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Plötzlich Hebamme : Tierärztin aus Pinneberg wird zur spontanen Geburtshelferin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Auf dem Weg ins Regio-Klinikum kommt der Nachwuchs der Familie Hankurhanova zur Welt. Anna Pliquet wird spontan zur Geburtshelferin.

Pinneberg | Da konnte es wohl jemand nicht abwarten, das Licht dieser Welt zu erblicken: Am vergangenen Donnerstag wurde ein Mädchen nicht wie geplant im Krankenhaus geboren – sondern etwa drei Minuten vom Regio-Klinikum in Pinneberg entfernt im Auto. Die zuvor vierköpfige Familie saß mit ihrer Begleitung Anna Pliquet im Fahrzeug, als sich plötzlich das fünfte Familienmitglied ankündigte. Pliquet reagierte schnell und übernahm spontan und erstmals die Rolle der Geburtshelferin.

Pliquet unterstützt die im November aus Tschetschenien hergezogene Flüchtlingsfamilie in fast allen Belangen. So war sie als Dolmetscherin auch bei der vorherigen frauenärztlichen Untersuchung dabei, bei der die Familie das Klinikum Itzehoe als Geburtsort ausgesucht habe. Da die Wehen der Schwangeren Marha Hankurhanova daraufhin jedoch immer stärker wurden, entschieden sie sich stattdessen für das Regio-Klinikum. Schon auf der Autobahn habe Hankurhanova gemerkt, dass sie im Auto entbinden müsse. So hielt ihr Mann Said Schaipov in einer Ausfahrt vor einem Hof an. „Zum Glück gab es genügend Platz zum Stoppen“, berichtet Pliquet.

Die 34-Jährige hatte in ihrem Heimatland, der Ukraine, zehn Jahre lang als Tierärztin gearbeitet. Diese Erfahrung half ihr bei dem unerwarteten Einsatz als Hebamme: „Der Ablauf war mir nicht fremd, es ist das gleiche Prinzip wie bei den Tieren.“ Nur etwa sieben Minuten habe die Entbindung gedauert. „Als das Baby geschrien hat, dachte ich: Zum Glück, jetzt ist alles gut“, erklärt Pliquet. Der Familienvater klingelte in einem nahegelegenen Wohnhaus, um den Notruf abzusetzen. Im Krankenwagen wurde dann die Nabelschnur fachmännisch durchtrennt.

Hankurhanova lacht: Etwa einen Monat vor der Geburt hatte die Familie noch gescherzt, der Nachwuchs solle erst zur Welt kommen, wenn Pliquet anwesend ist. Die Mutter wohnt in Neuendeich, führt wegen Feuchtigkeit im Keller jedoch gegenwärtig einen Umzug durch. Aus der Kooperation sei schon eine Freundschaft entstanden: „Wir haben einen tollen Kontakt aufgebaut“, erzählt Pliquet.

Das 4020 Gramm schwere Baby trägt den Namen Rada und kam um 12.28 Uhr zur Welt. Es ist bereits das dritte Kind der Familie, Tochter Makka ist vier und Sohn Schait sieben Jahre alt. Nun können die Eltern das Familienglück genießen und zeigen viel Dankbarkeit für die Hilfe ihrer persönlichen Hebamme. „Die Geburt war für alle sehr aufregend. Zum Glück verlief sie ohne Komplikationen“, resümiert Pliquet erleichtert. Die besten Geschichten schreibt eben doch das Leben.

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erstellt am 26.Apr.2016 | 14:00 Uhr

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