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Pinneberger Tageblatt

24. November 2017 | 12:33 Uhr

Tief in die Erde und hoch ins All

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Feier Firma Tempelmann fertigt seit 70 Jahren Metall

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2017 | 16:00 Uhr

Nichts als weite Wiese – so sah es an der Flensburger Straße in Pinneberg aus, als Helmut Tempelmann 1965 dort seine Metallverarbeitungsfirma ansiedelte. Sein Sohn Bernd Tempelmann erinnert sich noch gut: „Hier gab es nichts, man konnte bis Borstel-Hohenraden sehen. Nur die Funktürme waren schon da.“ Mittlerweile ist ein ganzes Industriegebiet drum herum entstanden. Und Tempelmann Feinwerktechnik ist noch immer am Standort, seit 2004 in dritter Generation von Hardy Tempelmann geführt. Das 70-jährige Bestehen feierte das Unternehmen gestern mit einem großen Grillfest.

Moment, 70 Jahre? „Los ging es schon 1947“, erläutert Bernd Tempelmann. „Mein Vater hatte seine Firma in der DDR.“ Eine im Krieg zerstörte Lagerhalle diente ihm als Schraubenlager. Zunächst verkaufte er normale Schrauben und Muttern an Firmen – dann nahm er Aufträge für Spezialanfertigungen an und bearbeitete seine Teile entsprechend. Aber: „Ihm drohte die Enteignung“, sagt Tempelmann. „Kurz bevor es dazu kam, zog er die Reißleine.“ Helmut Tempelmann packte Kind und Kegel und flüchtete in den Westen, zuerst in seine Geburtsstadt Oldenburg, dann nach Halstenbek und schließlich Pinneberg. Sein Enkel Hardy Tempelmann ist davon beeindruckt: „Er hat alles stehen und liegen lassen und hat komplett bei Null angefangen.“ Eine unternehmerische Weitsicht, die er in seiner Familie und seinem Unternehmen bewahren möchte.

Heute arbeiten die 60 Mitarbeiter sowie neun Auszubildenden mit hochpräziser Computertechnik. Im Laufe der Jahre hat sich die Firma immer weiter spezialisiert. „Wir arbeiten mit exotischen Werkstoffen Teile mit komplizierter Geometrie, die ein besonderes Handling bedürfen“, erläutert Hardy Tempelmann. Die Produkte der Firma sind allgegenwärtig – werden aber von niemandem wahrgenommen. Sie verschwinden in Flugzeugen, in Satelliten oder U-Booten. „Wenn im Flugzeug die Sauerstoffmasken herunter kommen, dann sind unsere Produkte im Einsatz“, sagt Tempelmann. Eine winzige Metalldüse am Ende des Schlauches sorgt dafür, dass im Ernstfall der Sauerstofffluss in der Maske reguliert wird. „Die Bohrung in der Düse ist 0,34 Millimeter groß und muss in jedem Stück gleich sein – sonst haben manche Fluggäste zu viel und andere kriegen nichts ab.“ Auch in den Atemmasken der Eurofighter und im ersten Fusionskraftwerk in Greifswald sind Tempelmann-Teile verbaut.

Blickt Hardy Tempelmann in die Zukunft, dann sieht er die Autonomisierung von Maschinen und Lasertechnik. „Unsere Mitarbeiter werden dadurch nicht weniger, aber sie werden anderes Fachwissen haben“, sagt er. Demnächst kommt der erste Roboter. Im Gegenteil zur Firma sei das Industriegebiet an der Flensburger Straße allerdings eingeschlafen. Die Wahrnehmung nach außen sei schlecht. „Wir kämpfen“, sagt Tempelmann. „Wird der Standort nicht belebt, ist das ein Problem.“

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