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Serie: Zehn Jahre Stadt Tornesch : Tempo 30 auf der Schiene

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Tornesch als eine von sieben Stationen auf der Bahnlinie Altona-Kiel angelegt. Esinger leisteten Widerstand.

Tornesch | Gerade einmal sieben Stationen umfasste die 1844 geplante einspurige Bahnlinie Altona-Kiel, die unter Ausschluss Hamburgs die Nordsee über die Elbe mit der Ostsee verbinden sollte: Pinneberg, Elmshorn, Horst, Wirst, Neumünster, Bordesholm und auch Tornesch. Bau und Unterhalt der Strecke wurden von der „Altona-Kieler Eisenbahngesellschaft“, die privat geführt wurde, finanziert. Um das notwendige Geld einzunehmen, wurden für die „König Christian VIII. Nordostseebahn“ Aktien ausgegeben, die vor allem von vermögenden Privatpersonen gekauft wurden.

Zunächst sollte auch Esingen an die Strecke angebunden werden. Der Bahnhof sollte auf der Flur „Borsel“ in Höhe der heutigen Kaffeetwiete entstehen – in unmittelbarer Nähe zum Dorfkern. Die Pläne „wurden wegen des Widerstands der Einwohner verworfen“, schreibt Annette Schlappkohl in der Chronik „Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute“. Sie vermutet, dass die Bürger fürchteten, dass die Ruhe im Dorf gestört werde.

Jürgen Siemsen (1811 bis 1870) stellte Land für den Bau des Bahnhofsgebäudes zur Verfügung. Als Gegenleistung erhielt er die „Kruggerechtigkeit“ – heute würde es Schankerlaubnis heißen – in der zukünftigen Bahnhofsgaststätte. Sein Bruder führte später eine Wirtschaft in der so genannten Eisenbahnhall – Standort des späteren Bahnhofhotels.

Gastarbeiter aus Ostpreußen, Schlesien und dem Königreich Hannover wurden – bei geringem Lohn – für den Bau beschäftigt, aber auch die lokalen Landwirte und Gewerke kamen zum Einsatz. So sollen bauern aus der Vogtei Esingen bei Fuhrdiensten geholfen haben. In den Wischbeken am Esinger Wohld enstand eine große Handsägerei, um die Bahnschwellen zu bearbeiten. Zudem wurden die Laschen und Nägel zur Befestigung der Schwellen lokal gefertigt.

Beförderung ohne festen Fahrplan

Offiziell wurde die Bahnstrecke am Geburtstag des dänischen Königs am 18. September 1844 eingeweiht. Die Auslastung war noch sehr überschaubar mit zwei Personenzügen und einem „Güterzug mit Personenbeförderung ohne festen Fahrplan“ pro Richtung. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 45 Kilometer pro Stunde. Bei Dunkelheit durften die Züge sogar nur 30 Kilometer pro Stunde fahren. Die S-Bahnen, die auf den Linien S1 und S3 zum Einsatz kommen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde. Die ab 2016 geplanten neuen S-Bahnen des Herstellers „Bombardier Transportation“ sollen sogar 140 Kilometer pro Stunde erreichen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit moderner Regionalzüge beträgt 70 bis 90 Kilometer pro Stunde.

Mit der Bahn hielten auch neue Berufe Einzug in der Stadt. An vier Punkten, an denen Straßen und Wege die Strecke kreuzten, wurden Schrankenwärter eingesetzt, die zunächst eine Kette und später Schranken bedienten. Die „Buden“ waren der Dienstsitz der Schrankenwärter. Von Prisdorf aus kommende, waren diese am alten Hasweg (heute Pinneberger Straße), am Kreyhorn, am Großen Moorweg und am heutigen Gärtnerweg. An den beiden letztgenannten wurden 1845 zwei Wohnhäuser für die vier Bahnwächter errichtet. Die Ankunft eines Zuges wurde zunächst mit dem Hochziehen eines Korbes angekündigt. Mit der Erfindung des Telegraphen wurde das Vorgehen elektrisch gelöst.

Annette Schlappkohl hat von 2000 bis 2004 die Geschichte Torneschs im Auftrag der Ernst-Martin-Groth-Stiftung aufgearbeitet. Das 500-seitige Buch mit dem Titel „Die Geschichte der Ortsteile Ahrenlohe, Esingen und Tornesch von den Anfängen bis heute“ erschien 2004. Als Gastautoren wirkten Hans-Albrecht Hewicker, Arthur Mölln, Hans Joachim Wohlenberg mit. Die Chronik kann bei der Ernst-Martin-Groth-Stiftung erworben werden.
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erstellt am 16.Sep.2015 | 12:39 Uhr

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