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Zigarettenkippen auf dem Grab : Theologin über das Sterben in den Weltreligionen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Vortrag: Christine Behrens referiert in der Seniorenresidenz über Sterben in den Weltreligionen. Das Thema hat Brisanz in Pflegeberufen.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 14:00 Uhr

Pinneberg | Im Judentum werden amputierte Gliedmaßen beigelegt, denn der Leib soll unversehrt sein. Die Buddhisten berühren den Toten keinesfalls, um die ausfahrende Seele nicht zu stören. Auf den Gräbern von Sinti und Roma liegen Zigarettenstummel – kein Relikt unverschämter Jugendlicher, sondern Reste der Raucherzeugung, mit der die Seele in den Himmel aufsteigen soll. Über diese und mehr Brauchtümer zum Thema „Tod und Sterben in den Weltreligionen“ referierte am Mittwochabend die Theologin Christine Behrens im Forum der Seniorenresidenz Helene Donner, Damm 1, in Pinneberg.

Behrens arbeitet selbst als Supervisorin in einem Hospiz. Dort und in Krankenhäusern komme es laut Behrens immer wieder zu Problemen, weil gerade in Extremsituationen wie Tod, Sterben und Trauer kulturelle Unterschiede besonders zum Tragen kämen. „Durch Unkenntnis über den Glauben eines Patienten, können Pflegekräfte einen Sterbenden in schwere Krisen stürzen“, erläutert die Theologin. Ein sterbender Moslem zum Beispiel, der einem gegenüber dem Islam ahnungslosen Pfleger ausgeliefert werde, riskiere den direkten Weg in die Hölle, wenn verpasst werde, ihm beim Sterben die vier Fragen des Glaubensbekenntnisses zu stellen oder seinen Blick gen Mekka zu drehen. Auch die Zeiten vom Tod bis zur Beerdigung seien in den Religionen extrem unterschiedlich gestaltet und hochemotional. Hier ist neben Einfühlungsvermögen auch Sachkenntnis gefragt.

Was kommt nach dem Tod?

zum Ergebnis
 

Unter den in etwa 30 Besuchern des Vortrages waren so gut wie keine Bewohner aus der Seniorenresidenz anwesend. Viele Pflegekräfte aus unterschiedlichen Einrichtungen nahmen aber das Angebot wahr und konnten sich damit zwei von 20 Punkten sichern, die sie in ihrem Pflegeberuf jährlich für Fortbildungen sammeln müssen. Physiotherapeutin Petra Lingens kam aber aus freien Stücken, schrieb sogar mit. „Es war sehr gut, nicht überfrachtet, sondern kurz und intensiv“, bewertet sie den Vortrag. Auch sie könne in einigen ihrer ambulanten Fälle therapeutisch nichts mehr erwirken. „Dann mache ich eher eine Art Sterbebegleitung“, sagte sie. „Deswegen finde ich das Thema sehr interessant. Bisher ist es noch nicht nötig gewesen, aber wer weiß, was kommt.“ Warum am Mittwochabend keine Bewohner anwesend waren, kann auch Pflegedienstleitung Kerstin Lupp nicht mit Sicherheit sagen: „Bei unseren letzten Veranstaltungen zu den Themen Patientenverfügung und Bestattungsvorsorge waren einige gekommen“, berichtet sie. Möglicherweise sei das Thema zu emotional gewesen, so Lupp. Die Forumsveranstaltungen, die von der Residenz Helene Donner bei freiem Eintritt organisiert und finanziert werden, sollen einen Treffpunkt für Menschen aus der Stadt, den Bewohnern und ihrer Angehörigen sein, aber gleichzeitig auch Fortbildungsmöglichkeiten für Pflegepersonal bieten, erläutert Lupp das Konzept.

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