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Kreis Pinneberg : Tag des Artenschutzes: Etliche Tiere und Pflanzen bedroht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Greifvögel, Uhu und Orchideen: Wenige Vertreter gefährdeter Arten haben im Kreis Pinneberg noch immer ein geschütztes Zuhause .

Kreis Pinneberg | Die Zukunft der Artenvielfalt im Kreis Pinneberg sieht düster aus. So scheint es zunächst, wenn man den Worten der Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Pinneberg lauscht. „Im Land Schleswig-Holstein ist Pinneberg der dicht besiedelste Kreis. Auf fast 20 Prozent der Kreisfläche haben wir eine Siedlungsnutzung. Da ist es schwer, mit Arten zu wuchern“, sagt Jörg Kastrup, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) im Kreis Pinneberg.

Hans-Jürgen Raddatz, Ornithologe und UNB-Mitarbeiter, erläutert: Aufgrund enormer Veränderungen durch den Klimawandel, die Industrialisierung der Landwirtschaft, Umwandlung von Grünland zu Maisanbauflächen und Baumschulland, Bebauung, Zersiedlung sowie Freizeitnutzung seien alle Wiesenvögel seit den 1980er Jahren sehr stark im Bestand zurückgegangen – bis zur Ausrottung. „Bei uns im Kreis Pinneberg sind Uferschnepfe und Rotschenkel weitgehend verschwunden. Lediglich die Feldlerche, der Wiesenpieper und das Schwarzkehlchen kommen in den geeigneten Gebieten noch relativ zahlreich vor. Die früher typischen Arten wie Kiebitz, Brachvogel und Bekassine sind weitgehend als Brutvögel verschwunden.“

„Früher hatten sie strukturreiches feuchtes Grünland mit vielen Insekten, Überschwemmungen und ohne Chemieeinsatz. Da hatten sie ihre Ruhe. Heute sind die Flächen entwässert, früh und häufig bewirtschaftet, unrentable Gräser durch Weidegras ersetzt. Selbst Löwenzahn kommt kaum noch vor, die Sumpfdotterblume selten“, so Raddatz. Die Feldmaus habe einen schlechteren Stand. „Wir haben einen Schmetterlingsrückgang. Der Kiebitz hat kaum Überlebenschancen. Beim Feldhasen gibt es starke Bestandseinbußen, da er die nötige Vielfalt auch an Heilkräutern nicht mehr findet. Das gilt für viele Tierarten wie auch Rehe. Sie sind nicht mehr vital“, sagt der Experte.

Auch den Orchideen geht es an den Kragen. „Unsere Charakter-Orchideenart ist das Breitblättrige Knabenkraut. Diese im Mai blühende Art war in den 1950er Jahren auf nahezu allen feuchten Wiesen auf der Geest zuhause.“ Aufgrund starker Entwässerung, einseitiger Einsaat mit Weidegras mit starker Düngergabe seien die Vorkommen nun auf wenige Standorte, die von Naturschutzverbänden betreut werden, begrenzt – so zum Beispiel in Hasloh,Groß Offenseth-Aspern, Appen und im Wedeler Autal. Heidekraut? Die zahlreichen Flächen, die 1880 noch auf den Landkarten eingezeichnet waren, mussten der Aufforstung von Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen weichen.

(Grafik: Behr)
(Grafik: Behr)
 

Außer allen Schreckensmeldungen gibt es jedoch auch einige Erfolgsgeschichten – unter anderem auch, weil vier Prozent der Fläche des Kreises Naturschutzgebiete sind. Kastrup erläutert, dass in den vergangenen Jahren im Durchschnitt per annum drei bis fünf Hektar neue Flächen für den Artenschutz angekauft werden konnten – überwiegend in Moor- und Niederungsgebieten, in denen eine landwirtschaftliche Nutzung nur noch eingeschränkt möglich ist. Diese Flächen, die von Naturschutzverbänden wie dem Nabu betreut werden, seien aus Ausgleichsgeldern finanziert , die im Rahmen von Bauvorhaben von der UNB verpflichtend für den Naturschutz ausgegeben werden müssen – zwischen 50  000 und 100  000 Euro jährlich.

Zu den Gewinnern im Kreis Pinneberg zählen unter anderem Uhu, Kranich, Wanderfalke und Seeadler. In Schleswig-Holstein brüten offiziell zirka 400 Uhupaare. „Dies ist weltweit der dichteste Uhubestand“, so Raddatz. Im Kreisgebiet seien es geschätzte 20 bis 25 Paare.

Zudem brüteten dort von den 14 in Schleswig-Holstein vorkommenden Greifvogelarten zehn. „Aufgrund der geringen Waldfläche und dem zunehmenden Erholungsdruck, Holzarbeiten sowie Freizeiteinrichtungen und freilaufenden Hunden reagieren einige Arten sehr empfindlich wie Rotmilan und Wespenbussard.“ Auf bis zu drei Rotmilanpaare und vier bis acht Wespenbussardpaare schätzt Raddatz die Zahl im Kreisgebiet. Ein bis zwei Seeadlerpaare hätten in der Elbmarsch 2014 erstmalig seit vielen Jahren erfolgreich gebrütet. Der Bestand des Habichts – Vogel des Jahres 2015 – habe sich mit geschätzten 20 bis 24 Paaren wieder etwas erholt, nachdem die Art lange Zeit durch die illegale Verfolgung stark zurückgegangen war. Auch einige Paare der Arten Baumfalke und Rohrweihe sowie relativ zahlreiche Mäusebussard- und Turmfalkenpaare seien im Kreisgebiet zu finden. Seit 2006 brüten auch Kraniche wieder erfolgreich in den vom Nabu betreuten Feuchtbiotopen mit zwei bis drei Paaren im Klein Offenseth-Bokelsesser Moor und seit wenigen Jahren auch im Süden des Kreises – insgesamt im Kreisgebiet zirka zehn bis zwölf Paare.

Auch eine weltweite Rarität hat der Kreis bislang noch aufzuweisen. Der Schierlingswasserfenchel ist einzigartig an der Elbe. Nur noch in Hamburg und auf der niedersächsischen Seite zu finden – derzeit jedoch bedroht von den Elbvertiefungen.

Der Tag des Artenschutzes wird heute begangen, um an die Unterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) am 3. März 1973 in der US-Hauptstadt zu erinnern. Hintergrund: Die Gier nach Elfenbein gipfelte in den 1980er Jahren in einer beispiellosen Wilderei und führte zu einem starken Rückgang der Bestände, bis  die internationale Staatengemeinschaft 1990 den weltweiten kommerziellen Handel stoppte. In Schleswig-Holstein muss die Haltung geschützter Tiere beim  Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume angemeldet werden. „Wir haben 100.000 Tiere von 13.000 Haltern in Schleswig-Holstein“, sagte Arne Drews, Mitarbeiter im Dezernat faunistischer Artenschutz. „Elefanten in Zirkussen, Dompteure, die Tiger nachzüchten, in den Tierparks Wölfe, Biber, Affen.“ Auch Papageien oder Landschildkröten gehörten dazu. Auf diese Weise  wird Nachzucht und Einfuhr unter Kontrolle gehalten. Stichprobenartig werden die Halter kontrolliert.
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erstellt am 03.Mär.2015 | 12:30 Uhr

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