Tausche Kuchen gegen Gartenhilfe

Astrid Kleffner (von links), Jochen Dettlaff, Thomas Heisch, Edith Lindenberg und Sandra Wulff zeigen, wo es langgeht – zum Austausch bei „(M)Austausch“ im Alten Gemeindesaal der Schenefelder Stephanskirche.
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Astrid Kleffner (von links), Jochen Dettlaff, Thomas Heisch, Edith Lindenberg und Sandra Wulff zeigen, wo es langgeht – zum Austausch bei „(M)Austausch“ im Alten Gemeindesaal der Schenefelder Stephanskirche.

Beim Schenefelder Tauschring gibt es ein Punktesystem, bei dem sich jeder einbringen kann – und etwas anderes zurückbekommt

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07. Juli 2018, 16:00 Uhr

Diskussionen um Tarife, Gehälter, Boni oder Lohngerechtigkeit sind beim Schenefelder Tauschring nicht nötig. Hier gilt: eine Stunde für zwanzig Mäuse. Ganz gleich, ob man Fenster putzt, Bürokram erledigt oder den Kindern an Heiligabend als verkleideter Weihnachtsmann Geschenke überreicht. „Eine Stunde ist eine Stunde. Jeder bringt sein Können und Talent ein“, sagt Sandra Wulff, die momentan die Öffentlichkeitsarbeit für die 20 Mitglieder übernommen hat.

Für gegenseitige Hilfen wird mit sogenannten Mäusen bezahlt, die einer Zeitgutschrift entsprechen. „Deshalb nennen wir unseren Tauschring auch ,(M)Austausch’“, sagt Wulff. Das System lebt durch Ausgeglichenheit, Gleichberechtigung und Langfristigkeit: „Wer viel für andere im Einsatz ist, kann sich ein Plus erwirtschaften und wer mehr Dienstleistungen oder Sachwerte der anderen in Anspruch nimmt, kann ins Minus geraten“, erklärt Jochen Dettlaff.

Der Gefahr, ins Minus zu geraten, war Dettlaff noch nie ausgesetzt. Er ist Elektrotechniker – sein Können ist gefragt. Wenn er einen Fernseher überprüft oder eine Kaffeemaschine repariert, bekommt er für die Arbeitsstunde 20 Mäuse gutgeschrieben – das benötigte Material, wie Kabel oder Schalter, muss natürlich der Auftraggeber bezahlen. „Ich lasse mir dann dafür Gartenarbeit abnehmen – das ist überhaupt nicht mein Ding“, sagt Dettlaff. „Oder ich bestelle leckeren Kuchen.“

Wenn es ums Kuchenbacken geht, ist Edith Lindenberg die Top-Adresse. Sie ist die Torten-Queen der Gruppe. „Das macht mir einfach Spaß“, sagt sie. Und besonders zur Weihnachtszeit kann sie ihr anderes Talent, das Basteln, ausleben. „Ihre Arbeiten sind so schön und perfekt. Das sind ideale kleine Geschenke oder Mitbringsel“, schwärmt Wulff.

Unmut über die schlechten Leistungen des anderen hat es in den 22 Jahren des Bestehens auch mal gegeben. Wulff: „Natürlich bügelt der eine besser als der andere und bekommt dann mehr Aufträge. Und ob die Fenster nun optimal oder eher suboptimal geputzt wurden, darüber gab es auch schon mal Diskussionen. Aber das ist so selten, dass es keine Rolle spielt.“

Schön wäre es, wenn neue Mitglieder dazu kämen, darüber sind sich alle einig. „Die Neuen bekämen nicht nur gegenseitige Hilfe“, sagt Astrid Kleffner. „Wir feiern auch gemeinsam. Bei unseren Grillfesten in heimischen Gärten steuert jeder etwas bei. Und zum Advent machen wir es uns auch gemütlich.“ Die soziale Komponente des Schenefelder Tauschringes zeigt sich auch darin, dass über den Tauschprozess hinweg, Freundschaften geschlossen wurden und man sich auch privat trifft. Die Vernetzung klappt sogar bundesweit und ermöglicht Aktivitäten mit anderen Tauschringen über die Stadtgrenzen hinaus: „Ich habe beispielsweise gegen Mäuse Wein von einem bestimmten Winzer im Süden bezogen oder mich unterwegs mal bei einem Tauschring gemeldet und dann spontan eine Stadtführung bekommen – das war dann allerdings ein Gastgeschenk“, lacht Thomas Heisch.

Alle, die beim „(M)Austausch“ etwas für die Allgemeinheit tun, bekommen auch das in Mäusen vergütet. Wulff: „Einer erstellt unsere Zeitung, ein anderer druckt Handzettel und die Buchhaltung muss auch gemacht werden. Dafür muss jedes Mitglied zehn Mäuse monatlich abgeben.“

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