Zoff um Einkaufszentrum : Thomas Philipps in Prisdorf: Die Lichter gehen noch nicht aus

Der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps bleibt dem Einkaufszentrum vorläufig erhalten.
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Der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps bleibt dem Einkaufszentrum vorläufig erhalten.

Die Entscheidung über den Sonderpostenmarkt soll im Herbst fallen. Die Stadt Pinneberg kündigt weitere Gespräche an.

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14. Juni 2018, 12:30 Uhr

Pinneberg/Prisdorf | Die Gnadenfrist für den Sonderpostenmarkt Thomas Philipps im Einkaufszentrum in Prisdorf am Peiner Hag läuft weiter. Noch ist keine Entscheidung gefallen, wann oder ob der Markt überhaupt schließen muss. Auch der Streit zwischen Pinneberg und Prisdorf um das gesamte Einkaufszentrum am Peiner Hag scheint beigelegt. Vorerst. Beide Parteien wollen aufeinander zugehen.

„Ich werde mich noch mal mit Prisdorf in Verbindung setzen“, sagt Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) auf Anfrage unserer Zeitung. „Während der Kommunalwahl ist das Thema in den Hintergrund geraten“, so Prisdorfs Bürgermeister Rolf Schwarz (BbP) auf Anfrage. Gesprächen mit Pinneberg stehe er offen gegenüber.

Einzelhandelsgutachten vorgeschlagen

Die hat es in diesem Jahr schon gegeben. Steinberg hatte unter anderem vorgeschlagen, Prisdorf möge ein Einzelhandelsgutachten in Auftrag geben und den Einzelhandel verkleinern. Aber: „Es gibt noch keine Ergebnisse“, sagt Schwarz.

Pinneberg empfiehlt Prisdorf, ein Einzelhandelsgutachten zu erstellen und den Einzelhandel auf der Fläche zu verkleinern.
Foto: René Erdbrügger
Pinneberg empfiehlt Prisdorf, ein Einzelhandelsgutachten zu erstellen und den Einzelhandel auf der Fläche zu verkleinern.
 

Darum geht es bei dem Zoff: Seit der Entstehung des Prisdorfer Einkaufszentrums Anfang 2000 ist es kontinuierlich gewachsen. Zunächst wurde der Marktkauf gebaut. Dann kamen der Toom Baumarkt, der mittlerweile weggezogen ist, Aldi, das Dänische Bettenlager, eine Tankstelle, zwei Bäckereien und viele Geschäfte mehr dazu. Sehr zum Ärger der Stadt Pinneberg, die darin eine Konkurrenz für den Einzelhandel in der Innenstadt sieht. 2012 wurde nach langen Verhandlungen ein erneuter städtebaulicher Vertrag zwischen Prisdorf und Pinneberg abgeschlossen. Dieser sah wiederum die Begrenzung des Bestands an Einzelhandelsflächen vor. Da die Gemeinde nicht bereit war, die abgeschlossenen Verträge einzuhalten und die Einzelhandelsentwicklung auf ihrem Gemeindegebiet zu begrenzen, wurde 2013 das laufende Normenkontrollverfahren fortgesetzt. Ergebnis: Der Bebauungsplan der Gemeinde Prisdorf wurde für unwirksam erklärt. Diese Entscheidung des Verwaltungsgerichts von 2014 wurde 2016 vom Oberverwaltungsgericht bestätigt. Schließlich urteilte das Oberverwaltungsgericht in Schleswig, dass der Sonderpostenmarkt Thomas Philipps schließen muss.

Mit Augenmaß agieren

Der Kreis Pinneberg werde mit Augenmaß agieren, so die Aussage von Kreissprecher Oliver Carstens im Februar. Darum wurde kein Sofortvollzug eingeleitet und Thomas Philipps eine Gnadenfrist gewährt.

Für wie lange? Auf Anfrage von shz.de wollte sich Kreissprecher Oliver Carstens zum Sachverhalt nicht weiter äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handele. Er bestätigte aber, dass noch eine rechtliche Entscheidung ausstehe, mit dieser sei wahrscheinlich im Herbst 2018 zu rechnen.

Laut Informationen unserer Zeitung hat Thomas Philipps gegen die Ordnungsverfügung Widerspruch eingelegt, über den der Kreis noch entscheiden muss. Falls dem Widerspruch nicht stattgegeben wird, könnte Thomas Philipps vor Gericht dagegen klagen, so die juristische Situation.

Unterschriftenaktion

Doch wie sehen die Kunden das Ganze? „In Prisdorf wurde mit dem Center für die Prisdorfer und Menschen aus dem Umland wie auch Tornesch eine gute Einkaufsstruktur geschaffen“, sagt Andreas Schmedtmann aus Tornesch. Auf die Stadt Pinneberg ist er nicht gut zu sprechen. Pinneberg glaube daran, dass man die Kunden zwingen könne, in die Stadt zu kommen. „Dies wird aber nicht geschehen, da sich bereits mehr als 3000 Kunden für den Boykott der Stadt Pinneberg als Einkaufsmöglichkeit entschieden haben“, sagt Schmedtmann. Er spielt auf eine Unterschriftenaktion für den Erhalt des Einkaufszentrums an. „Aus dem Umland, Richtung Tornesch werden die Kunden auch wahrscheinlich eher nach Elmshorn als nach Pinneberg fahren“, so seine Einschätzung.

Dass im Einkaufszentrum am Peiner Hag gänzlich die Lichter ausgehen, glaubt Schwarz nicht. „Warum etwas zumachen, wenn es funktioniert?“ Das Einkaufszentrum werde von den Kunden stark frequentiert.



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