Neue Serie: Unser Glaube : Taufe als freiwillige Entscheidung

Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde der Kirche am Fahlt: Hartmut Riemenschneider.
Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde der Kirche am Fahlt: Hartmut Riemenschneider.

Die zirka 700 Baptisten im Kreis Pinneberg kommen ohne Kirchensteuer aus. Einblicke ins Gemeindeleben der Freikirche am Fahlt.

shz.de von
28. Januar 2015, 14:00 Uhr

In dieser Serie von Artikeln stellt Ihnen die Redaktion Ihrer Zeitung jeden Mittwoch eine Glaubensgemeinschaften in der Region Pinneberg vor.

Gott, Jehova oder Allah: Paradiese, Weltuntergänge und das Leben dazwischen – in Deutschland darf geglaubt werden, was gefällt und niemandem schadet. Auch im Kreis Pinneberg gibt es Glaubenswelten außer den Hauptströmungen der evangelischen und katholischen Kirche, Islam und Judentum.

„Wir sind eine Freiwilligkeitskirche. Man wird nicht hineingeboren und als Kind getauft“, so Pastor Hartmut Riemenschneider (56) über die evangelisch-freikirchliche Gemeinde der Kirche am Fahlt in Pinneberg. Die Baptisten sind Mitglieder im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland (BEFG) – als eine von sieben freikirchlichen Gemeinden im Kreis Pinneberg. 209 Gemeindemitglieder gibt es laut BEFG in Pinneberg, 154 in Elmshorn, 115 in Uetersen, 111 in Schenefeld, 73 in Wedel, 38 in Quickborn und 25 in Barmstedt sowie zahlreiche Gäste und Kinder. 

Alle Gemeinden seien eigenständig organisiert. Doch alle Baptisten praktizieren die Gläubigentaufe – meist im Jugendalter nach einem zweijährigen Gemeindebibelunterricht. „Wir haben aber auch Leute mit über 70 Jahren, die sich taufen lassen wollen“, so Riemenschneider. 

„Wenn ein Mensch zum Glauben kommt, dann ist das ein Prozess. Jeder Mensch, der die Taufe begehrt, legt vor der Gemeinde ein Bekenntnis seines Glaubens ab. Das ist eine freiwillige Gewissensentscheidung.“ Möchte jemand austreten, sei das kein Problem. „Zum Glauben gehört Gewissheit, aber auch Zweifel“, so der Pastor, der im Seminar der evangelisch-freikirchlichen Gemeinden in Hamburg Theologie studiert hat.

„Wir erheben keine Kirchensteuer. Jeder entscheidet, wie er sich finanziell beteiligt“, so Riemenschneider. Auf diese Weise kämen pro Jahr zirka 200.000 Euro zusammen, die unter anderem in den Erhalt ihres Gotteshauses am Fahltskamp 79 und in die Bezahlung von Riemenschneiders Pastorenstelle fließen. 

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„Wir sind keine Fundamentalisten,
die alles wörtlich nehmen.“

Hartmut Riemenschneider
Pastor
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Das Jahr 1609 gilt als die Geburtsstunde des Weltbaptismus. Die Pinneberger Gemeinde existiert seit 1849. Im Jahr 1979 wurde das ehemalige Hotel zur Kirche umfunktioniert. Der Gottesdienstraum war früher einmal Tanzsaal. Jetzt stehen dort neben orangefarbenen Stühlen auch ein Klavier, Mischpult und eine Leinwand für Beamer-Präsentationen für Liedtexte und Predigt. Auch Gitarre und Cajon kommen während des sonntäglichen 10-Uhr-Gottesdienstes zum Einsatz, zu dem in der Regel bis zu 130 Menschen erscheinen.

„Die Gottesdienste sind etwas anders. Wir singen ältere sowie moderne und auch englische Lieder.“ In den Gottesdiensten wolle man persönlich und authentisch formulieren“, so Riemenschneider.

Mitglieder können Gebete vor der Gemeinde sprechen. „Wir gehen davon aus, das jeder etwas beitragen kann.“ Laienamt und ehrenamtliche Arbeit würden großgeschrieben. Genauso wichtig ist den Baptisten, die Bibel zu verstehen, wozu Gespräche in regelmäßigen Hauskreisen, im wöchentlichen Bibelgespräch und in der „Teeny“-Gruppe dienen. „Wir wollen uns ansprechen lassen: Was will Gott? Was würde Jesus tun?“, so Riemenschneider. Die Gemeinschaft sei wichtig zur Korrektur. „Wir sind aber keine Fundamentalisten, die alles wörtlich nehmen. Ich glaube, dass Gott die Welt erschaffen hat. Für die Frage ‚wie?‘ sind die Naturwissenschaften zuständig.“

Themen wie Homosexualität werden offen diskutiert. „Wir schauen: Was steht in der Bibel und wie können wir uns als Christen dazu verhalten. Wir reden miteinander, Manchmal ist das anstrengend, wenn man nicht einer Meinung ist.“ Getauft werden Homosexuelle auch in der freikirchlichen Gemeinde Pinneberg, verheiratet derzeit jedoch nicht. Eine abschließende Meinungsbildung der Gemeinde stehe noch aus.

Wichtig ist der Gemeinde die Ökumene, wie Riemenschneider betont. „Wir schätzen das Miteinander der verschiedenen Kirchen und machen auch gern bei der ökumenischen Bibelwoche mit. Da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge positiv entwickelt.“

 
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