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Ernst-Paasch-Halle in Pinneberg : Theaterleute sind enttäuscht - die Stadt verschmäht Fördergelder

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Verwaltung lässt sich 900.000 Euro durch die Lappen gehen. Theaterleute sind von Verwaltung enttäuscht.

shz.de von
erstellt am 06.Nov.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | „Wir fangen wieder bei null an“ – so fasste Herbert Hoffmann (SPD), Mitglied des Ausschusses für Kultur, am Mittwochabend den aktuellen Sachverhalt zusammen. Die Zukunft der Pinneberger Ernst-Paasch-Halle, die einst als Sporthalle genutzt wurde und jetzt den Theatervereinen dient, bleibt weiter ungewiss. Der Plan, das Gebäude in ein Kulturzentrum umzuwandeln, ist vorerst begraben. Die Nutzungsänderung ist nämlich nur dann möglich, wenn auch saniert wird. Geschätzte Kosten: 1,3 Millionen Euro.

Dafür sollte ein Förderprogramm angezapft werden. Doch um Bundesmittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro zu erhalten, müsste die Stadt Eigenmittel von 130.000 Euro aufbringen. Überraschenderweise ließ die Verwaltung den Punkt von der Tagesordnung nehmen. Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos), die wegen Krankheit am Ausschuss nicht teilnahm, ließ den Politikern durch Fachbereichsleiterin Traudchen Perrefort ausrichten, dass die Verwaltung das Förderprogramm nicht mehr weiter verfolgen werde. Begründung: Der Haushalt lasse es nicht zu, 130.000 Euro selbst aufzubringen.

Damit schafft die Verwaltung Tatsachen: Bis zum 13. November müsste der Online-Antrag für die Fördergelder eingereicht werden. Da aber kein weiterer Kulturausschuss anberaumt wurde, sieht es nun so aus, als lasse sich Pinneberg Fördergelder von immerhin 900.000 Euro durch die Lappen gehen.

Die Politik zeigte sich danach konsterniert darüber, dass die Verwaltung es nicht einmal versucht habe, den Förderantrag zu stellen. „Ich bemühe mich, nett zu bleiben“, sagte Hoffmann und warf der Verwaltung vor, in Sachen Paasch-Halle die Politik nicht umfassend aufgeklärt zu haben. Man sei hingehalten worden. Bereits im Frühjahr wurde die Stadtverwaltung damit beauftragt, eine Nutzungsänderung für die ehemalige Sporthalle zu beantragen. Doch das Prozedere kam ins Stocken, weil Sanierungsmängel aufgedeckt wurden. Nun soll eine kleine überfraktionelle Arbeitsgruppe den Sachverhalt klären, um ein Resümee zu ziehen. Hoffmann könne sich auch eine kleine Lösung vorstellen. Statt eine teure Lüftungsanlage einzubauen, könnte man die „Türen dreimal aufmachen“, gab Hoffmann zu bedenken. „Eine gute Idee“, so auch Alexandra Waßong von der FDP.

Doch die Theaterleute, die die Halle nutzen, sehen das anders: „ Es ist eine vertane Möglichkeit “, sagte Andreas Hettwer, Chef des Forum Theaters Pinneberg. Man hätte den Antrag stellen sollen. „Auch die Arbeitsgruppe bringt uns nicht viel, denn wir müssen langfristig planen“, sagte er.

Peter Heinitz, Zweiter Vorsitzender der Pinneberger Bühnen, sieht es ähnlich: „Wir sind für die Umwandlung der Ernst-Paasch-Halle in ein Kulturzentrum und würden es sehr bedauern, wenn die Chance nicht genutzt wird, eventuell Bundesmittel für die Sanierung in Höhe von 1,3 Millionen zu erhalten, weil keine Eigenmittel von 130.000 Euro aufgebracht werden können“, sagte er. Heinitz schlug vor, dass der Versuch unternommen werden könnte, zum Beispiel Spenden- und Sponsorengelder über einen Förderverein aufzubringen. „Die Stadt sollte sich mal in Elmshorn schlaumachen, wo es dem dortigen Förderverein der Theatergemeinschaft Elmshorn gelungen ist, 400.000 Euro für die Dachsanierung des Stadttheaters durch Spenden und Sponsorengelder aufzubringen.“ Wenn es aber nicht zur Umwandlung der Ernst-Paasch-Halle in ein Kulturzentrum kommt, sei es der dringende Wunsch der Pinneberger Bühnen, dass sie im Geschwister-Scholl-Haus spielen können. „Dort finden wir für uns und unsere Besucher ideale Voraussetzungen vor.“ Man benötige dringend Planungssicherheit für die neue Spielsaison.

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