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Pinneberger Tageblatt

20. September 2017 | 23:58 Uhr

Hof Wiedwisch : Tiere aus einer anderen Zeit

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Auf dem Hof Wiedwisch in Kummerfeld wird Artenschutz betrieben: Die Landwirte züchten bedrohte Rassen. Ein Rundgang zwischen Gänsen und Schafen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Kummerfeld | Einen Rasenmäher brauchen Dörte Wendorff-Rusch und Carl Rusch nicht. Die Rasenmäher des Ehepaars haben vier Beine und ein dickes Fell. Die Gotlandschafe der beiden erledigen das so nebenbei. Die beiden züchten alte Nutztierrassen auf ihrem Hof in Kummerfeld. Das Ziel: die seltenen Unterarten erhalten und dies der jungen Generation vermitteln. Ein Pferd, Schafe, Gänse, Enten und Hühner gibt es auf dem Bauernhof. Dazu kommt Hund Krümel und eine Herde Alpakas.

Früher hatte Carl Rusch gewöhnliche Milchkühe gehalten und gezüchtet. Nach einer Verletzung am Knie ging das nicht mehr und der 52-Jährige kam mit seiner Frau auf die Idee, seltene Nutztierarten zu züchten. „Die landen am Ende trotzdem im Kochtopf“, stellt die 42-Jährige klar. Aber vorher hatten sie ein angenehmes Leben mit viel Auslauf.

Jeden Tag kommen Kinder auf den Hof und lernen mehr über Landwirtschaft, Natur, die Jahreszeiten und natürlich die Nutztiere. Die Familie kooperiert mit der örtlichen Grundschule, bietet unter anderem eine Nachmittagsbetreuung, Ferienfreizeiten und Geburtstagsfeiern an. Die Unternehmer haben vorher eine Weiterbildung zum Bauernhofpädagogen abgschlossen.

Auf dem Hof ist auch am frühen Morgen schon viel los. Im Stall begrüßt der Gänserich die Besucher nicht gerade freundlich. Der Vogel plustert sich auf und zischt gefährlich. Kein Wunder, schließlich sind in der Nacht zuvor Küken geschlüpft, die es zu bewachen gilt. Die kleinen altdeutschen Landgänse werden später nicht so dick wie ihre Artgenossen aus der Masthaltung. „Der Braten reicht aber locker für vier Personen“, sagt Carl Rusch. Im Gespräch mit den Landwirten wird schnell deutlich, dass die Tiere eben Nutztiere sind und auch bleiben sollen. Namen haben sie zum Beispiel nicht.

Die Altsteirer Hühner nebenan haben bereits zwei Eier an diesem Tag gelegt. Allerdings liegen am Ende nur halb soviele im Korb wie in einem normalen landwirtschaftlichen Betrieb. Das ist dem Paar aber auch nicht so wichtig. Die Zuchttiere – egal ob Gans, Ente oder Schaf – werden geschlachtet oder vorher in die ganze Republik verkauft.

Fast alle alten Rassen gab es früher auch auf den Höfen der Region. Heute ist das anders. Um den Ertrag zu erhöhen, kreuzten die Landwirte verschiedene Rassen, so dass andere verschwanden.

Die Kummerfelder wollen ihren Beitrag leisten, damit genau das nicht nochmal passiert. Gewinnbringend ist dieses Geschäft allerdings nicht – im Gegensatz zu den Alpakas. Die Wolle ist flauschig und die Tiere für ihr liebes Wesen bekannt. Die Jüngsten haben gerade am Abend vorher ihre wertvolle Wolle verloren. Nur auf dem Kopf und unter den Knien sieht man noch, wie dick das Fell mal war. Die Fohlen sehen aus wie zurechtgeschorene Pudel auf einer Schau. Einige der erwachsenen Tiere werden verkauft und zum Beispiel für die Therapie mit autistischen Kindern eingesetzt. „Die jungen Patienten nehmen die Kamele an die Leine und lernen so, sensibel auf ihr Gegenüber einzugehen“, berichtet Dörte Wendorff-Rusch.

Auch die Kinder auf dem Hof lieben es, Zeit mit den tierischen Bewohnern zu verbringen. Die Mädchen und Jungen finden die Hühner so spannend, dass sie warten, bis die Hühner ein Ei legen. „Die sitzen dann vor der Klappe und gucken einfach nur“, erzählt Dörte Wendorff-Rusch. Die jungen Besucher lernen, wie das Leben beginnt, wie Küken schlüpfen und groß werden. „So können sie den Lauf des Lebens kennenlernen“, erläutert die Landwirtin.

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