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Pinneberger Tageblatt

24. August 2017 | 01:41 Uhr

Ausgehen im Kreis Pinneberg : Tote Hose

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Kaum Veranstaltungen, wenige Treffpunkte und fast kein Nachtleben: Wie attraktiv ist der Kreis Pinneberg für Jugendliche eigentlich noch?

Ich wohne in Wedel. Eine hübsche, kleine Stadt. Familienfreundlich, ruhig, ein Ort zum Wohlfühlen. Als ich jünger war, reichte es mir, mit Freunden durch die Wedeler Innenstadt, zu bummeln, ein Eis zu essen und vielleicht im Schreibwarengeschäft vorbeizuschauen. Mit 12 Jahren unternahm ich meine erste „richtige“ Shoppingtour in Hamburg mit Freunden und mir fiel auf, dass Hamburg ein viel größeres Angebot an Einkaufs -und Unterhaltungsmöglichkeiten bietet. Aus den seltenen, aufregenden Wochenendausflügen in die Innenstadt mit der ganzen Familie wurde schnell eine Gewohnheit.

Inzwischen ist es normal für mich, zum Shoppen nach Hamburg zu fahren. Als dann mit 17 langsam das Ausgehen am Wochenende anfing, merkte ich schnell, dass auf dem Kiez gut gefeiert wird. Wedels Clubs verloren an Attraktivität. So wie mir geht es vielen Jugendlichen im Kreis Pinneberg. Die große Stadt lockt, längst ist Hamburg Zentrum der Unterhaltung und für Veranstaltungen geworden. Aber was genau ist für die Teenager eigentlich so attraktiv an der Hansestadt?

Grundsätzlich kann man es wahrscheinlich so zusammenfassen wie die 19-jährige Ilona aus Pinneberg: „Da ist einfach mehr los.“ Die Innenstadt mit ihren zahlreichen Läden und vielfältigen Möglichkeiten ist ideal für einen ausgedehnten Einkaufsbummel. Im Kreis Pinneberg fahren alle befragten Jugendlichen nach Hamburg, da ihnen in ihrer Stadt die Auswahl zu gering ist. Die meisten vermissen die Angebote, die sie in Hamburg finden. In Pinneberg gibt es weder das amerikanische Trendlabel „Abercrombie“, noch einen fünfstöckigen „Saturn“. Die Rathauspassage in der Fußgängerzone in Pinneberg reicht, um mal eben ein paar Schuhe oder Bücher zu kaufen, für die richtigen Shoppingtouren genügt es aber vielen nicht.

Dasselbe sagen auch die Jugendlichen aus Wedel, die außer dem gerade eröffneten „C&A“ keine Möglichkeit haben, in Wedels Innenstadt Klamotten zu kaufen. Die 17-jährige Denise aus Uetersen ist ebenfalls unzufrieden mit dem Angebot in ihrer Stadt: „Shoppen kann man in Uetersen eigentlich gar nicht, wir fahren immer nach Elmshorn.“

Kiez gegen Kreis, wo feiert man besser?

Elmshorn scheint offenbar die einzige Ausnahme zu sein. Mit der relativ belebten Innenstadt und dem Randgebiet mit „Media Markt“ und dem „Cineplex“-Kino gibt es im Kreis Pinneberg zumindest eine Stadt, die versucht, mit Hamburg mitzuhalten. Aber den Elmshorner Jugendlichen ist das auch noch nicht genug. „Ich wünsche mir mehr Auswahl beim Shoppen, obwohl Elmshorn sich schon bemüht.“, sagt die 16-jährige Lea. Gerade eröffnete ein „H&M“ mitten in der Elmshorner Innenstadt, ein Schritt in die gewünschte Richtung.

„In der Königsstraße stehen so viele Läden leer, wir bekommen schon wieder einen neuen Bäcker, wie wäre es stattdessen mit einem weiteren Klamottenladen?“, fragt sich Maylin (15). Man merke auch den Unterschied zu den Filialen in Hamburg bezüglich Größe und Angebot. Es ist natürlich schwierig, für kleine Städte, die Möglichkeiten einer Großstadt zu bieten und man sollte mit unserem Kreis ein Nachsehen haben. Die Jugendlichen bleiben jedoch dabei: „Wir brauchen mehr Shops!“ (Marie, 18, aus Wedel)

Am Wochenende möchte man feiern, sich mit Freunden treffen und einfach Spaß haben. Dafür ist Hamburg natürlich ideal. Allein der Kiez verspricht schon einen aufregenden Abend. Können die Städte im Kreis Pinneberg da noch mithalten? Auch hier fällt das allgemeine Meinungsbild eher negativ aus. Hamburg ist einfach zu verlockend.

„Wir haben in Elmshorn eigentlich nur einen Club und das ist zu wenig.“, findet Lea. Ähnlich sieht die Situation in Pinneberg und Wedel aus. Wedel hat zwei Clubs, das „Shooters“ und das neu eröffnete „W1“, ein sehr großer Club. „Es ist zwar ab und zu ganz gut, aber ich will beim Feiern auch neue Leute kennenlernen und das geht einfach besser in Hamburg.“, findet Fenja (18) aus Wedel.

Für die Uetersener sieht der Freitagabend noch trister aus. „Wir feiern eigentlich nur in Wedel und Elmshorn, wir haben in Uetersen keine richtigen Clubs.“, sagt Denise. Das Partyleben wartet in Hamburg. Wenn man dann aber auf dem Kiez feiert, wartet gleich das nächste Problem. Wie komme ich nachts nach Hause? „Die Bahnverbindungen von Elmshorn nach Hamburg sind relativ gut, könnten aber besser sein.“, finden Maylin und Lea.

In diesem Punkt stimmen den beiden auch die Pinnebergerinnen Ilona und ihre Freundin (18) zu: „Feiern in Hamburg ist gut, weil die Bahn größtenteils auch die gesamte Nacht über fährt.“ Wedeler und Uetersener sind da eher unzufrieden. Die S-Bahnen nach Wedel legen von 0.30 bis 4.30 Uhr eine Pause ein, es fährt zwar ein Nachtbus, der braucht jedoch länger. „Von Uetersen nach Hamburg finde ich die Bahnverbindungen sehr schlecht, deswegen kann man fast nie in Hamburg feiern“, sagt Denise.

Es fahren weder Bahnen noch Busse nachts von Hamburg nach Uetersen, für die Jugendlichen bleib keine Chance, in Hamburg zu feiern, außer man übernachtet bei Freunden. Ansonsten bleibt nur das Auto, was auch mit Schwierigkeiten verbunden ist. Vorausgesetzt die Jugendlichen haben ein Auto, was auch eher die Ausnahme ist, bleiben die Probleme, einen Parkplatz zu finden und beim Feiern auch mal den Drink wegzulassen.

Man bleibt abends also auch eher mal in seiner Stadt. Da tritt allerdings wieder das, von den Jugendlichen genannte Problem auf: „In Pinneberg ist einfach nichts los.“

Doch was wünschen die Jugendlichen sich für ihre Stadt, damit „mehr los ist“? „Treffpunkte und Veranstaltungen“ lautet die allgemeine Antwort aller befragten Jugendlichen. Uetersen hat das Burgkino. „Allerdings ist auch die einzige Unterhaltungsquelle.“, klagt Denise. „Ich wünsche mir mehr Konzerte von regionalen Bands, wie in Elmshorn.“

Ein Kino ist schon Luxus

Lea und Maylin aus Elmshorn sind bedingt zufrieden: „Uns fehlt ein Club, aber die Konzerte, die hier sind, sind gut. Im „Jim Coffey“, können wir uns auch tagsüber treffen.“ In Uetsersen trifft man sich höchstens in der Tanzschule. „Wir brauchen einen Ort, um auch mal was zu unternehmen“, sagt Denise.

Ein Kino ist allerdings schon ein Luxus, den Wedel und Pinneberg nicht bieten können. In beiden Städten gab es vor längerer Zeit ein Kino, doch seit diese geschlossen wurden, hat sich noch kein neuer Kinobetreiber entschließen können, neue zu eröffnen. Viele junge Menschen aus Wedel wünschen sich ein Kino, um sich die Fahrtkosten nach Hamburg sparen zu können. Denn die machen das ohnehin nicht günstige Kinovergnügen noch teurer.

Hamburg als Touristenmagnet bietet vielfältige Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche, Sportveranstaltungen, Konzerte und Feste, wie den Hamburger Dom. „Hamburg hat einfach das Großstadtflair. Wir brauchen im Kreis Pinneberg auch bessere Freizeitveranstaltungen und Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen.“, findet Yannick (16) aus Wedel.

Elmshorn hat ein Café, Uetersen das Burgkino und Pinneberg die Drostei, Ort für Kultur- und Jugendveranstaltungen. Im Sommer lockt in Wedel der „Beach Club“ am Elbstrand, der ideale Ort zum Entspannen. Allerdings auch nur saisonbedingt. Nur ein Treffpunkt in jeder Stadt, das reicht den meisten nicht. Während die Jugendzentren eher für die Jüngeren geeignet sind, wünschen sich viele Jugendliche lieber mehr öffentliche Bars oder Cafés, in denen man zusammensitzen, quatschen und einfach Spaß haben kann. Marie fasst die Wünsche der jungen Generation zusammen: „Wir brauchen Treffpunkte, um als Jugendliche sagen zu können: Warum sollten wir nach Hamburg fahren, wir haben auch hier coole Läden.“

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erstellt am 13.Okt.2013 | 16:02 Uhr

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