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Im Interview : Uli Tondorf vom Verein AKJS über Digital Natives, Medienregelung an Schulen und Freizügigkeit im Internet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Experte plädiert für eine bewussten Umgang statt eines Kontrollverlustes.

von
erstellt am 25.Mai.2016 | 10:02 Uhr

Elmshorn | Uli Tondorf ist vom Verein Aktion Kinder- und Jugendschutz (AKJS). Der Sozialpädagoge hat einen Masterabschluss in Medienerziehung und hält Vorträge zum Beispiel zum Thema „...und die ganze Welt muss es wissen?! Warum Jugendliche sich im Internet veröffentlichen.“ Im Interview erklärt er, wieso Datenschutz überhaupt wichtig ist und wann das Verschicken von Nacktbildern okay ist.

Der Begriff Digital Natives wird oft für Jugendliche, die in der digitalen Welt aufwachsen, verwendet. Was halten Sie von dieser Bezeichnung?
Uli Tondorf: Ich finde sie schwierig. Wenn man erstmal nur das „Reingeboren in eine digitale Welt“ damit bezeichnen möchte, stimmt das. Aber das impliziert eben nicht, dass man damit umgehen kann. Schließlich muss man immer lernen, mit seiner Umwelt umzugehen, auch wenn man hineingeboren wird. Wir alle müssen in der digitalen Zeit lernen, Medien zu nutzen – und das  gelingt  nicht immer. Für Jugendliche sind digitale Medien eben von Anfang an da, für Erwachsene kommt dieser Aspekt neu dazu.

Wie ist der Umgang mit Handy und Tablet in den schleswig-holsteinischen Schulen?
Soweit es mir bekannt ist, regeln viele Schulen das für sich allein. Das läuft in total unterschiedlichen Arten und Weisen ab.

Über Sinn und Unsinn von Snapchat, Youtube und Instagram lässt sich streiten. Die Medienerfahrung zwischen Erwachsenen und Jugendlichen klafft weit auseinander. Was  können beide Seiten voneinander lernen?
Die Jugendlichen können von der sozialen Lebenserfahrung der Erwachsenen lernen. Die ist auch im digitalen Handeln wichtig. Jugendliche können Dinge wie Vertrauen, Misstrauen und Hinterfragen lernen. Das kann man auch unabhängig, ob im Digitalen oder einem anderen Lebensbereich gehandelt wird, mitnehmen. Die Älteren dürfen sich hingegen gern von den Jüngeren die modernen Geräte erklären lassen.

In einem Satz: Warum ist der bewusste Umgang mit den eigenen  Daten so wichtig?
Weil man sonst vielleicht nicht mehr kontrollieren kann was damit passiert – es wäre Kontrollverlust.

Jugendliche präsentieren sich im Internet zuweilen freizügiger als auf der Straße. Wann sind die Grenzen der Außendarstellung erreicht? 
Ich würde die Grenze eher am Kommunikationskreis festmachen, als am Inhalt. Ich kann niemandem raten, ein Nacktbild von sich weiterzugeben. Aber trotzdem kann ich ein jugendliches Paar verstehen, das sich schon sehr lange kennt, aber sehr weit voneinander entfernt wohnt. Da fände ich es schwierig zu sagen: Gib bloß kein Nacktfoto weiter. So lange es in der Beziehung bleibt, ist das ja auch okay. Heutzutage gehört es vielleicht auch dazu, dass wir lernen Beziehungen so zu beenden, dass man Nacktfotos vom Expartner nicht weiterschickt. Was die Frage angeht ist also der Beziehungsaspekt eher wichtig und wann man solche Vertrauensräume verlässt.

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