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Ex-Jugendtrainer vor Gericht : TuS Holstein Quickborn soll von Missbrauchsvorwürfen gewusst haben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern: TuS Holstein Quickborn soll zwei Jahre vor Anzeige von Vorwürfen gewusst haben.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Quickborn/Itzehoe | Vor dem Landgericht in Itzehoe ist der Prozess gegen einen Ex-Trainer des TuS Holstein Quickborn fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Zeugenaussagen legten gestern nahe, dass der Verein schon lange vor Beginn der Ermittlungen gegen den Angeklagten Hinweise auf den Missbrauch hatte.

Einer der Zeugen war Co-Trainer des Angeklagten. Während eines Trainingslagers an der Ostsee im Mai 2013 habe er den Angeklagten dabei erwischt, wie er einen der Jungen unter der Dusche einseifte, so der 52-Jährige. Ein anderes Mal sei der Trainer mit dem Jungen auf die Toilette gegangen. Zudem habe er aus Gesprächen erfahren, dass Anfang 2013 ein Junge die Mannschaft verlassen habe, weil ihm der Angeklagte zwischen die Beine gegriffen habe.

Ein zweiter Zeuge, der die Mannschaft während des Trainingscamps als Betreuer begleitete, bestätigte die Angaben. „Es hatte vor der Fahrt Gerüchte gegeben. Wir sind mitgefahren, um den Trainer im Auge zu behalten“, sagte der 49-Jährige. „Wir haben den Jungen schließlich gefragt: Hat er dich am Penis angefasst? Der Junge hat das mit ,Ja‘ bestätigt.“ Auch habe der Junge mit dem Angeklagten in einem Bett übernachten sollen. „Wir haben das mitbekommen und sind eingeschritten.“ Nach der Fahrt hätten beide den Verein informiert. Danach soll es ein Gespräch zwischen einem Vorstandsmitglied, einem Abteilungsleiter und dem Angeklagten gegeben haben. Dass der Trainer unter Beobachtung stand, schien wirkungslos zu bleiben: Im Sommer 2013 hat es am Rande eines Turniers den Zeugenaussagen nach wieder einen Übergriff gegeben.

Kopfschüttelnd nahm Staatsanwältin Dagmar Staack zur Kenntnis, dass die beiden Betreuer nach den Vorfällen während des Trainingslagers weder die Mutter des Betroffenen noch die Polizei informierten. Der 49-jährige Zeuge hatte keine Erklärung dafür. „Was hätte denn passieren müssen, damit sie zur Polizei gehen“, fragte Staack fassungslos. „Mag sein, dass wir uns falsch verhalten haben. Aber wir sind sofort zum Verein gegangen, der ist da in der Verantwortung“, sagte der Zeuge.

Der ehemalige Co-Trainer sagte: „Wir hatten keine Beweise und sind deswegen zum Wendepunkt in Elmshorn gegangen. Dort wurde uns bestätigt, richtig gehandelt zu haben.“ Das Gespräch mit der Opferhilfeorganisation habe im Sommer 2014 stattgefunden. Gleichzeitig sei eine Fahrt nach Föhr geplant worden. Deswegen habe es ein Gespräch mit dem Vorstand gegeben. Passiert sei nichts. Der zweite Betreuer sagte: „Ich kann nur vermuten, warum nicht reagiert wurde. Aber ich habe in Gesprächen herausgehört, dass es einen Personalmangel gab.“ Erst im Sommer 2015 trennte sich der Verein von dem Angeklagten.

Obwohl der heute 42-Jährige gestanden hatte, sich von 2013 bis 2015 insgesamt 16-mal an drei Jungen, damals zwischen sechs und neun Jahre alt, vergangen zu haben, wird wohl eines der Kinder in nichtöffentlicher Sitzung befragt werden. „Zwischen Anklage und Geständnis tun sich Widersprüche auf“, sagte Staack. Der Angeklagte habe bestritten, die Jungen mit Drohungen gefügig gemacht zu haben. Die Kinder hatten aber angegeben, der Trainer habe sie vom Sport und von Ausflügen ausschließen wollen, wenn sie sich nicht von ihm anfassen ließen. „Er hat zudem gesagt, bei den Taten nicht sexuell erregt gewesen zu sein. Das widerspricht einer Zeugenaussage“, sagte Staack. Sie will den Ex-Trainer von einem Experten auf pädophile Neigungen untersuchen lassen.

Der Prozess soll am kommenden Montag, 8. Februar, fortgesetzt werden.

 

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