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Großer Deal für kleines Geld : Trotz Schulden - Pinneberg verschachert das Kasernengelände

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Laut eines Gutachtens wurde die Fläche unter Wert verkauft. Jetzt laufen Ermittlungen.

Pinneberg | Die Stadt Pinneberg ist hoch verschuldet. Das allerdings hat Bauamtschef Klaus Stieghorst anscheinend nicht daran gehindert, sieben Hektar Fläche auf dem ehemaligen Eggerstedt-Kasernengelände für 1,4 Millionen Euro an die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) zu verkaufen. Ein von der Itzehoer Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt jetzt: „Der Wert der Flächen ist erheblich höher als der Verkaufspreis“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen. Jetzt müsse geklärt werden, ob Stieghorst mit Vorsatz gehandelt habe. Damit steht auch der Verdacht der Untreue gegen den Bauamtschef weiter im Raum. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren, sollte er schuldig sein. 

Den Stein ins Rollen gebracht hatte im April der Pinneberger Bauunternehmer Hans Hubertus von Stosch. Er hatte den Verdacht, dass der Verkaufspreis der Flächen zu niedrig sei und stellte Strafanzeige. Den wahren Wert schätzt er auf acht Millionen Euro.  

„Die nächste Frage ist: Wie konnte es zu der Wertdifferenz kommen?“, sagte Dreeßen. Stieghorsts Anwalt habe bereits Akteneinsicht und  vier Wochen Zeit, sich zu dem Gutachten zu äußern. Für die LEG war der Kauf wohl ein Riesen-Schnäppchen: Die Quadratmeterpreise für das Bauland auf dem Eggerstedt-Gelände liegen zwischen 290 und 350 Euro. 

Von Stosch sieht zwar Stieghorst als den Schuldigen, Tatsache ist aber auch, dass Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) und die Mehrheit der Pinneberger Ratsversammlung dem Deal mit der LEG zugestimmt hatte und über den Verkaufspreis informiert war. Deswegen schließt der Oberstaatsanwalt auch nicht aus, in dieser Angelegenheit weitere Zeugen zu befragen.

Dreeßen redete Klartext: „Wir müssen abwarten, ob sich aus der Aussage des Beschuldigten Stieghorst Hinweise auf möglicherweise weitere Personen insbesondere Amtsträger ergeben.“

Die Stadt wollte gestern keine Stellungnahme zu dem Gutachten abgeben: „Aufgrund des laufenden Verfahrens werden wir uns auch weiterhin nicht öffentlich äußern“, sagte Marc Trampe, Sprecher der Verwaltung.

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erstellt am 27.Aug.2015 | 10:00 Uhr

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