Kreis Pinneberg : „Turnen hat keine Lobby“

Bärbel Renner
Bärbel Renner

Bärbel Renner aus Halstenbek, Vorsitzende des Kreisturnverbands, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit für ihre Sportart.

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08. November 2013, 12:03 Uhr

Wie sieht Ihre Arbeit als Vorsitzende des Kreisturnverbandes aus?
Als Vorsitzende bin ich eigentlich hauptsächlich für die Repräsentation des Verbandes zuständig. Aufgrund personeller Engpässe beschränken sich meine Aufgaben aber nicht nur darauf. Organisation von Wettkämpfen, Kontakte zu den Vereinen sowie zum Kreissportverband und dem Schleswig-Holsteinischen Turnverband – ich bin in inzwischen in fast allen Bereichen tätig.

Wie kamen Sie zu dieser Aufgabe?
Ich selbst hatte mit Turnen früher nicht besonders viel zu tun. Die Verbindung entstand durch meinen Mann, der schon seit ewigen Zeiten Trainer beim Rellinger Turnverein ist. Zum Kreisturnverband kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Da jemand im Vorstand fehlte, wurde ich gefragt, ob ich Kassenwartin werden möchte. Danach wurde ich stellvertretende und 2002 sogar erste Vorsitzende.

Was bedeutet Ihnen die Arbeit für den Turnverband?
Sie bringt mir riesigen Spaß. Seitdem ich die Aufgabe übernommen habe, kommt das Wort „Langeweile“ nicht mehr in meinem Wortschatz vor. Ein Sprichwort sagt: „Wer nicht selbst brennt, kann auch kein Feuer entfachen.“ Dieses Motto versuche ich für meine Arbeit zu beherzigen.

Wie verlief die Entwicklung des Verbands in den vergangenen Jahren?
Momentan haben wir rund 20 000 Mitglieder. Im vergangenen Jahr ist die Zahl erstmals seit langer Zeit wieder leicht angestiegen. Davor war der Trend eher rückläufig. Ich glaube aber nicht an einen dauerhaften Aufschwung. Wie allen anderen Sportarten auch schadet uns die Ganztagsschule. Kinder und Jugendliche haben kaum noch Zeit, im Verein aktiv zu sein. Erfolge wie die von Fabian Hambüchen geben zwar einen kurzfristigen Schub, ändern aber auf Dauer nichts an den Problemen.

Steckt das Turnen in der Krise?
Das Turnen hat keine Lobby. Im Fernsehen sind höchstens mal kurze Ausschnitte von Welt- oder Europameisterschaften zu sehen. Selbst deutsche Titelkämpfe werden komplett ignoriert. Auch in den Zeitungen reicht es bestenfalls für kurze Meldungen. Das finde ich sehr schade. Etwas mehr Aufmerksamkeit würde sicherlich helfen, die Nachwuchsprobleme zu verringern.

Was ist das Faszinierende am Turnen?
Turnen ist die Wiege des Sports und schult Koordination, Beweglichkeit und Ausdauer. Gute Turner haben deshalb optimale Voraussetzungen, um auch in anderen Sportarten erfolgreich zu sein. Zudem entwickelt sich unser Sport ständig weiter und hat nichts mehr mit den alten Zeiten von Turnvater Jahn zu tun.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Es wäre schön, wenn wir zusätzliche Helfer gewinnen könnten. Egal, ob im Vorstand oder bei der Vorbereitung von Projekten oder Lehrgängen – wir brauchen in allen Bereichen Unterstützung. So müssen wir aktuell beispielsweise damit zurechtkommen, dass unser Oberturnwart zurückgetreten ist.

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