheiler auseinandersetzt, der in den 1950er Jahren laut Werbeflyer „durch seine außergewöhnlichen Heilerfolge weltbekannt“ war. Die Unterzeile des Dokumentarfilms lautet: „Es gibt kein Unheilbar – Gott ist der größte Arzt!“ Zudem ist im Sportlife-Hotel in Elmshorn eine Vortrag des Vereins mit dem Thema „Hilfe und Heilung auf geistigem Weg“ geplant.

Wer sich die Texte auf dem Werbeflyer einmal genauer ansieht, kann stutzig werden: „Viele Zuschauer berichten, wie sie beim Anschauen des Films plötzlich eine Kraft, ein Kribbeln, ein Strömen im Körper wahrgenommen haben. Für die meisten eine völlig neue Erfahrung. Einige berichten sogar vom Verschwinden von Schmerzen, Behinderungen und anderen Leiden.“ Wissenschaftlich belegt seien diese „Wunder“ durch die Medizinisch-wissenschaftliche Fachgruppe (MWF) unter der Leitung des Arztes Matthias Kamp, die dem Freundeskreis sehr nahe stehen soll. Die Angaben über die Zahl der bei der MWF mitwirkenden Ärzte schwanken zwischen einigen Dutzend und einigen Hundert. Insgesamt soll die MWF im Moment 4000 Mitglieder zählen. Eine Mitgliederliste gibt es aber nicht. Auch der Verein wollte auf Anfrage dieser Zeitung keine Angaben zur MWF oder der Heilwirkung des Films machen.

„Der Bruno Gröning Freundeskreis gehört mit seiner Lehre in den Bereich fragwürdiger Geistheilergruppen“, heißt es auf dem Informationsportal Sektenwatch, das aktuelle Informationen zum Thema Sekten, Psychogruppen und Gurubewegungen sammelt. Die katholische Kirche habe die Organisation als Sekte oder sektenähnlich eingestuft. Laut Pfarrer Eduard Trenkel, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldek, warnt: „Unerklärliche Heilerfolge einseitig dem Wirken Bruno Grönings zuzuschreiben, ist weder glaubwürdig noch beweisbar. Die Bindung eines Heilerfolgs an das Meiden aller negativen Einflüsse führt in der Praxis immer wieder zum Bruch sozialer Beziehungen bis in die Familien hinein“, sagt der Experte.

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„Der Bruno Gröning Freundeskreis gehört
mit seiner Lehre in den Bereich
fragwürdiger Geistheilergruppen.“

Eduard Trenke
Sekten-Experte
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Autorin Christa Eich hat in ihrem Buch „Bruno Gröning führt uns zum lieben Gott“, das im Grete Häusler-Verlag erschienen ist, der wiederum von einer Anhängerin Grönings gegründet wurde, folgende Heilerfolge zusammengetragen: Hilfe bei Eheproblemen, Unterstützung bei der Wohnungssuche und von Arbeitsplätzen, Schutz vor Verkehrs- sowie Haushaltsunfällen, macht erblindete Fischaugen wieder sehend, befreit Gurken von Spinnmilben, belebt welke Kirschbäume oder repariert verzogene CD-Laufwerke. Das ist nur ein Auszug aus der langen Liste der Taten des vermeintlichen Wunderheilers, der 1959 starb.

Dennoch sollen die von ihm propagierten „Heilströme“ auch heute noch wirken. Durch Anwendung eines von Gröning übersandten Gegenstands. Vor allem Abbilder des Mannes sollen die Heilströme fließen lassen. Besonders effektiv sollen Abzüge der Originalnegative sein – erhältlich im Grete Häusler-Verlag. Der Erwerb dieser Bilder soll – zu diesem Ergebnis kam die Recherche dieser Zeitung – bei Beginn der Mitgliedschaft notwendig sein. Der Verein teilte indes auf Anfrage mit, dass weder der Kauf der Bilder verpflichtend sei, noch Mitgliedschaften im Freundeskreis angeboten würden. Auf weitere Fragen wollte er nicht antworten.

Veranstalter: Wenn es eine Sekte ist, würden wir absagen

Mehr als 30.000 Menschen sollen in den 1950er Jahren täglich zum Wohnsitz von Bruno Gröning nach Herford gepilgert sein. So viele Besucher dürfte es im Golfpark Weidenhof in Pinneberg und dem Sportlife-Hotel in Elmshorn, die vom Bruno Gröning Freundeskreis für drei Filmvorführungen und zwei Vorträge gemietet wurden, nicht sein. Wenn die fünf geplanten Veranstaltungen überhaupt stattfinden.

„Wenn es eine Sekte ist, würden wir die Veranstaltung absagen“, sagte Sportlife-Hotelleitung Claudia Pedro gegenüber dieser Zeitung. Dies sei aufgrund der Allgemeinen Geschäftsbedingungen möglich. „Wir wollen so etwas nicht fördern“, sagte Pedro auf Nachfrage und ergänzte: „Da es ein Verein ist, haben wir uns keine Gedanken gemacht.“

Auch Marie Isabel Porrmann, Veranstaltungsmanagerin im Golfpark Weidenhof, wolle die Einstufung des Vereins als zumindest sektenählich prüfen. Im Vorfeld habe die Veranstaltungsmanagerin keine Bedenken gehabt. Erst, als sie die Werbeflyer sah. „Ich habe aber Nichts vorliegen, was definiert, dass es sich um eine Sekte handelt“, sagte sie. Und solange gelte: Gebucht ist gebucht.

Bruno Gröning wurde als Bruno Grönkowski am 30. Mai 1906 in Danzig geboren. Seine Eltern wurden damals als „strenggläubig-katholisch“ beschrieben. Nach fünf Jahren Volksschule begann Gröning mehrere Ausbildungen, von denen er keine abschloss. Er verdiente sein Geld als Gelegenheitsarbeiter. 1949 soll er erstmals eine Frau geheilt haben. Fortan strömten Heilungssuchende zu seinem Wohnort nach Herford. Er habe dann ohne Gegenleistung „geheilt“. Aber: Acht Mitarbeiter sollen die Spenden, die täglich per Post ankamen, bearbeitet haben. 1952 wurde Gröning die Arbeit als Heilpraktiker untersagt. Die beantragte Zulassung wurde am 12. August 1953 „mangels Eignung“ abgelehnt. Fortan reiste Gröning als Referent herum und hielt Vorträge, die von dem sogenannten Freundeskreis organisiert wurden. 1955 wurde er schließlich wegen Verstößen gegen das Heilpraktikergesetz angeklagt. Zudem wurde ihm die fahrlässige Tötung eines 17-jährigen, lungenkranken Mädchens zur Last gelegt, das auf Grönings Anraten der klassischen Medizin abgeschworen hatte. Er wurde zu einer Strafe von acht Monaten auf Bewährung sowie zu 5000 D-Mark Geldstrafe verurteilt. 1959 starb Gröning in Paris an Krebs. Der Grete Häusler-Verlag, der seinen Nachlass verwaltet, publiziert derzeit mehr als 170 Bücher, CDs und Videos rund um den „Wunderheiler“. Bilanzgewinn 2013 laut Bundesanzeiger: mehr als eine Million Euro.
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