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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 15:10 Uhr

Tierstation: Jetzt beginnt die Igel-Zeit

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Wildtiere Immer mehr Igel kommen in die Station

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Beinahe täglich rufen zurzeit Menschen in der Wildtierstation wegen Igeln an. Einige machen sich Sorgen, weil sie Jungtiere alleine auf ihrem Grundstück herumstromern sehen, andere haben einen Igel aus Versehen bei der Gartenarbeit mit der Motorsense erwischt. „Da hatten wir schon schlimme Fälle“, berichtet Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation in Klein Offenseth-Sparrieshoop. „Unsere Tierärztin Frauke Gräf musste schon manchmal wahre Wunder vollbringen.“

Derzeit leben 25 Igel in den beiden Kleintierställen in der Wildtierstation. Etwa die Hälfte sind Jungtiere. Ihre Eltern wurden von Autos überfahren, sind Opfer einer Motorsense geworden oder haben sich in Schnüren oder Drähten verfangen. Einige der kleinen Igel haben so wenig Gewicht, dass sie unter einer Wärmelampe gehalten werden müssen. „Jetzt beginnt bei uns die Igelzeit“, sagt Erdmann. „Zurzeit ist es noch relativ entspannt, aber es werden noch mehr werden. Im vergangenen Herbst hatten wir hier insgesamt 90 Tiere.“

Erdmanns Ziel ist es, dass so wenige Igel wie möglich in der Wildtierstation überwintern müssen. Sobald die possierlichen Tiere eintreffen, werden sie deshalb mit Katzenfutter, Eiern und Mehlwürmern aufgepäppelt. Wenn ein Igel 400 Gramm wiegt, kann er wieder in die freie Natur entlassen werden. Dann verfügt er über genügend Fettpolster, um sich ein Nest zu bauen und alleine über den Winter zu kommen. „Alle anderen sind potentielles Uhu-Frühstück“, sagt Erdmann.

Ihre Nester für den Winter bauen sich Igel mit Vorliebe in „Schmuddelecken“, wie sie Erdmann nennt. Um Besuchern zu zeigen, was er meint, hat Erdmann im Eingangsbereich der Wildtierstation einen großen Haufen aus Ästen, Reisig und Laub aufgeschichtet. „Wenn jeder so eine Schmuddelecke im Garten hätte, wäre den Igeln schon viel geholfen“, sagt er.

Helfen können Tierfreunde den Igeln aber auch ganz direkt. Wer einen zu jungen oder unterernährten Igel findet – als groben Richtwert nennt Erdmann die Größe einer Faust – kann ihn auch selber aufpäppeln. „Man setzt den Igel einfach in eine etwa einen Quadratmeter große Box in der Garage oder im Schuppen“, erklärt Erdmann. Mit einer aus einem Karton ausgeschnittenen Schlafbox, Katzenfutter, Mehlwürmern aus dem Zoofachgeschäft und frischem Wasser können die Tiere angefüttert werden, bis sie mindestens 400 Gramm wiegen. Dann werden sie wieder in die Freiheit entlassen. „Das geht noch sehr spät im Jahr“, sagt Erdmann. „Hauptsache, es gibt noch keinen Bodenfrost.“

Aber auch die Wildtierstation nimmt Igel auf, wenn diese verletzt oder unterernährt nach Sparrieshoop gebracht werden. Allerdings: „Die Leute sollten auf keinen Fall einfach alle Igel einsammeln, die sie sehen“, warnt Erdmann. „In der Regel kommen die Tiere alleine zurecht.“ Nur wenn die Igel verletzt sind, sichtbar torkeln, sich bei Berührung nicht mehr zusammenrollen oder sehr junge Igel tagsüber alleine herumlaufen, brauchen sie Hilfe von außen. Im Zweifel hilft ein Anruf in der Wildtierstation.

Trotz aller Tipps und Aufpäppel-Versuche werden wohl auch in diesem Jahr wieder rund 40 Igel in der Wildtierstation überwintern müssen. Das ist nicht nur ein hoher Arbeitsaufwand für Erdmann und seine Mitarbeiter, sondern auch ein Kostenfaktor. Denn: „Die Igel fressen ganz schöne Mengen“, sagt Erdmann. Schon jetzt verfüttert sein Team täglich etwa 10 Dosen Katzenfutter. Deshalb sind Futter- und Geldspenden herzlich willkommen.

Kontakt zur Wildtierstation, Am Sender 2 in Klein Offenseth-Sparrieshoop: (04121) 4501939.

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