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Pinneberger Tageblatt

23. Oktober 2017 | 21:45 Uhr

Quickborn : Therapeut lässt Rentner im Stich

vom
Aus der Redaktion des Quickborner Tageblatts

Ein Ehepaar ist im Krankenhaus als ihnen die Pflege per Brief gekündigt wird.

shz.de von
erstellt am 13.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Quickborn | Harry Peters sitzt in seiner Wohnung im fünften Stock eines Gebäudes in der Boxholmstraße und fragt sich immer wieder, warum das passiert ist. Dass ihm und seiner Frau Gisela, beide als schwerbehindert eingestuft, ein Physiotherapeut die Pflege aufkündigt. „Aufgrund der Unregelmäßigkeiten“, sagt Peters kopfschüttelnd. „Wir lagen doch im Krankenhaus“, schiebt der 82-Jährige nach.

Das Ehepaar Peters aus Quickborn kennt Schicksalsschläge gut. Anfang der 2000er-Jahre musste Harry Peters wegen Blasen- und Prostatakrebs operiert werden. Dabei wurde das Lymphgefäßsystem beschädigt. „Dass ich noch lebe, ist Glückssache“, sagt der Vater von vier Kindern, achtfacher Groß- und vierfacher Urgroßvater. Er erholte sich, wenn auch nur bedingt. 2006 erlitt seine Frau einen Schlaganfall, in dessen Folge die heute 79-Jährige mit Beeinträchtigungen kämpft.

„Wir wollten noch ein paar gute Jahre dranhängen“, sagt Harry Peters mit trauriger Stimme und erzählt von den Leidenschaften, denen er in 40 Dienstjahren bei der Hamburger Polizei während seiner Freizeit nachging: Malen sowie Schmetterlinge sammeln und erforschen. Stattdessen ist sein Wirkungskreis nun auf die Wohnung beschränkt, regelmäßige Pflege und Physiotherapie sind unabdingbar. Die Routine des Alltags wurde Anfang des Jahres durch zwei Vorfälle jäh durchbrochen: Ende Januar musste Gisela Peters mit einem Wirbelbruch ins Krankenhaus, Anfang Februar folgte Harry Peters mit Verdacht auf Darmverschluss. Zwei Wochen später durfte er zurück, während seine Frau erst Ende Februar wieder nach Hause kam.

Doch Termine mit dem Physiotherapeuten, „mit dem ich vorher zufrieden war“, so Peters, kamen plötzlich nicht mehr zustande. Auch nicht per Telefon, wie es dem Pensionär laut einer Nachbarin, die sich während der Abwesenheit des Ehepaars um deren Belange gekümmert hatte, seitens des Krankengymnasten in Aussicht gestellt worden war. „Ich sollte mich melden, wenn ich wieder da bin. Das habe ich getan und um Rückruf gebeten. Der kam aber nicht“, sagt Harry Peters.

Was stattdessen kam, war ein Brief. Darin schreibt der Physiotherapeut von seinem Rückruf am 20. Februar, den Peters nach eigener Aussage jedoch nie erhalten hat. „Den hätte ich doch gehört“, sagt er. Zudem schreibt der Krankengymnast von der Behandlung, die er „aufgrund der Unregelmäßigkeiten“ nicht weiterführen könne. „Ich finde das traurig. Wir haben uns doch darauf verlassen“, sagt Harry Peters. Auch der Physiotherapeut äußert sich auf Nachfrage: „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen.“ Zumindest nicht formal.

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