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Stromtrasse Suedlink : Tennet sucht den Bürgerdialog

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Netzbetreiber hat eine Informationsveranstaltung für Donnerstag, 4. September, in Moorrege geplant.

Kreis Pinneberg | Es ist eines der größten Projekte der Energiewende: der geplante Trassenbau Suedlink von Wilster im Kreis Steinburg bis Grafenrheinfeld im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Laut Netzbetreiber Tennet ist das Ziel, die in Schleswig-Holstein überschüssig produzierte Energie in anderen Regionen der Republik nutzen zu können. So werden im nördlichsten Bundesland derzeit allein durch Windkraft an Land – also Onshore – etwa 6100 Megawatt Energie pro Tag erzeugt, benötigt werden laut Tennet-Pressesprecher Alexander Greß indes maximal 2000 Megawatt pro Tag, um alle Haushalte im Land mit Strom zu versorgen. Und das auch nur zu Stoßzeiten, also beispielsweise morgens im Winter, wenn überall geheizt wird, die Kaffeemaschinen laufen und die Föne im Bad benutzt werden, erläutert Greß. Wird Suedlink bis zum Jahr 2022 realisiert, soll sich die Einspeisekapazität in die Nord-Süd-Trasse über die ebenfalls zum Teil noch in der Grobplanung befindlichen anderen Trassen im Land bis zum Jahr 2024 auf 14.100 Megawatt erhöhen.

Noch sei aber nichts in den sprichwörtlich trockenen Tüchern, fügt Greß im Gespräch mit dieser Zeitung an. Die zuständige Bundesnetzagentur werde erst im Herbst mit der Aufstellung der Bundesfachplanung starten. Trotzdem sei es Tennet wichtig, bereits im Stadium der Vorplanungen die Bürger in den betroffenen Regionen über die Entwürfe der Bauvorhaben zu informieren. Deshalb lädt der Netzbetreiber alle an Suedlink Interessierte für Montag, 4. September, ab 17.30 Uhr in die Sporthalle Am Himmelsbarg nach Moorrege ein. Dort wird der Referent für Bürgerbeteiligung, John Karl Herrmann, den Bürgern Frage und Antwort zu der Trassenplanung von Tennet stehen und Einwände sowie Ideen aufnehmen.

Es sei sogar noch ungewiss, ob der favorisierte Streckenverlauf durch den Kreis Pinneberg führen wird: Derzeit gehen die Planer davon aus, dass die etwa 800 Kilometer lange Suedlink-Trasse bei Wilster startet und von dort aus an Brokdorf, Horst, Elmshorn, Uetersen, Moorrege, Heist, Holm und Hetlingen vorbei bis zur Elbe führt und dann den Fluss quert. Dies sei laut den Ingenieuren der „günstigste“ Streckenverlauf, um möglichst wenig dichte Siedlungsgebiete und Naturschutzräume zu beeinträchtigen, sagt Greß. Denkbar wären aber auch Elbquerungen bei Kollmar oder Glückstadt. Darüber habe allerdings die Bundesnetzagentur während des Abwägungsprozesses zu beraten.

Doch warum bevorzugt Tennet den Trassenverlauf durch die Region? „Die Suche nach dem besten Verlauf für den Trassenkorridor startete mit einem sehr weit gefassten Untersuchungsraum in Form einer Ellipse, um die Anfangs- und Endpunkte der geplanten Verbindung – also zwischen Wilster und Grafenrheinfeld“, erläutert Greß. Anschließend wurden Grobkorridore mit einer Breite von 15 Kilometern herausgearbeitet, auf Basis einer sogenannten Raumwiderstandsanalyse. Sprich, es wurde geprüft, wo bereits Stromtrassen oder ähnliche Infrastruktur wie Autobahnen bestehen, an denen entlang geplant werden kann, und wo es Städte oder Naturschutzgebiete erschweren oder verhindern, Leitungen zu verlegen. Greß sagte dazu: „Hierbei stehen insbesondere Siedlungs- und Erholungsflächen und sensible Einrichtungen wie Kliniken, Pflegeheime und Schulen im Vordergrund, aber zum Beispiel auch militärische Vorranggebiete und Eignungsflächen für Windkraftanlagen.“

Danach wurden, so Greß weiter, innerhalb der Grobkorridore Trassenkorridore entwickelt. Diese sind dann nur noch einen Kilometer breit – und eine davon ist der Verlauf zwischen Wilster und Hetlingen. Darein spielten noch weitere Faktoren eine Rolle wie Bündelungspotenziale, also, an welchem Ort Tennet am besten mehrere Leitungen zusammenführen kann. So biete es sich beispielsweise an, Strom aus dem Raum Lübeck, Bad Segeberg und Nord-Hamburg über die Hochspannungsleitung bei Quickborn, Borstel-Hohenraden, Kummerfeld und Moorrege an die Suedlink-Trasse heranzuführen und im Gebiet der Marsch in das Netz einzuspeisen.

Wenn Tennet Suedlink realisiert, wird es ein teures Projekt: Je Leitungskilometer werden laut Greß 1,5 Millionen Euro veranschlagt. Bei 800 Kilometern wären das 1,2 Milliarden Euro.

Wie eine Stromtrasse geplant wird
Zunächst wird in vier Schritten geprüft, wie die neue Trasse von Ort A nach Ort B führen könnte. Danach steigt der Netzbetreiber Tennet in die Detailbetrachtung ein, beispielsweise, wo Strommasten versetzt werden könnten. (Grafik: Tennet)

Schritt 1: Bestimmung der Netzverknüpfungspunkte
Schritt 2: Festlegung des Planungsraumes

 

Schritt 3: Einbindung landschaftlicher Gegebenheiten

 

Schritt 4: Festlegung möglicher Trassenkorridore

 

Wenn alle Atomkraftwerke stillgelegt sind, könnte sich die Einspeisekapazität in die Suedlinktrasse 2024 in Schleswig-Holstein auf 14.100 Megawatt belaufen: 6100 durch Windkraft an Land über die Westküstenleitung, die Mittelachse und die Ostküstenleitung, 2100 durch Windkraft auf hoher See, 600 über das Baltic Cable, das im Raum Lübeck beginnt, 1400 über Nordlink, die Trasse, die Schleswig-Holstein mit Skandinavien verbindet, 3000 über weitere Energieeinspeisung wie beispielsweise durch Biomasse sowie 900 über konventionelle Kraftwerke, wie die in Flensburg, Kiel, Neumünster und Wedel. www.tennet.de
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erstellt am 21.Aug.2014 | 12:00 Uhr

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