Versorgung in der Region Pinneberg : Trend geht zur Versandapotheke

Stadtapotheken wie die Pinneberger Flora Apotheke gibt es noch häufig, doch was passiert mit ländlichen Betrieben?
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Stadtapotheken wie die Pinneberger Flora Apotheke gibt es noch häufig, doch was passiert mit ländlichen Betrieben?

Jeder zweiten Apotheke droht laut einer Studie das Aus / Onlinehandel und fehlender Nachwuchs machen den Betrieben zu schaffen

shz.de von
05. Januar 2018, 14:00 Uhr

Pinneberg | Gibt es in Zukunft kaum noch Apotheken im Kreis Pinneberg? Laut einem vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Gutachten steht es ziemlich schlecht um die Betriebe. Der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) liegt diese noch unveröffentlichte Studie vor. Die Zeitung schreibt in einem Artikel, „dass annähernd jede zweite der knapp 20 000 deutschen Apotheken in ihrem Bestand gefährdet ist, weil sie zu wenig Geld abwirft“. Des Weiteren wird die Schließung von 7600  Apotheken als „mittelfristig wahrscheinlich“ bezeichnet.

Einer, der dieser Studie wenig abgewinnen kann, ist Christoph Schostek. Der Kreisapotheker im Kreis Pinneberg sagt: „Die Studie wirft Fragen auf.“ Zahlen und Statistiken hätten den Apothekerverband und das Bundeswirtschaftsministerium vor allem an deren Richtigkeit zweifeln lassen, weshalb das Gutachten auch noch nicht veröffentlicht sei. Auf Anfrage unserer Zeitung, bestätigte das Bundeswirtschaftsministerium lediglich, dass das Gutachten in Auftrag gegeben wurde, aber zum Inhalt noch nichts gesagt werden könne, da die Studie auch noch nicht abgeschlossen sei.

Doch wie ist die Lage der Apotheken im Kreis Pinneberg? „Das ist sehr unterschiedlich“, erläutert Schostek und ergänzt: „Fünf bis sechs Apotheken geht es gut, beim Rest sieht das schon etwas anders aus.“ Vor allem der Online-Versandhandel von Medikamenten, die nicht verschreibungs- und versicherungspflichtig sind, mache den Fachgeschäften zu schaffen. „Den Apotheken fehlt der Zulauf“, stellt Schostek klar. „Das tut den Apotheken natürlich weh, da werden in Zukunft einige dicht machen müssen.“ Das machen auch die Zahlen der Apothekerkammer Schleswig-Holstein deutlich: Gab es vor zehn Jahren noch 80  Apotheken im Kreis, sind es im Jahr 2017 nur noch 70.

Stichwort „fehlender Zulauf“: den haben die Apotheken auch beim Nachwuchs. Niedergelassene Apotheker oder Ärzte würden immer älter werden. „Es kommt aber niemand nach, vor allem im ländlichen Bereich“, beklagt Schostek. Das liege auch an der geringen Zahl an Studienplätzen. „In Hamburg gibt es 40 Studienplätze, aber etwa 400 Apotheken und 100 Studienplätze bei 676 Apotheken in Schleswig-Holstein – da kann man selber nachrechnen, dass das nicht aufgeht“, erläutert Schostek.

Sind die Apotheken also noch zu retten? Im Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums wurde laut FAZ errechnet, dass für den Erhalt aller Apotheken zusätzliche Kosten in Höhe von drei Milliarden Euro anfallen würden. Eine Alternative, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wäre ein mit 100  Millionen Euro dotierter Fonds, der die mittelfristig gefährdeten Apotheken unterstützen soll. Die dennoch zu erwartenden Schließungen würden die Lage der verbliebenen Apotheken verbessern. So kann es laut Gutachten nicht das Ziel sein, „voll ausgestattete Apotheken mit täglicher Öffnungszeit an Orten zur Verfügung zu stellen, in denen weder Ärzte verfügbar sind noch Lebensmittel eingekauft werden können“. Die Gutachter empfehlen vor diesem Hintergrund „Botendienste von Vor-Ort-Apotheken“ und „Lieferungen von Versandapotheken“. Schostek bleibt bei dem Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums skeptisch, sagt aber: „Die Probleme der Apotheken sind nicht von der Hand zu weisen.“

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