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Totes Baby: Kein Fremdeinwirken als Ursache

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Itzehoe | Gestern ist im Landgericht Itzehoe der Prozess gegen die 22-jährige Corina S. fortgeführt worden. Ihr wird vorgeworfen, im Frühjahr 2012 einen Jungen geboren zu haben und sich dann nicht um ihn gekümmert zu haben - in Kauf nehmend, dass dieser stirbt. Am 5. Mai des vergangenen Jahres wurde der tote Säugling in einer Scheuen in Seestermühe gefunden.

Nachdem die Angeklagte während der ersten zwei Prozesstage geschwiegen hatte, äußerte sie sich gestern nach den Aussagen der Gutachter und ließ ihren Anwalt eine Einlassung verlesen. S. erklärte darin, durch die für sie unerwartete Geburt "überfordert" gewesen zu sein und bis heute erheblich unter dem Tod des Kindes zu leiden. An das, was sie gemacht habe, nachdem sie feststellte, dass das Kind nicht mehr lebte, könne sie sich nicht erinnern.

Fest steht jedoch: Corina S. ist die Mutter und hat nicht aktiv zum Tod des Kindes beigetragen. Rechtsmediziner Professor Klaus Püschel sagte gestern als Sachverständiger aus, dass die Obduktion ergab, dass der Säugling bei der Geburt nicht genug Sauerstoff bekam. Dieser käme in Verbindung mit der Tatsache, dass der Junge nicht unter medizinischer Aufsicht geboren wurde, als Todesursache infrage. In einem Krankenhaus hätte man das Kind versorgen können, doch so sei es innerhalb von zehn bis 20 Minuten gestorben, wie eine Untersuchung der Lunge ergab. Hinweise auf eine andere Todesursache habe Püschel nicht finden können. Weder habe der Säugling Fehlbildungen gehabt, noch sei er zu früh auf die Welt gekommen. Auch die Verletzungen, die am Gesicht des Kindes festgestellt wurden, entstanden erst nach dessen Tod, vermutlich durch ein Tier, wie der Rechtsmediziner sagte.


Schuldfähigkeit bleibt weiter ungewiss

Ob S. den Sauerstoffmangel hätte erkennen können, wusste Püschel nicht. Ein Arzt hätte diesen sicherlich erkannt und entsprechend gehandelt, doch im Fall des Babys von Seestermühe ließe sich nicht einmal sagen, ob das Kind überlebt hätte, wenn S. direkt nach der Geburt den Notruf gewählt hätte.

Inwiefern S. nach der Geburt schuldfähig war, konnte bislang nicht geklärt werden. "Ich sehe mich nicht in der Lage, zur Schuldfähigkeit Angaben zu machen, da ich die Angeklagte nicht befragen konnte und mir eine Einschätzung aus der Aktenlage unmöglich ist", sagte der psychiatrische Sachverständige Professor Arno Deister. Er informierte das Gericht aus diesem Grund allgemein über negierte Schwangerschaften und Schockzustände, ohne auf die Angeklagte Bezug zu nehmen. Demnach sei es möglich, dass eine Frau ihre Schwangerschaft verdränge. Ob das auf S. zutrifft, könne er nicht sagen. Ein Urteil wird bei der Prozessfortsetzung am 9. September erwartet.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 03:14 Uhr

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