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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 14:26 Uhr

Bokel : Traditionelles Abfisch-Spektakel

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Mehrere tausend Besucher kamen. 100 Zentner Grätentiere aus dem Wasser geholt.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Bokel | „Der kommt heute Abend noch in den Kochtopf.“ Angela und Volker Hoppe waren sehr zufrieden. Wie jedes Jahr hatten sie am Verkaufstresen auch dieses Mal ein Prachtexemplar von Karpfen erstanden. „Das ist ein Fünfpfünder, den essen wir klassisch als Karpfen blau“, freute sich das Ehepaar. Dazu ein Glas Wein, nach dem Schmaus einen „Verteiler“ in Form von hochprozentigem Schnaps – die Elmshorner kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus.

Das Ehepaar gehörte zu den mehreren tausend Besuchern, die am Wochenende zum traditionellen Abfischen des Bokeler Sees in die kleine Gemeinde im Norden des Kreises strömten. Die Veranstaltung hat sich längst zu einer touristischen Attraktion und einem kleinen Volksfest entwickelt. Vor allem Fischliebhaber, die sich mit frisch gefangenen Grätentieren versorgen wollen, kommen nach Bokel. Dazu zählen auch Bernd und Jutty Tempelmann, die mit ihren Enkeln Marty, Henry und Lenny auf dem Areal am See unterwegs waren. Der drei Kilogramm schwere Karpfen, den sie erstanden hatten, lag bereits im Kofferraum ihres Autos. „Wir wollen ihn heute Abend verspeisen, gemeinsam mit unseren Enkeln“, sagte das Pinneberger Ehepaar.

Teichwirt Rainer Erich, der mit seiner Familie das Hotel und Restaurant „Bokel-Mühle“ betreibt, hatte für das Abfischen wieder ein etwa 20-köpfiges Helfer-Team engagiert. „Viele von ihnen sind seit Jahrzehnten dabei. Mittlerweile helfen auch ihre Kinder und Enkel mit“, freute sich Erich. Hagen Bohn (25) aus Osterhorn war bereits als 15-Jähriger mit von der Partie – und hat in Bokel „Karriere“ gemacht. „Ich fing als Schreiber an und durfte die Gewichte der Fische notieren. Anschließend musste ich die Tüten für die Kunden aufhalten, dann kam ich zum Sortiertisch. Seit vier Jahren halte ich am Abfluss das Netz fest, und heute darf ich einmal die Fische auf die Waage legen“, schmunzelte der Osterhorner.

Bereits Ende September wurde damit begonnen, das Wasser des 20 Hektar großen Sees in den Forellenbach, der extra um das Gewässer geleitet wurde, abzulassen. „Das muss sehr vorsichtig passieren, damit die Fische in den Bach flüchten können und nicht plötzlich auf dem Trockenen zappeln“, erläuterte Erich. Insgesamt etwa 100 Zentner Karpfen, Schleie und Forellen sammeln sich in einem Abfluss, dem so genannten Mönch, und werden dort von den Helfern mit Keschern aus dem Wasser geholt. Anschließend geht es entweder direkt zur Schlachtbank oder zur Zwischenlagerung in einen Hälterteich.

Auf einem Bauernmarkt boten Landwirte aus der Region ihre Erzeugnisse an. Wer sich bereits jetzt mit Adventsschmuck versorgen wollte, fand an mehreren Ständen eine reichhaltige Auswahl vor. Für Kinder war ein Karussell aufgebaut worden. Zu den kulinarischen Angeboten gehörten Erbsensuppe, Kaffee, Kuchen, Wein, Käse und Süßspeisen.

Das Medieninteresse am Abfisch-Spektakel ist mittlerweile riesengroß: Außer dem NDR kommen jetzt auch RTL und das ZDF zur Berichterstattung. „Der Karpfen hat einen enormen Bekanntheitsgrad bekommen, nachdem Starkoch Tim Mälzer den Fisch in einer seiner Sendungen gelobt hat“, so Erich. Besonders stolz ist der Teichwirt auf seine neueste Errungenschaft in der Restaurantküche: einen „Grätenschäler“. Mit dem Gerät können die zuvor filetierten Fische jetzt mühelos von ihren Gräten befreit werden.
 

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