Bevölkerung im Kreis Pinneberg : Ulf Dibbern: „Das Landleben braucht die Jugend“

„Auf dem Land wäscht eine Hand die andere“: Ulf Dibbern, erster Vorsitzender der Kreislandjugend Pinneberg, weiß um die Vorzüge vom Leben auf dem Dorf.
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„Auf dem Land wäscht eine Hand die andere“: Ulf Dibbern, erster Vorsitzender der Kreislandjugend Pinneberg, weiß um die Vorzüge vom Leben auf dem Dorf.

Der Vorsitzende der Kreislandjugend, Ulf Dibbern, sieht Chancen im Austausch zwischen Jung und Alt.

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11. April 2018, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kreis Pinneberg verzeichnete in den vergangenen Jahren überwiegend negative Entwicklungen. Vor allem in Gemeinden die mehr ländlich als städtisch sind.

„Viele Leute ziehen erstmal in die Metropolen. So lange sie noch jung sind, wollen sie die Welt noch sehen“, stellte Ulf Dibbern, Erster Vorsitzende der Pinneberger Kreislandjugend, fest. Allerdings kämen sie immer wieder zu ihren Wurzeln zurück, so der Elmshorner. „Die Heimatverbundenheit ist groß. Wenn Familiengründung ansteht, dann kommen viele wieder zurück in den Speckgürtel – oder sogar ins eigene Dorf“, sagte er.

Die Bevölkerung im Kreis Pinneberg wird immer älter. Laut aktuellem Bericht des Statistikamts Nord sind etwa 22 Prozent der Pinneberger 65 Jahre alt und älter. Damit hat sich die Zahl seit 2000 um sechs Prozentpunkte erhöht (2000: 16 Prozent). Erarbeitet wurde die „kleinräumige Bevölkerung- und Haushaltsprognose für den Kreis Pinneberg“ im Auftrag der Kreisverwaltung vom Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp. Demnach werden im Jahr 2030 etwa 322.000 Menschen im Kreis Pinneberg leben. Das sind zirka 18.000 mehr als im Jahr 2014; das Plus beträgt 5,9 Prozent. Im Gegensatz zu den meisten anderen Kreisen steigt laut Prognose im Kreis Pinneberg auch die Zahl der unter 20-jährigen, wenn auch nur um zwei Prozent.


Der Verein setzt sich für die jungen Leute auf dem Land ein und kümmert sich um sie. „Wir bieten in unseren Ortsablegern verschiedene Angebote, wie etwa Reisen nach Dänemark, Unterstützungen auf dem Dorffest oder Ausflüge an“, erläuterte Dibbern die Arbeit seines Vereins und seiner Vereinskollegen. „Es geht uns darum, die Jugendlichen auf dem Dorf miteinander zu verbinden und eine Gemeinschaft zu schaffen.“

Zusammenhalt

Das Thema Zusammenhalt ist für den Vorsitzenden auch das, was das Landleben so besonders macht: „Auf dem Dorf kennt man sich. Egal, ob Briefträger, Schlachter oder sonst wer – man grüßt sich.“ Dabei sei vor allem das familiäre und hilfsbereite Miteinander eine Besonderheit, die für Dibbern beispielhaft auf dem Land sei. „Wenn ich meinen Zaun erneuern will, dann bekomme ich sofort Hilfe. Eine Hand wäscht immer die andere“, so der Vorsitzende der Kreislandjugend.

Nichtsdestoweniger stehe der Elmshorner der allgemeinen Entwicklung des demografischen Wandels negativ gegenüber. „Wir müssen bei diesem Thema die Balance halten“, sagte er. Schließlich brauche die Gesellschaft den Nachwuchs. „Gerade auch im Handwerk oder in der Landarbeit brauchen wir junge Leute. Nur so kann eine gute Mischung entstehen. Die Älteren können ihr Wissen teilen und die Jungen können besser anpacken“, betonte Dibbern.

Austausch zwischen Generationen

Damit dieser „Austausch zwischen den Generationen“ weiterhin ermöglicht wird, müsse vor allem etwas für das Dorfleben gemacht werden, appellierte der Vorsitzende. „Das größte Problem ist das Wegrationalisieren der Lebensumstände. Man kauf ja auch immer den Ort mit“, kritisierte er.

Damit gemeint sei, dass es statt vieler kleiner Lebenszentren immer mehr einen großen Ballungsraum gibt, erläuterte er. „Zum Leben auf dem Dorf gehört alles dazu. Zum Beispiel sieht man das an den Schulen. Viele Gemeinden haben eine Schule gemeinsam und die Schüler müssen weite Wege auf sich nehmen, um zur Schule zu kommen“, sagte er. Für Familien sei dies immer eine Herausforderung und eine Entscheidung, umzuziehen oder nicht. „Klar kosten Schulen viel Geld. Aber auf lange Sicht wird das noch richtig teuer für uns“, so der Vorsitzende.

Von der Politik wünsche sich der Elmshorner, dass wieder die Chancen gefördert würden, Karriere und Kind vereinbar zu machen. „Dazu gehört nicht nur die Bereitstellung von Kita-Plätzen, sondern auch staatliche Förderung von Familien – schließlich brauchen wir wieder mehr Kinder.“

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