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Pinneberger Tageblatt

21. November 2017 | 09:16 Uhr

Taucher nehmen beim Atmen ab

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Sport Sparte des SC Pinneberg hat 34 Mitglieder / Training findet montags von 20 bis 21.30 Uhr im Pinneberger Hallenbad statt

Die Luftblasen brechen durch die Wasseroberfläche und wühlen das Wasser auf. „Jetzt kommen sie nach oben“, sagt Dirk Lehmann, stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart der Sparte Sport-Tauchen des Sport Clubs Pinneberg (SCP). Kurz zuvor hat er mit den Händen aufs Wasser und mit einem Metallteil gegen die Stangen einer Leiter geschlagen, um auf sich aufmerksam zu machen.

„Die Kommunikation ist manchmal etwas langsam“, sagt Lehmann lachend während Jörg Schaumburg, Vorsitzender der Sparte und wie Lehmann Trainer der Gruppe, als Erster an die Wasseroberfläche kommt. Lehmann schaut etwas wehmütig. „Ich wäre jetzt auch lieber im Wasser als am Beckenrand“, sagt er. Eine Erkältung bremst ihn aus. „Damit kann ich nicht ins Wasser.“ Eingefangen hat er sich diese beim Tauchen. „Ausgerechnet im Warmen. Eigentlich unglaublich“, sagt er mit gequältem Grinsen.

Montags von 20 bis 21.30    Uhr gehört das Sprungbecken im Pinneberger Hallenbad den Tauchern. Dann ist Trainingszeit. „Wir sind dann bis zu 20 Leute im Wasser. Da wird es dann schon mal eng“, sagt er. Diesmal sind es fünf Taucher, die sich – von außerhalb des Wassers betrachtet – in Zeitlupe in bis zu vier Metern Tiefe durch das Wasser bewegen. Sie tauchen durch Ringe, versuchen CDs vom Beckenboden aufzusammeln und schwimmen auf einen Spiegel zu, der ins Wasser gehängt wurde. „Wenn man im Wasser ist, hat man das Gefühl, es ist alles richtig, wenn man sich aber selbst sieht, erkennt man seine Haltung, oder dass irgendwo ein Schlauch absteht. Im Hallenbad ist das kein Problem, aber in der Ostsee kann es eins werden“, erläutert Lehmann den Einsatz des Spiegels. Beim SCP wird auf eine versierte Ausbildung der Anfänger viel Wert gelegt. „Eines der wichtigsten Ausbildungsinhalte, die man bei uns lernt, ist die Erste Hilfe und die Taucher-Rettung. Das ist anderswo freiwillig. Ich halte das für unglaublich wichtig.“

„Wir sind kein kommerzieller Betrieb wie Tauschschulen in Urlaubsregionen. Man kann dort seinen Tauchschein in fünf Tagen machen, bei uns sind es alleine acht Wochen mit je zwei Stunden Theorie. Die Prüfung erfolgt über alles. Da reicht das Kurzzeitgedächtnis nicht“, erläutert Lehmann. Ausgebildet wird nach den Vorgaben des Verbands Deutscher Sport-Taucher (VDST), der wiederum dem Weltverband Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques (CMAS) angehört. „Unser Ansatz ist, dass die Leute das Tauchen wirklich beherrschen. Dafür nehmen wir uns mehr Zeit als andere“, erläutert der Sportler. Rekord sei eine Ausbildung von zwei Jahren gewesen. „Aber am Ende konnte der Schüler genauso tauchen wie andere auch. Bei einem kommerziellen Anbieter wäre das gar nicht zu bezahlen gewesen“, sagt Lehmann. Während es Tauchscheine in Urlaubsregionen bereits für 199 Euro gibt, setzt Lehmann etwa 2500    Euro für die Ausbildung an. „Das wäre der Betrag, wenn man alle Kosten einkalkulieren würde. Jeder zahlt aber nur die 23 Euro Mitgliedsbeitrag. Wir stellen bis auf den Anzug auch das Material, wenn es notwendig ist“, so der Kassenwart der Sport-Taucher. „Bis zu 55 Kilogramm kann die Ausrüstung wiegen – je nach Wassertemperatur und Gewässer. Man merkt es aber kaum.“ Üblich seien 30 bis 40  Kilogramm.

„Schnuppertauchen ist quasi auf Zuruf möglich“, sagt Lehmann. Normalerweise reicht ein Fragebogen, wenn er sich nicht sicher ist, muss der Interessent zum Arzt. Die Ausbildung beginnt zumeist im Oktober. „Aufgrund der Bauorgien ist es dieses Jahr im Januar“, erläutert Lehmann. Dann muss auch ein ärztliches Gutachten vorliegen. Lungenprobleme, Herzerkrankungen und psychische Erkrankungen sind Ausschlusskritierien. „Jemand mit körperlichen Beeinträchtigungen kann tauchen, wer aber Depressionen hat, gehört nicht ins Wasser“, sagt Lehmann. Schließlich müsse man sich auf seinen Tauchpartner verlassen können. Auch bei Jugendlichen ist Lehmann zurückhaltend. „Zum Tauchen gehört ein halbwegs ausgebildeter Körper. Man kann bei uns mit 13 Jahren anfangen, wenn man im darauf folgenden Jahr vor der Prüfung 14 Jahre alt wird“, sagt er. Durch das Wachstum reagiert der Körper anders. „Zudem gehört eine geistige und schulische Entwicklung dazu. Mathe, Physik und Medizin muss man lernen und verstehen“, sagt Lehmann. „Wenn ich hier stehe, sehe ich in vier Metern jeden Fußnagel. Das ist in der Ostsee etwas anderes. Da muss ich mit weniger Sicht klarkommen und mich auf meinen Partner verlassen können.“ Insgesamt 34 Mitglieder zählt die Abteilung derzeit. „Bei uns hat man die Chance, jede Woche ins Wasser zu gehen, um im Training zu bleiben“, sagt er über das Hallentraining. Er ist überzeugt: „Wer gesund ist und willens ist, fit zu werden oder zu bleiben, ist bei uns richtig. Taucher sind fitter.“

Allerdings müssten dafür Regeln befolgt werden: „Wenn ich die Ausrüstung trage, muss ich wissen, wie ich den Körper nicht zu sehr belaste. Im Wasser ist eh alles ganz leicht.“ Studien hätten übrigens gezeigt, dass Taucher schon durch das Atmen abnehmen. „Der Körper muss die kalte und trockene Luft erwärmen und anfeuchten. Das kostet richtig Energie und verbrennt Kalorien“, erläutert Lehmann und sagt lachend: „Abnehmen durch Atmen. Damit sollten wir eigentlich werben.“


>www.sport-club-pinneberg.de

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