Schenefeld : „Tiere können unglücklich sein“

Schenefelds Rotarier-Chefin  Dr.  Christina Quellmann begrüßte Foodwatch-Chef  Thilo Bode.
Schenefelds Rotarier-Chefin Dr. Christina Quellmann begrüßte Foodwatch-Chef Thilo Bode.

Zu Gast bei den Rotariern: Foodwatch-Gründer Thilo Bode prangert Tricks der Lebensmittelindustrie an.

Avatar_shz von
10. November 2013, 17:58 Uhr

Der diesjährige Rübenschmaus des Rotary Clubs Schenefeld lockte zirka 110 Club-Mitglieder in die Veranstaltungsräume des „Reitstalls Klövensteen“ in Schenefeld. Beim traditionellen Festschmaus berichtete Thilo Bode von Foodwatch von den neuesten Entwicklungen der Nahrungsmittelindustrie. Zu Gast waren Mitglieder vieler norddeutscher Clubs: Unter anderem war der RC Hamburg, Elmshorn, Quickborn, Wedel und Kaltenkirchen vertreten.

Die Schenefelder Präsidentin Monika Quellmann erläuterte das Jahresthema des RC, das sie ausgewählt hatte. „Essen ist mehr als Nahrungsaufnahme“. Nahrung bestimme zu einem großen Teil den Körper, der auch ein Spiegel der Seele sei. „Wir ernähren unsere Seele mit dem was und wie wir essen“, sagte Quellmann. Es sei ein großes Thema, über das es sich nachzudenken lohne. Die 52 Schenefelder Mitglieder – darunter sind sechs Frauen – helfen Bedürftigen. So unterstützen sie zum Beispiel „Die Tafel“ Schenefeld. „Denn Essen wegschmeißen ist Sünde“, betonte Quellmann.

Die Vorträge zum Jahresthema behandelten unter anderem den Hunger in der Welt, die Nahrungsmittelindustrie, Essen als Spiegel der Seele und ob vegetarische und vegane Ernährung gesund ist. Vor diesem Hintergrund hielt Thilo Bode, ehemaliger Geschäftsführer von Greenpeace National sowie International, einen Vortrag zum Thema „Abgespeist: Wie wir beim Essen betrogen werden und was wir dagegen tun können“. Der Kontakt kam über das RC-Mitglied Diethart Goos zustande – er und Bode kennen sich schon lange.

Bode berichtete über die Entstehung seiner Organisation Foodwatch. Jahrelang war er Geschäftsführer von Greenpeace – vier Jahre lang von Greenpeace Deutschland, sieben Jahre lang von dem internationalen Sektor in Amsterdam. Ein Angebot, Lobbyist für ökologische Nahrungsmittel in Berlin zu werden, habe er „dankend abgelehnt“. Und 2002 das Gefühl gehabt: „Ich wollte noch mal etwas Neues machen.“ So gründete er Foodwatch.

Denn in Deutschland sei der Gesundheitsschutz bezüglich Nahrungsmitteln ein großes Problem. „Er ist nicht vorsorgend, sondern nachsorgend. Das wird bei jedem Lebensmittelskandal, wie zum Beispiel beim Pferdefleisch, deutlich“, sagte der 66-Jährige. Auch erhebliche Rechtsdefizite gebe es. Bode betonte, dass ihm die angemessene Behandlung von Tieren am Herzen liege: „Tiere können auch glücklich und unglücklich sein. Und sie haben einen Anspruch und ein Recht auf ein glückliches Leben.“ Dabei sei Bode selbst kein Vegetarier, aber für eine „humane Schlachtung“.

Legale Täuschungen und Irreführungen würden – aus wirtschaftlichen Gründen – zu Lasten des Verbrauchers getrickst: „Schwarzwälder Schinken darf so betitelt werden, wenn nur einer von vielen Produktionsschritten im Schwarzwald statt findet.“ Dabei könne das Fleisch aus Neuseeland importiert sein und die meisten Produktionsschritte in Norddeutschland erfolgen. „Sie wissen nicht, wo das Zeug herkommt, sobald es verarbeitet ist“, sagte Experte. Auch Bio-Produkte seien trügerisch: Ein vermeintliches Bio-Produkt von Carlsberg – es ist mittlerweile vom Markt genommen – durfte das Biozertifikat nutzen, weil ausschließlich der Zucker ökologisch war. Für die Zukunft sei vor allem wichtig, dass „konventionelle Landwirtschaft zielstrebig ökologisiert wird“, so Bode..

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen